Und dann kommt Ronaldo

Die Schweizer überzeugen im Halbfinal der Nations League gegen Gastgeber Portugal über weite Strecken. Doch sie haben keinen Cristiano Ronaldo und verlieren deshalb 1:3.

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Fabian Ruch

Cristiano Ronaldo ist ein Spielverderber – zumindest die Schweizer müssen das so sehen. Die Mannschaft von Vladimir Petkovic ist nahe dran an diesem Abend in Porto, erster Halbfinal der Nations League. 1:1 steht es kurz vor Schluss, man freut sich auf die Verlängerung einer ­lebhaften Begegnung. Und dann eben: CR7. Er hat bereits das 1:0 erzielt, das war in der ersten Halbzeit. Dann entscheidet er die Partie mit Treffern in der 88. und in der 90. Minute, es sind die Länderspieltore Nummer 86, 87 und 88 für den portugiesischen Starstürmer.

Das 2:1 gelingt ihm, nachdem Bernardo Silva den Ball über­ragend angenommen und in die Mitte gespielt hat. Dort ist Ronaldo zu schnell für Manuel Akanji und zu gut für Yann Sommer. Und dann tanzt Ronaldo nach einem bösen Ballverlust Granit Xhakas den bedauernswerten Akanji herrlich aus, ehe er zum 3:1 ins Netz schlenzt.

Die Vorentscheidung: Cristiano Ronaldo macht das 2:1 für den Gastgeber. (Video: SRF)

Und die entgültige Entscheidung: Der Superstar legt zwei Minuten später das 3:1 nach. (Video: SRF)

Für die Schweizer ist es ein brutales Ende nach einer grösstenteils überzeugenden Leistung. «Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen», sagt Vladimir Petkovic, «wir haben gegen einen starken Gegner verloren.» Seine Mannschaft wird für ihren couragierten Auftritt kurz nach der Pause mit dem Ausgleich belohnt, weil sich Schiedsrichter Felix Brych nach Konsultation der Videoaufnahmen dafür entschieden hat, einen Elfmeter für Portugal zurückzunehmen – und den Schweizern einen Penalty zuzusprechen. Portugals Verteidiger Nelson Semedo hat Steven Zuber zuvor zu Fall gebracht. Ricardo Rodriguez ist das minutenlange Warten auf die Fortsetzung der Partie einerlei, er trifft aus elf Metern eiskalt zum 1:1.

Der Schweizer Ausgleich vom Punkt: Ricardo Rodriguez mit dem 1:1. (Video: SRF)

Der starke Start

Der Abend hat bereits mit mutigen Schweizern begonnen, die nichts davon halten, erst einmal abzuwarten, wie sich der Gastgeber verhält. Sie treten so auf, wie es ihr Trainer forderte, spielfreudig also und druckvoll, und sie sind es, die sich bald erste gute Chancen erarbeiten. In der dritten Minute scheitert Xherdan Shaqiri aus wenigen Metern an Portugals Goalie Rui Patricio, kurz darauf verfehlt Haris Seferovic nach einem flotten Angriff über die rechte Seite das Tor.

Das Selbstverständnis der Schweizer ist bemerkenswert, sie überzeugen mit Ideenreichtum und Flexibilität, sie sind die bessere Mannschaft. Im Zentrum ordnet Xhaka den Aufbau, vor ihm wirbelt Shaqiri mit einem Selbstvertrauen, als hätte er ­wenige Tage zuvor mit Liverpool die Champions League alleine gewonnen. Er setzt mit klugen Zuspielen immer wieder Kevin Mbabu ein, der auf der rechten Seite wie bei YB eher Flügel als Verteidiger ist. Und er verfehlt mit einer scharfen Flanke, da ist immer noch keine Viertelstunde gespielt, das Tor nur um Zentimeter. Shaqiri dribbelt und schiesst und rennt in der ersten Halbzeit, als müsse er an diesem Abend der ganzen Welt beweisen, zu Recht der einzige aktuelle Champions-League-Sieger auf dem Platz zu sein.

Zwischendurch allerdings leisten sich die Schweizer auch grobe Aussetzer. Einmal spielt Akanji den Ball unbedrängt in die Füsse von Silva, doch Ronaldo schliesst überhastet ab. Und Mitte der ersten Halbzeit löst sich Fabian Schär, der andere Innenverteidiger, viel zu früh aus der Abwehrreihe, was es Ronaldo ­ermöglicht, einen Freistoss herauszuholen. Die Intervention von Mbabu ist hart, aber er trifft nur den Ball, der Pfiff Brychs ist ­deshalb sehr streng. Ronaldo hat zwar in den letzten Jahren nicht mehr besonders viele Freistosstreffer erzielt. Das hindert ihn ­jedoch keineswegs daran, die Ausführung immer noch mit aussergewöhnlichem Gehabe vorzubereiten. An diesem Abend ist es sein Glück, verlässt Sommer die Torhüterecke.

Auch dies gelingt ihm an diesem Abend: Ronaldo versenkt den Freistoss zum 1:0 für Portugal. (Video: SRF)

Ein harter Pfiff von Referee Brych: Mbabu spielt den Ball. (Video: SRF)

Die guten Chancen

Die Schweizer sind nach dem ­unglücklichen Rückstand nicht geschockt, sie treten weiter bestimmt auf, kombinieren flüssig, gefallen mit gepflegter Spielweise. Die grösste Gelegenheit zum Ausgleich bietet sich vor der Pause Seferovic, sein Schuss streift nach smartem Pass Shaqiris und flacher Hereingabe Mbabus die Lattenoberseite. Gegen Ende der ersten Halbzeit verpasst João ­Felix nach einem starken Pass Ronaldos das 2:0. Es ist die einzige auffällige Szene des 19-jährigen Grosstalents, das in seiner Heimat als «neuer Ronaldo» ­gepriesen wird. Noch ist der alte Ronaldo mit 34 alles andere als bereit, die Weltbühne zu verlassen. Er ist fünffacher Champions-League-Sieger – und damit ein Stück grösser als Shaqiri.

Viel Pech: Seferovic trifft nur die Latte. (Video: SRF)

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