YB-Gala in der Glutofenhitze

Die Young Boys schwingen weiter obenaus, sind nach dem problemlosen 4:0 gegen den FC Zürich alleiniger Leader und stehen nach drei Runden mit einer makellosen Bilanz da.

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Und so war es Guillaume Hoarau, der um etwa 16.45 Uhr der einen oder anderen Berner Familie noch einen etwas längeren gemeinsamen Abend beschert haben dürfte. Hoarau, er empfing diesen abgelenkten Flankenball von Miralem Sulejmani, er konnte gar nicht anders, als zum 3:0 für YB zu treffen, dem 3:0 gegen den FCZ, die momentan zweitbeste Mannschaft in der Super League. 3:0 zur Pause, «das Spiel war gelaufen», gab selbst Zürichs Trainer Ludovic Magnin später zu.

Das 3:0 durch Guillaume Hoarau. Quelle: SRF

Der eine oder andere TV-Zuschauer dürfte sich wieder nach draussen bewegt haben, das Essen stand womöglich mancherorts gar früher auf dem Tisch. Und auch im Stadion ging man den zweiten Durchgang in dieser nur formhalber als Spitzenkampf firmierenden Partie etwas gemächlicher an. Wegen der Hitze. Und wegen Sulejmani und der anderen ungemein druckvoll agierenden Young Boys.

Mit dem Habitus des Champions

Es gab für den FCZ am diesem Sonntagnachmittag nur fünf, vielleicht zehn Minuten, in denen sie das Geschehen in eine womöglich etwas andere Richtung hätten lenken können. Ein vielversprechender Angriff nach vier, ein Schuss nach acht Minuten. Dann übernahmen die Young Boys, dann griffen die Automatismen dieser bestens geölten Angriffsmaschinerie, die auf die neue Saison hin noch einmal in fast unheimlichem Masse an Präzision zugelegt hat. Exakt, schnell, schnörkellos: So fiel das 1:0, ausgelöst durch Djibril Sow, ein Hackentrick von Hoarau, ein Finish von Sulejmani.

Miralem Sulejmani bringt YB in Führung. Quelle: SRF

Und nur zwei Minuten später entstand so auch das 2:0, Sulejmani hatte diesmal das Auge für Fassnacht, dessen Abschluss dann war unerwartet cool. Zwei Längen in Front nach einer Viertelstunde, es war für die Young Boys bereits Zeit, den ersten Gang zurückzuschalten. FCZ-Trainer Magnin änderte seine Starttaktik, liess plötzlich mit zwei Stürmern spielen, was aber eher YB neue Räume öffnete. Einen solchen nutzte wiederum Sulejmani, er liess Kevin Rüegg schon fast bemitleidenswert stehen und schlug den eingangs erwähnten Flankenball.

Christian Fassnacht erhöht auf 2:0. Quelle: SRF

Es ist eine eigentümliche Business-as-usual-Prägung, welche die Siege der Young Boys in dieser Saison umgibt. Bis anhin, noch in der Ära titellos und bis weit in die vergangene Saison hinein, schwebte über jedem weiteren YB-Sieg das Warten, das Verlangen, ja die Pflicht nach dem langersehnten Titel. Die Hochstimmung hätte ebenso schnell wieder in lautes Klagen zusammenfallen können, wenn es denn einmal mehr nicht dazu gereicht hätte.

Bekanntlich kam alles anders als zuvor, alles gut für die Young Boys. Und die ersten Erfolge in der neuen Saison kommen noch souveräner, noch abgeklärter daher. Es ist keine stürmisch pressende Mannschaft mehr am Werk, welche die Fans mit leidenschaftlichem Fussball überrascht. Sondern ein Meisterteam, das zwar unverändert erfolgreich ist, die Siege aber mit fast traumwandlerischer Sicherheit, mit dem Habitus des Champions einfährt.

Luzern, Cup, die Prüfung

Diesem Champion jedenfalls konnte der FCZ auch in der zweiten Halbzeit nicht gefährlich werden, YB brachte den Sieg souverän ins Trockene, was bei der aktuellen Wetterlage vielleicht auch leichter fällt. Der eingewechselte Meisterschütze Jean-Pierre Nsame steuerte nach einem Konter noch das 4:0 zum Kantersieg bei.

Jean-Pierre Nsame setzt den Schlusspunkt. Quelle: SRF

In der Tabelle stehen die Berner nun mit einem fleckenfreien Reinheft da: drei Spiele, neun Punkte, 8:0 Tore. Den bisherigen Gegnern ist es in der Liga nicht geglückt, die Young Boys nur annähernd in Rücklage zu bringen, davon zeugt die reine Weste in der Defensive.

Dass gegen den FCZ, dem aktuell vermeintlich ärgsten Widersacher in der Liga, nach zwei souveränen 2:0-Erfolgen gegen GC und Lugano sogar eine Gala möglich war, ist verblüffend. Im Schwingen spräche man von einem Plattwurf, die Folge ist ein Notenblatt mit der Maximalnote 10,0. Am Sonntag fährt YB nach Luzern, dann ist Cup. Und dann zeigt sich, mit welchem Ruck diese Young Boys auch international zu ziehen vermögen.

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