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«Wenn am Ende alle am Boden liegen, hilft das niemandem»

YB-CEO Ilja Kaenzig spricht über den Trainerwechsel, Benno Oertig und den gestiegenen Druck. Und er nimmt Stellung zur bisher schwachen Bilanz unter seiner Führung.

Unter Druck: Ilja Känzig.
Unter Druck: Ilja Känzig.
Andreas Blatter

Wie gross ist Ihre Genugtuung, dass Trainer Christian Gross bei YB gescheitert ist?

Ilja Kaenzig: Das ist eine provokative Frage. Ich verspüre natürlich keine Genugtuung.

Der «Blick» bezeichnete Sie als «grossen Sieger», weil Sie Gross gar nie verpflichtet hätten...

...bei einer Trainerentlassung gibt es nie Sieger. Wir haben alle verloren, denn wir wollten mit Gross Erfolg haben. Niemand hätte gedacht, dass sein Engagement bei YB so enden würde.

Und jetzt hat man das Gefühl, nach der Freistellung von Christian Gross habe die grosse Befreiung bei Fans, Spielern und Mitarbeitern stattgefunden.

Das tönt zu brutal. Wir befanden uns in einer heiklen Situation, wir mussten etwas machen, weil wir die negative Stimmung an allen Fronten ja auch mitbekommen haben. Aber, noch einmal, niemand wünschte sich, dass die Zusammenarbeit nicht fruchtet.

Man hört von Richtungskämpfen in der YB-Chefetage, Verwaltungsratspräsident Benno Oertig wird von vielen Seiten kritisiert. Wie stehen Sie zu ihm?

Ich bekomme diese Diskussionen mit, und ich glaube, es ist der völlig falsche Ansatz, wenn wir in der Öffentlichkeit zu diskutieren beginnen. Benno Oertig ist der Verwaltungsratspräsident, er ist mein Vorgesetzter, und er hat sehr viel für dieses Stadion und YB geleistet. Es ist völlig falsch, ihn an den Pranger zu stellen. Im Übrigen werden hier nur alte Reflexe bedient. Ausserdem betrifft mich diese Sache gar nicht.

Wie meinen Sie das?

Die Entlassung von Stefan Niedermaier schlug vor bald zwei Jahren hohe Wellen, das ist mir nicht entgangen. Und Benno Oertig wurde damals scharf kritisiert. Aber ich bin der Nachfolger von Niedermaier, und das Ganze liegt lange zurück. Wir tun YB keinen Gefallen, wenn wir immer wieder alte Geschichten aufwärmen. Es geht um die Sache und damit um YB. Und es geht darum, dass wir vorwärtsschauen. Wenn am Ende alle am Boden liegen und jeder gegen jeden arbeitet, hilft das niemandem. Wir müssen sofort Brisanz aus der Angelegenheit nehmen und jetzt alle an einem Strick ziehen. Wir stehen vor wichtigen Entscheidungen.

Nun ist auch der Druck auf Sie massiv gestiegen...

...als CEO hat man immer Druck. Und wenn die Trainerwahl bei YB nicht hingehauen hat...

...eine Wahl, die nicht Sie verantworteten...

...wenn jetzt diese Trainerwahl, hinter der wir alle standen, nicht hingehauen hat, dann ist der Druck gestiegen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Das ist klar. Die Verpflichtung des Trainers ist sehr, sehr wichtig, aber wir haben noch viele andere Pendenzen zu erledigen. Im Übrigen haben wir am Dienstag und am Samstag gegen Zürich und Luzern zwei entscheidende Spiele. Es soll und muss bei uns jetzt um den Fussball gehen und nicht um Politik. Wir lassen uns zudem viel Zeit bei der Trainersuche und auf gar keine Spekulationen ein.

Seit Sie als CEO im August 2010 eingestiegen sind, lief es den Young Boys nicht besonders gut.

Als ich letzte Saison anfing, war fast alles aufgegleist, Trainer Vladimir Petkovic stand heftig in der Kritik. Ich finde, wir tätigten starke Transfers wie jene von Alexander Farnerud oder Alain Nef, wir moderierten letztes Jahr den Trainerwechsel gut und wurden gelobt für die Verpflichtung von Gross. Aber, klar, am Ende werde ich nach sportlicher und wirtschaftlicher Bilanz beurteilt.

Und diese sieht nicht gut aus. YB bestreitet eine katastrophale Spielzeit, die Zugänge überzeugen nicht, Zuschauer und Sponsoren laufen davon. Damit können Sie nicht zufrieden sein.

Selbstverständlich nicht. Aber ich bin sicher, dass wir alles unternahmen, um bestmögliche Bedingungen zu schaffen. Wir wurden zuletzt ja zweimal als Transfersieger bezeichnet. Unsere neuen Akteure gelten als gute Spieler. Ist es denn mein Fehler, wenn die Fussballer bei uns schlechter spielen als früher? Das soll jetzt keine Kritik an Christian Gross sein.

Michael Silberbauer, der dänische Nationalspieler, ist nicht der einzige Zugang, der bisher schwer enttäuschte. Und das war kein Transfer von Gross.

Silberbauer war überall Führungsspieler und Leistungsträger, er spielt im Nationalteam, war oft Captain in seinen Vereinen, besass im letzten Sommer viele Angebote. Er kam zu YB, das war ein grosser Erfolg. Auch andere umworbene Akteure wie Jan Lecjaks oder die jungen Venezolaner Alexander Gonzalez und Josef Martinez schlossen sich uns an, obwohl es andere Interessenten gab. Ich bin überzeugt, dass wir gute Transfers machten.

Aber?

Die meisten schöpften bei uns leider ihr Potenzial noch nicht aus. Ausserdem ist es manchmal undankbar. Denn YB steht stark im Fokus, da werden wir sofort kritisiert. Aber ich muss als CEO zu anderen Geschäftsfeldern im Stadion schauen. Auch die sind wichtig für unser Unternehmen.

Gross hat vieles umgekrempelt und verdienstvolle Spieler aussortiert. Wäre es nicht wichtig, wieder auf mehr bernische Elemente zu setzen und bescheidener vorzugehen? Das «Phase 3»-Geschwätz nervt nur noch.

YB ist ein nationaler Spitzenklub mit Ambitionen. Es ist auch mein Ziel, hier irgendwann einen Titel zu gewinnen. Das Kader ist gut besetzt, aber natürlich müssen wir den Bern-Bezug wieder stärker pflegen. Wir können diese Äusserungen mit der «Phase 3» nicht zurücknehmen, aber das liegt doch nun lange zurück

Benno Oertig sprach aber in einem Interview mit der Berner Zeitung im letzten Herbst davon, er sei immer ausgelacht worden, doch mit Christian Gross werde diese Phase nun gezündet...

...und was soll ich jetzt sagen? Wie gesagt, ich will nach vorne blicken und nicht Energie verschwenden mit Dingen, die uns nicht weiterbringen. Wir stecken in einer schwierigen Situation. Und es ist meine grösste Motivation, einen Weg in eine bessere Zukunft zu finden.

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