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Wichtiger als jede Statistik

Nicolas Schindelholz ist wieder ein fester Bestandteil der Verteidigung des FC Thun. Der Basler geniesst jede Sekunde auf dem Platz.

Simon Scheidegger
Wieder am Ball: Nicolas Schindelholz.
Wieder am Ball: Nicolas Schindelholz.
Patric Spahni

Statistiken sind ja in der Regel mit Vorsicht zu geniessen, vermitteln sie doch nur ein stark vereinfachtes Bild einer komplexen Realität. Manchmal enthüllen die Zahlen jedoch interessante Aspekte, die dem gemeinen Beobachter nicht auf Anhieb auffallen.

Nicolas Schindelholz lacht, als er mit den Werten 1,427 und 1,137 konfrontiert wird. Ersteres ist die Punkteausbeute des FC Thun pro Spiel in der Super League seit der Saison 2010/2011, wenn der Basler auf dem Feld steht. Letzteres diejenige, wenn Schindelholz fehlt. «Das ist gut zu wissen. Ich hoffe natürlich, dass es so weitergeht», sagt der 28-Jährige.

Es sind Worte, die einem Fussballer oft über die Lippen gehen. Aber bei Schindelholz sind sie wohl noch etwas ernster gemeint als bei vielen seiner Berufskol­legen. Auch deshalb, weil die erwähnten Zahlen etwas verschweigen: Schindelholz absolvierte in seinen acht Jahren beim FC Thun nämlich gerade mal 89 Super-League-Einsätze (dazu 27 in der Challenge League), bei 146 Spielen in der höchsten Liga musste er aussetzen.

Die Verletztenakte des Innenverteidigers ist dick, und schon oft musste er darüber Auskunft geben und sinnieren, was wohl gewesen sein könnte, wenn er – als 21-jähriges Talent ins Oberland gekommen, um in Thun nur einen Zwischenhalt einzulegen – von Verletzungen verschont geblieben wäre. Doch der Konjunktiv ist kein Freund von Schindelholz. «Abhaken, vorwärtsschauen. Ich freue mich auf das, was noch kommt.»

Am vergangenen Samstag feierte Thun mit dem Sieg bei GC einen optimalen Auftakt in die Rückrunde. Schindelholz ist nun seit vier Partien und seiner Rückkehr nach einem Muskelfaserriss wieder fester Bestandteil des Thuner Abwehrverbunds. Für ihn sei extrem wichtig gewesen, dass er die gesamte Vorbereitung habe mitmachen können, sagt der Basler. So sei er bereits von Beginn an im Rhythmus und müsse sich nicht erst wieder ins Team kämpfen.

«Wir wollen den guten Start nun bestätigen», sagt Schindelholz, wohl wissend, dass es sich beim nächsten Gegner um den FC Basel handelt. «Es wird ­sicher sehr schwierig, aber wir werden alles versuchen, um zu gewinnen.» Am Sonntag feiert Schindelholz seinen 29. Geburtstag. Im Zusammenhang mit einem Sieg gegen den FCB spricht er denn auch von einem «schönen Geschenk», das er sich mit der Mannschaft gleich selber machen könnte.

Emotionale Erinnerung

Das Spiel gegen Basel (Samstag, 17.45 Uhr) ist das 99. in der Stockhorn-Arena seit deren Eröffnung im Juli 2011. Im Vorfeld der Partie gegen den Leader werden die Fans dazu aufgefordert, ihre schönsten Erlebnisse im Stadion mitzuteilen. Schindelholz kommt diesbezüglich genau eine Partie in den Sinn. Am 1. Juni 2013 wars, als Stipe Matic gegen die Young Boys tief in der Nachspielzeit der Ausgleich gelang und sich die Thuner durch den Punktgewinn für die Europa League qualifizierten. «Das war schon sehr emotional.»

Auch wenn Schindelholz seine Verletzungsgeschichte nicht gross aufrollen möchte – in den Worten des Innenverteidigers schwingt sie doch stets mit. Er freut sich über jede Sekunde, die er auf dem Fussballplatz verbringen kann. «Wenn jemand so viel verletzt gewesen ist wie ich, wird man demütig», sagt er. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Viele Gedanken dazu, wie es danach weitergeht, macht er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht. «In der Situation, in der wir uns aktuell befinden, wäre das nicht richtig».

Anfang Saison hätten bereits Gespräche stattgefunden, und demnächst werde er sich sicherlich wieder mit den Verantwortlichen zusammensetzen. «Ich fühle mich sehr wohl und kann mir gut vorstellen, in Thun zu bleiben», sagt er. Fügt aber gleich an: «Das Wichtigste ist für mich die Gesundheit.» Wichtiger als jede Statistik.

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