YB folgt dem Trend

Gerardo Seoanes Abgang sorgt beim FC Luzern für viel Ärger. Dem neuen YB-Trainer wird unter anderem Geldgier vorgeworfen.

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Fabian Ruch

Der unerwartete Abgang von Gerardo Seoane beim FC Luzern hat in der Zentralschweiz hohe Wellen geworfen. Club und Anhänger sind sauer, weil Seoane nach nur 17 Partien in der Super League ­bereits den Arbeitgeber wechselt und bei YB unterschrieben hat. Seoane wird Stillosigkeit vorgeworfen, viele Supporter benutzen im Internet Schimpfwörter, um ihren Ärger über den Coach ­loszuwerden.

Der oft polternde FCL-Hauptinvestor Bernhard Alpstaeg sagte im Blick: «Seoane hat sein wahres Gesicht gezeigt.» Und auch: «Er hat sein Herz am Portemonnaie!» Seoane stand bereits als Fussballer im Ruf, dem Geld nachzurennen.

Am Wohnort des Trainers, in dem auch seine zwei Söhne leben, hing sogar ein Transparent mit hasserfüllten Worten, in denen Seoane Geldgier vorgeworfen wird. Und beinahe gespenstisch mutet die Prophezeiung Roger Wehrlis im Februar nach den ersten FCL-Partien unter Seoane an. Damals sagte die Luzerner Fussballlegende in einem Fussballtalk: «Ein gutes Angebot, und Seoane ist weg.»

Nachvollziehbarer Wunsch

Verständlich ist aus Luzerner Sicht der Vorwurf der Undankbarkeit Seoanes. Schliesslich erhielt der Jungtrainer im Winter die Gelegenheit, in der Super League tätig zu sein. Aber Seoane hatte zuvor sieben Jahre lang im Nachwuchsbereich des Clubs exzellente Arbeit geleistet und sich diese Chance redlich verdient. Zudem läuft es nun mal oft so, dass erfolgreiche Spieler und Trainer zu einem besseren Verein weiterziehen, sobald sich die Chance bietet.

Verbunden ­natürlich mit einer gewaltigen Lohnerhöhung. Auch YB hat ja Meistertrainer Adi Hütter an Frankfurt verloren – nachdem Frankfurt Pokalsiegercoach Niko Kovac zu den Bayern hatte ziehen lassen müssen. Der FCL erhält zudem eine Ablösesumme von rund einer halben Million Franken.

Der Entscheid Seoanes ist neutral betrachtet ohnehin logisch und nachvollziehbar. Beim notorisch unruhigen und finanziell angeschlagenen FC Luzern hätte er kaum mehr als wie zuletzt Rang 3 erreichen können. Im Gegenteil: Bei einem Fehlstart hätte Seoane wohl schon im Herbst heftig in der Kritik gestanden. Wer weiss, ob jemals wieder so eine reizvolle Offerte gekommen wäre?

Luzerns Sportchef enttäuscht

Die Möglichkeit, bei YB arbeiten zu dürfen, konnte Seoane jedenfalls kaum ausschlagen. Er wird am Montagmittag im Stade de Suisse vorgestellt, findet in Bern deutlich bessere und gefestigtere Strukturen vor – und einen erheblich grösseren Verein mit der Aussicht, in die Champions League einzuziehen. Der 39-Jährige ist selbstbewusst genug, um sich die Aufgabe bei einem nationalen Spitzenvertreter zuzutrauen.

Wie Seoane war bei YB am Ende der Trainersuche auch Willy Sagnol hoch im Kurs gestanden. Mit dem Franzosen, bei Bayern München angestellt, hatte aber bekanntlich keine Einigung erzielt werden können, weil Sagnol einen ganzen Trainerstab mitnehmen wollte. Und weil man bei den YB-Verantwortlichen von Seoane total überzeugt war, präsentierte der Meister am Freitagnachmittag seine überraschende Wahl.

Luzerns Sportchef Remo Meyer erfuhr Mitte letzter Woche vom sehnlichen Wunsch seines Trainers, nach Bern zu wechseln. «Das ist eine grosse Überraschung und eine Enttäuschung», sagte Meyer in mehreren Medien. Er muss nun einen neuen Trainer suchen, gehandelt werden beim FCL Fabio Celestini, Pierluigi Tami und Uli Forte. Vielleicht zaubern die Luzerner aber ebenfalls eine unerwartete Lösung hervor.

Jungtrainer im Hoch

Im Trend stehen ja nicht nur im Schweizer Fussball Trainer, die zuvor im Nachwuchsbereich gearbeitet hatten. Basel (mit Raphael Wicky), Zürich (mit Ludovic Magnin), Thun (mit Marc Schneider) sowie Luzern (mit Seoane) sind vier Vereine, die in den letzten 12 Monaten den clubeigenen U-21-Coach beförderten.

Und auch in Deutschland stehen junge, bestens ausgebildete Trainer hoch im Kurs. Aushängeschilder sind dabei Domenico Tedesco (32 Jahre) und Julian Nagelsmann (30), die Schalke und Hoffenheim zuletzt in die Champions League führten. In die kontinentale Königsklasse einziehen möchte auch Gerardo Seoane mit den Young Boys.

Berner Zeitung

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