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«YB sorgt halt für Aufsehen»

Vor dem Europa-League-Spiel bei Slovan Bratislava spricht YB-Trainer Uli Forte über Schicksalsspiele und den Vergleich mit dem FC Thun, über seine Handschrift und das Prunkstück der Young Boys.

Nachdenklich, aber auch zuversichtlich: YB-Trainer Uli Forte ist überzeugt, mit seinem Team glänzende Perspektiven zu besitzen.
Nachdenklich, aber auch zuversichtlich: YB-Trainer Uli Forte ist überzeugt, mit seinem Team glänzende Perspektiven zu besitzen.
Keystone

Waren Sie am Zibelemärit?

Uli Forte: Klar, das ist in Bern ein Pflichttermin. Viele Leute von YB waren zusammen unterwegs. Und weil wir am Tag vorher in Thun 1:0 gesiegt hatten, war es angenehm in der Stadt (lacht).

Ihnen wurde kürzlich in den Medien vorgeworfen, Sie würden sich zu oft im Ausgang zeigen...

(ungehalten) Entschuldigung, aber das ist ein Witz. Ich war in den eineinhalb Jahren in Bern vielleicht fünfmal am Abend weg. In den Länderspielpausen besuchte ich in diesem Herbst zum Beispiel einmal das Energy Air im Stade de Suisse sowie einmal die Miss-Schweiz-Wahl auf dem Bundesplatz. Das waren Einladungen in der Stadt unseres Vereins. Wenn mir so etwas vorgehalten wird, ist das schade. Aber YB sorgt halt für Aufsehen.

Wie meinen Sie das?

YB interessiert im ganzen Land. Das kann positiv sein oder auch nicht. Wenn wir zweimal nacheinander verlieren, wird mein Job von aussen infrage gestellt

Vor dem Heimspiel gegen Sion vor bald drei Wochen, als YB 2:1 gewann, ist der Druck auf Sie besonders gross gewesen...

... ja, das bauschte sich irgendwie auf, plötzlich stand ich angeblich vor einem Schicksalsspiel. Die einen Zeitungen benutzen halt grössere Buchstaben als die anderen, daran habe ich mich gewöhnt.

Für Sie war es also trotz YB-Krise kein Schicksalsspiel?

Nein, ich spürte immer die Unterstützung aller im Verein.

Und wenn die Young Boys gegen Sion 0:3 verloren hätten...

... mit solchen Szenarien beschäftige ich mich nicht. Ich denke immer positiv, zudem erledigten die Spieler ihre Aufgabe zuletzt gegen Sion und in Thun ausgezeichnet. Wir glaubten an den Sieg und erzielten jeweils in der Schlussphase ein Kopftor.

Vor der Partie gegen Sion erklärten auch Sie, die Bilanz von YB sei in dieser Saison ungenügend. Ist jetzt, zwei knappe Siege später, vieles besser?

Auf dem Papier sieht die Ausgangslage jetzt ordentlich aus, wir sind vorne dabei. Es geht so schnell im Fussball, das sieht man auch am Beispiel Thuns.

Warum?

Seit ich bei YB bin, werde ich gefragt, was die Thuner machen, um mit deutlich weniger Möglichkeiten so viel mehr als wir herauszuholen. Und es hiess immer, Thuner Spieler würden sich nicht durchsetzen bei uns. Jetzt haben wir sie geschlagen und liegen wieder vor ihnen, obwohl wir ein Spiel weniger bestritten haben. Das ist das eine, wir wollen und müssen am Ende vor Thun sein. Vor allem aber haben wir mit Renato Steffen und Sékou Sanogo jetzt zwei Spieler, die von Thun zu uns kamen und hervorragende Leistungen zeigen.

Sanogo entwickelt sich immer mehr zum Chef im Mittelfeld.

Er ist der Chef im Mittelfeld! Seine Präsenz und sein Zweikampfverhalten sind sensationell. Das freut mich, weil ich mich genau daran erinnere, wie Sportchef Fredy Bickel und ich im Sommer an einen YB-Fantalk eingeladen waren und die Anhänger ein wenig die Nase rümpften. Sie hatten einen grossen Namen erwartet fürs Mittelfeld und waren nicht so begeistert von Sanogo wie wir.

Und für welche Spielweise steht YB? Oder anders gefragt: Wo sieht man Ihre Handschrift?

