YB auf der Achterbahn

0:1, 2:1, 2:2: Die Berner müssen sich in einer unterhaltsamen Partie mit einem Remis gegen forsche Luzerner begnügen – und die Tabellenführung an den FC Basel abtreten.

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Peter M. Birrer@tagesanzeiger

Als sich Gerardo Seoane an die Aufarbeitung des Nachmittags macht, tut er das völlig unaufgeregt, und er wirkt gar nicht unzufrieden – obwohl YB nach sechs Runden die Tabelle nicht mehr anführt.

Der Trainer der Berner sagt nach dem 2:2 in Luzern: «Es gab viele Duelle, Phasen, in denen wir dominierten, dann wieder der Gegner. Die Zuschauer kamen auf ihre Kosten.» Er muss sich ein bisschen vorgekommen sein wie auf einer Achterbahnfahrt: Es ist rauf- und runtergegangen.

Der Abstecher in die Zentralschweiz ist der Schlusspunkt einer aufwühlenden Woche für die Young Boys, die sich nach dem geplatzten Champions-League-Traum schwertun, gegen die Luzerner rasch den Tritt zu finden.

Sie bekunden Mühe mit einem Gegner, der nach drei Niederlagen in Serie angeschlagen ist, nun aber das umsetzt, was Trainer Thomas Häberli gefordert hat. Der Gastgeber ist forsch, leidenschaftlich, mutig und verdient sich mit diesem Auftritt die Führung durch Ibrahima Ndiaye.

Die Wende in fünf Minuten

Aber zur Pause ist alles wieder anders, und Häberli denkt: «Da machen wir vieles richtig und liegen trotzdem in Rückstand.» Aber zumindest braucht er nicht lange, um eine Erklärung dafür zu finden: Die Gegentore sind die Konsequenz individueller Fehler. Zuerst verliert Stefan Knezevic das Duell gegen den wirbligen Roger Assalé und stoppt ihn im Strafraum mit einem Foul – Jean-Pierre Nsame verwertet den Elfmeter kühl.

Fünf Minuten später sprintet Assalé los, lässt mit eleganten Körpertäuschungen sowohl Knezevic als auch Christian Schwegler stehen und behält vor Goalie Marius Müller den Überblick. Es macht ganz den Anschein, als sei das 0:1 wie ein Weckruf gewesen.

YB befindet sich plötzlich auf Kurs und lässt in dieser Phase seine Klasse aufblitzen. Qualität ist immer noch genügend vorhanden, auch wenn sich neben den Langzeitverletzten auch Guillaume Hoarau und Miralem Sulejmani abgemeldet haben.

«Zuerst ist Cup, dann Europa League. Aber natürlich freuen wir uns auf das Spiel gegen den FCB.»YB-Trainer Gerardo Seoane

Nur: Die Luzerner lehnen sich nochmals auf. Sie verfügen zwar nicht über spielerische Mittel, um den Meister in Bedrängnis zu bringen, zeigen aber Kampfkraft. Ihre Entschlossenheit kommt besonders nach einer Stunde zum Vorschein, als Verteidiger Lucas Alves nach einem Corner von Francesco Margiotta nur ein Ziel vor Augen hat: den Ausgleich. Er läuft in den Strafraum, hat das Glück, dass sich kein Gegner um ihn kümmert, und trifft mit dem Kopf tatsächlich zum 2:2.

Es ist danach eine Partie mit vielen Emotionen und einiger Hektik, die in der Schlussphase darin gipfelt, dass Schwegler die Gelb-Rote Karte sieht. Der ehemalige YB-Verteidiger ist zuvor schon einige Male mit seiner Heissblütigkeit aufgefallen.

2:2 also. Häberli sagt: «Es wäre unverdient gewesen. wenn wir uns für diese Leistung nicht mit einem Punkt belohnt hätten. Auch wenn wir sicher auch etwas Glück beanspruchten.»

Seoane wiederum betont, seine Mannschaft habe die Ereignisse der vergangenen Woche gut weggesteckt: «Für mich ist es entscheidend, zu sehen, wie wir uns entwickeln. Die Leistung heute zeigt mir, dass wir auf einem guten Weg sind.» Neuer Leader ist zwar der FC Basel nach dessen 2:1 gegen Lugano, aber Seoane registriert das ohne grosse Gefühlsregung.

Der Spitzenkampf naht

Trotzdem: Denkt er schon an den 22. September? An die Fortsetzung des Meisterschaftsbetriebs mit dem Spitzenkampf gegen Basel? An die Chance, die Spitze wieder zu übernehmen? «Zuerst ist Cup, dann Europa League und erst danach Basel», antwortet er. Aber eines schiebt er doch noch nach: «Natürlich freuen wir uns auf das Spiel gegen den FCB.»

Berner Zeitung

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