Und Fischer überrascht wieder alle

Im Schweizer Trainerduell kommt Urs Fischers Union Berlin mit einem 3:1 gegen Lucien Favres Dortmund überraschend zum ersten Sieg in der Bundesliga.

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Kurz vor halb neun war die kleine Sensation perfekt. Der Kleine schlägt den Grossen, Union Berlin besiegt Dortmund, Urs Fischer überrascht Lucien Favre.

«Es ist immer sehr unangenhem, gegen seine Mannschaften zu spielen», hatte Favre vor dem Spiel noch im Fernsehen gesagt, angesprochen auf die Bekanntschaft zwischen dem Romands Favre und dem Zürcher Fischer und die gemeinsame Vergangenheit beim FC Zürich, als Favre Trainer und Fischer Nachwuchscoach gewesen war.

Die Frage, die man sich ja vor zwei Wochen rund um Union Berlin stellen musste, war: Inwieweit kann Union lernen? 0:4 verlor der Neuling in seinem ersten Bundesliga-Spiel gegen Leipzig, es war eine Lektion – und eben offenbar auch eine echte Lehrstunde gewesen. Schon vor einer Woche in Augsburg wirkte Union stabiler, trauten sich die Berliner mehr zu.

Bülter, der Mann des Abends

Am Samstag dann, vor eigenem Publikum, zeigte Fischers Team, dass es sich auch offensiv etwas zutraut. Und es ist ja noch einmal eine ganz spezielle Geschichte, dass das Führungstor gegen Dortmund, das zweite Bundesliga-Tor von Union überhaupt, ausgerechnet ihm gelang: Marius Bülter. Die Leihgabe vom FC Magdeburg spielte noch vor eineinhalb Jahren in der Regionalliga bei Rödinghausen, traf am Samstag nach einem Eckball gegen den Schweizer Roman Bürki im Borussia-Tor.

Nur drei Minuten später musste Union den Ausgleich hinnehmen und es war ein Tor, dass förmlich versinnbildlichte, wie die Kräfteverhältnisse zwischen dem Titelkandidaten und dem Aufsteiger zu verorten sind: Jadon Sancho spielte auf Paco Alcacer, das sind auf dem Transfermarkt etwa 137 Millionen Euro, sie überspielten Christopher Lenz und Marvin Friedrich, die zusammen knapp 3,5 Millionen Euro wert sind.

Zungenschnalzer beim 3:1

Die erste Führung in einem Bundesliga-Spiel hielt für Union Berlin also nicht lang an – doch es kam noch eine zweite. Noch vor der Pause nahm der Druck von Dortmund zwischenzeitlich etwas ab, Sebastian Andersson hatte einmal eine gute Möglichkeit, sah seinen Versuch aber von Nationalspieler Manuel Akanji pariert.

Nach dem Seitenwechsel dann der erneute Paukenschlag: Wieder war das Duell Andersson gegen Akanji, diesmal verschätzte sich der Schweizer arg, Bürki parierte Anderssons Schuss mit dem Fuss – und wer staubte ab? Richtig, Marius Bülter.

Mit seinem Doppelpack sorgte der 26-Jährige für eine heisse Schlussphase – in der dann überraschenderweise die Berliner den Ton angaben. Eine sehenswerte Aktion von Sheraldo Becker inklusive Doppelpass und Tunnel war die Vorlage für Andersson: 3:1 für Union.

Die kleine Sensation, sie beschert dem Aufsteiger eine nächste Feier in der alten Försterei. Union Berlin schlägt den Vize-Meister und springt in der Tabelle vor auf Rang 10, Favres Dortmund ist im Meister-Rennen gegen Bayern (souveränes 6:1 gegen Mainz) bereits im Hintertreffen.

mrm

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