Wir wollen das Spiel gestalten, offensiv und dynamisch agieren. Das gelingt uns nicht immer. Aber wir sind auf einem guten Weg. Ein Sinnbild ist vielleicht Florent Hadergjonaj, der sich als Rechtsverteidiger immer wieder nach vorne einschaltet und gefährliche Situationen kreiert.

Ist das 4-2-3-1-System, welches Sie meistens praktizieren, die beste Lösung für YB? Als Spielmacher drängt sich keiner auf.

Man kann das so sehen, ja, allerdings denke ich, dass wir mit diesem System, das auch als 4-3-3 interpretiert werden kann, am stärksten aufgestellt sind. Wichtig ist ohnehin, dass wir flexibel bleiben und hinten auch mit einer Dreierkette agieren können.

Die Spielmacher Moreno Costanzo und Yuya Kubo besitzen viel Potenzial, haben aber zuletzt nicht restlos überzeugt.

Beide sind ausgezeichnete Fussballer, welche diese Rolle ausfüllen können. Und man darf nicht vergessen, dass Kubo erst 20 Jahre alt ist. Er steckt mitten in seiner Entwicklung und wird uns noch viel Freude bereiten.

Costanzo ist seit einigen Jahren bei YB, hat seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten aber selten konstant ausspielen können.

Er wird sehr kritisch gesehen, von den Medien wie vom Publikum, das ist streng für ihn. Costanzo hat sehr gute Partien gezeigt, und er wird das weiter tun.

Vor einem Jahr galt Costanzo als Ihr Lieblingsspieler...

... das ist der falsche Ausdruck: Ein Trainer darf keinen Lieblingsspieler haben. Wir kannten uns aus gemeinsamen St.Galler Zeiten, mehr war da nicht. Aber natürlich ist er ein Fussballer, den man als Trainer mag, weil er Akzente setzen kann.

Wieso läuft es der Offensive derzeit schlechter als der Defensive?

Bei uns fallen immer wieder Akteure aus, jetzt verzögert sich ja auch die Rückkehr von Alexander Gerndt im Sturm erneut. Er ist für uns mit seiner laufintensiven Spielweise enorm wichtig. Aber klar, hinten sind wir sehr stabil.

Ist die Innenverteidigung mit Steve von Bergen und Milan Vilotic das Prunkstück des Teams?

Sie sind hervorragende Verteidiger, aber das wussten wir ja. Ich werde jetzt oft auf Vilotic angesprochen, der lange verletzt ausfiel. Mir war immer klar, dass er eine absolute Verstärkung ist, deshalb bin ich erstaunt, sind so viele Leute überrascht über seine starken Leistungen. Als ich bei GC war, trainierte ich ihn bereits, damals war er für mich der beste Abwehrspieler der Super League.

Was ist denn in der Liga noch möglich? Kann YB den FC Basel und den FC Zürich attackieren?

Diese Saison dauert noch so lange, da kann viel passieren. Wir wollen nun in Bratislava ein gutes Spiel zeigen und gewinnen, damit es in der Europa League gegen Sparta Prag zu einem Final ums Weiterkommen kommt. In der Liga gilt es, Rang 3 zurückzuerobern, am Sonntag können wir das mit einem Heimsieg gegen St.Gallen realisieren. Und dann wollen wir die Vorrunde gut beenden und uns, hoffentlich ohne neue Verletzte, perfekt auf die Rückrunde vorbereiten. Es bringt nichts, ständig die Ziele zu revidieren. Klar, wir haben im Cup in Buochs versagt, ansonsten sind wir solid unterwegs.

Mit dem Kader sind Sie also weitgehend zufrieden?

Wir haben ein starkes Team, wobei ein Trainer immer neue Spieler möchte (lacht). Mit dem gerade erst 18 Jahre alt gewordenen Taulant Sulejmanov erhalten wir im Januar einen hoffnungsvollen Stürmer, sonst dürfte die Mannschaft zusammenbleiben. Und das stimmt mich optimistisch.

Inwiefern?

(energisch) Schauen Sie unser Kader an! Es hat so viele junge Fussballer, die erst 20 Jahre alt sind oder etwas älter, beispielsweise Yvon Mvogo, Florent Hadergjonaj, Leonardo Bertone, Yuya Kubo oder Renato Steffen, auch andere sind nicht viel älter.

Die Gefahr ist gross, dass nach Michael Frey weitere Talente YB Richtung Ausland verlassen.

Jeder Wechsel ist auch eine Auszeichnung für unsere Arbeit. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir jetzt etwas aufbauen können.

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