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Wie sinnvoll ist die Abschaffung der Auswärtstorregel?

Auswärtstore sollen im Europacup künftig nicht mehr stärker gewichtet werden. Hilft das dem Fussball wirklich? Ein Pro und Kontra.

Nach Hoaraus 2:1 war Zagrebs Widerstand in der Champions-League-Qualifikation gebrochen. Wäre das künftig anders? Video: SRF

Das Hinspiel endet 0:0, das Rückspiel 1:1. Klar also, dass die Partie in die Verlängerung geht. Oder? Nun, für das Uefa-Exekutivkomitee scheint das mittlerweile auch so zu sein. Denn die bisher geltende Auswärtstorregel soll abgeschafft werden, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Am Mittwoch tagt das Komitee, dann soll die Aufhebung diskutiert werden. Auch wenn dann noch kein definitiver Entscheid erwartet wird, zeige die Tendenz ganz klar in Richtung Abschaffung der 1965 eingeführten Regel.

Dafür haben sich bei einem Treffen vergangenen September auch mehrere Toptrainer wie José Mourinho, Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel ausgesprochen. Hoffenheim-Trainer Nagelsmann beispielsweise begründete: «Für mich besteht kein wesentlicher Unterschied mehr zwischen dem Auftreten bei einem Heim- oder Auswärtsspiel. Ich stelle meine Mannschaft gleich ein.» Und Uefa-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti sagte nach dem Meeting: «Viele Trainer denken, dass das Erzielen von Auswärtstoren nicht mehr so schwierig ist wie in der Vergangenheit.» Demgegenüber argumentierte Schalke-Coach Domenico Tedesco in der «Sport Bild»: «Einfach das Gefühl zu haben, dass ein Auswärtstor am Ende wertvoller sein kann als ein Heimtor, finde ich spannend.»

Für Diskussionen sorgte die wahrscheinliche Regeländerung auch in der Redaktion. Welche Gründe dafür sprechen – und welche dagegen:

Pro

  • Bälle wurden vereinheitlicht und es gibt strenge Auflagen, wie ein Fussballplatz aussehen muss: Der Heimvorteil ist nicht mehr so gross, wie er vor 50 Jahren einmal war. Im Europacup ist die Heimsieg-Quote gemäss dem «Spiegel» auf unter 50 Prozent gesunken.
  • Die Angst vor Gegentoren kann auch Heimteams dazu veranlassen, defensiver zu spielen. Insbesondere in einem Hinspiel.
  • Schon in nationalen Wettbewerben treten viele Teams auswärts nicht anders auf, als zuhause. Und nicht nur die Topteams, wie Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann bestätigte.
  • Die Chance auf Verlängerungen und Penaltyschiessen - und damit mehr Spektakel - erhöht sich.
  • Ein Team scheidet aus, obwohl es einmal 0:0 und einmal 1:1 spielt. Das ergibt wenig Sinn.

Kontra

  • Wozu etwas Bewährtes abschaffen?
  • Die Regel ist fair. Jedes Team hat den Heimvorteil einmal auf seiner Seite.
  • Dem Zuschauer wird mehr geboten. Die Auswärtsmannschaft wird eher dazu animiert, ein Tor zu erzielen.
  • Die Regel stellt eine Abwechslung dar. In den meisten nationalen Wettbewerben gibt es so etwas nicht.
  • Es drohen mehr Verlängerungen, sollte die Uefa die Regel abschaffen. Aus Sicht der Spieler bedeutet dies eine höhere Belastung. Aus Sicht der Fans? Auch hier spielt die Tagesform eine Rolle: Nervenkitzel vs. Schlafenszeit. Und was erhofft sich die Uefa? Mitunter mehr TV-Geld.
  • Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist der englische Ligapokal. Dort greift die Auswärtstorregel erst in der Verlängerung. Auch eine Überlegung wert: Die Uefa könnte die Regel auch nur in der Verlängerung abschaffen.

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