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Wicky: «Ja, Meister werden wir»

Neue Führung beim FC Basel: Sportchef ist Marco Streller. Und dann drei Walliser: Präsident Bernhard Burgener, CEO Jean-Paul Brigger und Trainer Raphael Wicky. Der Jungcoach nimmt Stellung zu acht provokativen Thesen.

Der neue Dirigent: Trainer Raphael Wicky will die Basler Erfolgsgeschichte weiterschreiben.
Der neue Dirigent: Trainer Raphael Wicky will die Basler Erfolgsgeschichte weiterschreiben.
Keystone

1. Raphael Wicky hat noch nie mit erwachsenen Profis gearbeitet. Da ist der FCB mit seinen vielen Nationalspielern eine Nummer zu gross.

Raphael Wicky:«Nein. Auf dem Platz funktioniert die Arbeit im Alltag wie mit den Jungen. Wenn ich korrigieren muss, korrigiere ich, wenn ich loben kann, lobe ich, da ändert sich nichts. Wir haben im Trainerstab klare Ideen, die wir vorgeben und deutlich kommunizieren. Werner Leuthard beispielsweise ist 55 Jahre alt, Marco Walker 47 – Entschuldigung, aber da sehe ich doch viel Erfahrung.»

2. Nicht zuletzt deshalb wäre es besser gewesen, statt Massimo Lombardo einen erfahrenen Assistenten auf die Bank zu holen.

«Auch hier: Nein. Ich will einen Assistenten, der im fussballerischen Bereich eine andere Sichtweise reinbringt als ich. Das tut Massimo Lombardo. Aber auch die anderen im Staff müssen ihre Ideen vermitteln, das ist mir ganz wichtig. Ich sehe mich als Teamplayer, entscheide aber am Ende selbst, weil ich den Kopf hinhalten muss, wenn es nicht läuft. Als Trainer kann ich nicht immer fair sein – aber ehrlich. Ehrlich bedeutet für mich: klare Kommunikation. Huub Stevens hat mich einst beim HSV ‹abgeschossen›, das war hart. Aber er hat es mir offen gesagt. Mit dem Alter hat eine solche Art nichts zu tun.»

3. In der Führungsriege herrscht zu viel Kumpanei um Sportchef Marco Streller. Deshalb hat Raphael Wicky niemanden, der ihnaus professioneller Distanz ­beurteilt.

«Das sehe ich nicht so. Mich ­verbindet mit Alex Frei keine tiefe Freundschaft, mit Marco Streller auch nicht. Wir haben uns im Kreis der Nationalmannschaft immer geschätzt – aber wir fuhren nie zusammen in die Ferien. Mit Massimo Ceccaroni pflege ich eine respektvolle, tiefe Beziehung, er war die letzten vier Jahre mein Chef. Aber von Kumpanei sind wir weit entfernt. Wichtig ist der offene, emotionslose ­Austausch.»

4. Raphael Wicky wird in der Champions League 2017 mehr Punkte und mehr Sympathien holen als sein Vorgänger Urs Fischer.

«In der Meisterschaft will ich so viele Punkte wie möglich ­erobern. Aber ich mache nie etwas, um mit einem Vorgänger verglichen zu werden. Deshalb hören Sie von mir keine exakte Prognose.»

5. Raphael Wicky unterschätzt den Druck, der entstehen wird, sollte er zwei Spiele hintereinander verlieren.

«Oh, glauben Sie mir: Ich mache mir selbst jeden Tag sehr, sehr viel Druck. Das war schon so, als ich die U-14 betreut habe. So ist mein Charakter. Ich kenne den Druck im Fussball, und mir ist klar, dass ich im Fokus der ­Medien stehe. Ich unterschätze das nicht – aber damit muss ich umgehen können. Deshalb ­versuche ich, möglichst wenig Zeitung und Internet zu lesen, auch in guten Zeiten. So habe ich es schon als Spieler gehalten. Aber ich habe schon die eine oder andere App auf meinem Smartphone. Meine Familie wird mit dem medialen Druck wohl mehr Mühe haben. Ich ­habe meiner Mutter bereits zu meiner Zeit in Hamburg ­gesagt, dass sie nicht zu viel in die Leserforen gehen und die Kommentare lesen soll. Aber das fiel ihr schwer.»

6. Und doch wird Raphael Wicky mehr Kredit geniessen als Paulo Sousa oder Urs Fischer, weil er besser aussieht und den sympathischeren Dialekt spricht.

«Also, mein Dialekt kommt in der ganzen Schweiz relativ gut an – vielleicht auch deshalb, weil ihn die Hälfte nicht versteht (lacht). Aber was soll ich zu meinem Aussehen sagen? Wenn ich das Spiel verliere, ist es doch egal, ob ich gros­se Ohren oder graue Haare habe.»

7. Auch Raphael Wicky wird sich je länger, je schwerer damit tun, dass beim FC Basel Siege allein nicht gut genug sind.

«Momentan kann ich Ihnen darauf keine Antwort geben. Es kann sein, dass ich damit Probleme haben werde, weil ich viele Kritiken an meinem Vorgänger Urs Fischer nicht verstanden habe. Der FCB hat eine überragende Saison hinter sich. Aber schon zu meiner Zeit als aktiver Spieler war mir wichtig, wie wir den Match gewonnen haben. Deshalb habe ich hohe Ansprüche an mich. Natürlich sehe auch ich gerne schöne Tore, aber am Schluss möchte ich primär Punkte.»

8. Egal, welche Thesen sich bewahrheiten oder sich als Blödsinn entpuppen – am Saisonende wird Raphael Wicky mit 15 Punkten Vorsprung souverän Schweizer Meister.

«Ja, Schweizer Meister werden wir. Das ist meine These. Ob es 15 Punkte Vorsprung sind oder wie viele auch immer – das spielt keine Rolle. Wir wollen die Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Und da spüre ich das Team sehr gut; es ist unzufrieden, wenn es ein Testspiel nicht gewinnt oder Gegentore kassiert. Eine starke Mannschaft zeichnet aber auch aus, dass sie auf einen Staff ­zählen kann, der ruhig bleibt, wenn es nicht läuft. Und der weiss, was er tun muss, um wieder einen Impuls zu verleihen. Als Beispiel erinnere ich mich an Spiele gegen Bayern. Wenn die Münchner einen Treffer kassiert haben, wurde seelenruhig weitergespielt. Diese Mentalität, diese Ruhe, die kann der Staff vermitteln – oder sie kommt ­direkt von den Spielern.»

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