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Torlawine, Verletzungshexe, multikulti

Am Donnerstagabend werden im Sportgeschäft Vaucher die Topscorer der Amateurligen geehrt. Einem Spieler gelangen sogar 10 Treffer in einer Partie.

Während an der WM in Russland die entscheidende Phase bevorsteht, herrscht auf den Berner Fussballplätzen derzeit Flaute. Die letzten Entscheidungen in den Amateurligen sind vor drei Wochen gefallen, seither ruht der Meisterschaftsbetrieb. Allerdings ist die Sommerpause kurz, schon Anfang August wird es in der Promotion League und der 1. Liga weitergehen – etliche Berner Teams befinden sich deshalb schon in der Vorbereitung.

Am Donnerstagabend wird im Sportgeschäft Vaucher in Niederwangen nochmals auf die Saison 2017/2018 zurückgeblickt. Seit 1974 ehrt und prämiert Vaucher Sport Specialist in Zusammenarbeit mit dieser Zeitung die torgefährlichsten Akteure und die produktivsten Mannschaften des regionalen Fussballs. Auch in der letzten Saison sorgten absurde Resultate, unfassbare Spielverläufe, mehrfache Hattricktorschützen oder sonstige skurrile Geschichten für Gesprächsstoff bei den Fussballinteressierten. So wie folgende Episoden . . .

Torlawine am Berner Südrand. Nichts gegen die Fussballer aus der 4. oder 5. Liga: Aber richtig qualitativ und kompetitiv ist das Niveau oft erst in der 3. Liga, wo sich ambitionierte erste Equipen aus grösseren Gemeinden oder den Städten konkurrieren. Der FC Weissenstein gehört ohne Zweifel in diese Kategorie. Der Verein vom Stadtberner Südrand zieht seit seiner Gründung 1994 immer wieder starke Fussballer an, hat eine Vergangenheit in der 2. Liga regional und versucht seit geraumer Zeit aufzusteigen.

Obgleich in der letzten Saison die Aufstiegsspiele knapp verpasst wurden, erlebten die Fussballer des FCW Denkwürdiges. Es passierte am 20. Mai 2018: Weissen­stein, schon vor diesem Tag eines der torhungrigsten Teams in der 3. Liga, kam zum vielleicht höchsten Sieg, den es in der Geschichte der 3. Liga zu bejubeln gab. 30:0 – in Worten: dreissig zu null – deklassierte Weissenstein den späteren Absteiger Prishtina II.

Allerdings trat das Migrantenteam zu Beginn des Spiels nur mit acht Mann an, darunter auch mit dem Sportchef und Präsidenten Gazmend Tetai, der indes nur auf dem Feld stand, damit der Club keine Busse erhielt (bei nur 7 Spielern hätte Weissenstein Forfait gewonnen). «Mir ist es lieber, 0:30 zu verlieren, als Forfait zu geben. Wir wollten keine Busse», sagte Tetai. Weissenstein-Sportchef Giannino Romanelli fand derweil: «So hat es weder für sie noch für uns Spass gemacht.»

«Mir ist es lieber, 0:30 zu verlieren, als Forfait zu geben.Prishtina-Präsident Gazmend Tetai»

Prishtina-Präsident Gazmend Tetai

Schon zur Pause führte Weissenstein 14:0, leistete sich sogar den Luxus, Topskorer Gregory Bissegger auf der Bank zu lassen. Bissegger kam erst in der zweiten Halbzeit aufs Feld und markierte noch unfassbare 10 Treffer (!) in 45 Minuten – der Berner Stürmer legte somit den Grundstein für den Titel des Torschützenkönigs in der 3. Liga (total 47 Treffer).

Verletzungshexe im Oberland.Verletzungen und Sperren gehören zum Fussball. Was jedoch der FC Rothorn in der Vorrunde der 2. Liga regio erlebte, kann nur mit exorbitantem Pech beschrieben werden. Spieler um Spieler verletzte sich, es kamen Sperren dazu und weil auf diesem Niveau ab und zu auch Akteure in den Urlaub fahren, war der Kader irgendwann so dünn besetzt, dass die Brienzer Mühe hatten, ein Team zu stellen.

Am 7. Oktober 2017 fehlten den Oberländern gegen Dürrenast (0:1) nicht weniger als 16 Spieler (!) – so steht es auf dem offiziellen Matchblatt. Auch in der Folge hatten die Brienzer mit vielen Abwesenden zu kämpfen, waren nach der Vorrunde deshalb abgeschlagen Letzter. Als in der Rückrunde aber immer mehr Leistungsträger zurückkehrten, drehte Rothorn den Spiess komplett um und schaffte dank einer tollen Sieg­serie dennoch den Klassenerhalt.

Multikulti in Köniz. In der Schweiz leben viele Migrantenkinder, die das Spiel mit dem runden Lederball heiss lieben und dem hiesigen Fussball mitunter den Stempel aufdrücken – die Schweizer Nationalmannschaft lässt grüssen. Auch das beste Berner Amateurteam der letzten Saison profitierte von den fussballerischen Qualitäten von Secondos, Doppelbürgern und Ausländern.

Der FC Köniz, der die letzte Spielzeit in der Promotion League auf dem ausgezeichneten 7. Rang abschloss, setzte im Heimspiel vom 31. April 2018 gegen Stade Nyonnais (0:1) nicht weniger als 12 Akteure ein – darunter natürlich auch viele Doppelbürger –, die mindestens einen ausländischen Pass besitzen. Sage und schreibe Akteure aus 10 verschiedenen Nationen waren auf Könizer Seite bei dieser Begegnung vertreten. Die einzigen Spieler mit Schweizer Namen waren Goalie Christian Schindler und der rechte Aussenverteidiger Marco Stauffiger – die Nationalmannschaft lässt grüssen . . .

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