YB trifft wieder auf ein ukrainisches Topteam

YB trifft in der 3. Qualifikationsrunde zur Champions League auf Dynamo Kiew. Es ist ein schwieriges, undankbares Los. Aber vielleicht ist der ukrainische Gegner ein gutes Omen.

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Fabian Ruch

Stade de Suisse, Medienraum, Freitagmittag: Die Mannschaft der Young Boys verfolgt mit anderen Klubangestellten die Auslosung der 3. Champions-League-Qualifikationsrunde am TV. «Wir hätten gerne Pilsen gehabt oder Ajax Amsterdam», sagt Mittelfeldspieler Djibril Sow später.

Pilsen wird als erstes Team gezogen – und trifft auf Steaua Bukarest. Ajax folgt als nächste gesetzte Mannschaft – und erhält Nizza zugelost. Der Wunsch von Trainer Adi Hütter und Sportchef Christoph Spycher, nicht nach Moskau (ZSKA) oder Kiew (Dynamo) reisen zu müssen, wird immer schwieriger umsetzbar. Und löst sich wenige Sekunden später auf. YB trifft auf den ukrainischen Spitzenklub Dynamo Kiew. Das Hinspiel findet am Mittwoch, 26. Juli (wohl 18.30 Uhr Schweizer Zeit), in Kiew statt, das Rückspiel eine Woche später im Stade de Suisse (wohl 20.15 Uhr). «Das ist ein starker Gegner», sagt Hütter. Der Coach spricht von einer «riesigen Herausforderung, die wir aber gerne annehmen».

Weniger stark als Donezk

Dynamo Kiew ist die Mannschaft mit dem höchsten Uefa-Koeffizienten aller möglichen YB-Kontrahenten, das Team nimmt regelmässig an der Champions League teil. Der Klub feierte 15 ukrainische Meistertitel, ist 13-facher sowjetischer Meister, elfmaliger ukrainischer Pokalsieger, neunmaliger sowjetischer Pokalgewinner – und reüssierte zweimal im Europapokal der Pokalsieger. Letzte Saison schied Kiew in der Champions League mit 5 Punkten als Letzter hinter Napoli, Benfica Lissabon und Besiktas Istanbul aus.

Auf den ersten Blick klingt Dynamo Kiew nach einer sehr hohen Hürde für YB, und natürlich sind die Young Boys Aussenseiter. Aber man kann die Auslosung auch als gutes Omen betrachten. Vor einem Jahr setzte sich YB in der 3. Qualifikationsrunde ja bereits sensationell gegen den ­ukrainischen Vertreter Schachtar Donezk durch (0:2; 2:0, 4:2 im Elfmeterschiessen). Auch damals traten die Berner zuerst auswärts an.

Und Donezk sicherte sich letzte Saison souverän den Meistertitel mit einem Vorsprung von 13 Punkten auf Dynamo Kiew. Dessen Kader ist deutlich schwächer besetzt und erheblich weniger prominent als jenes von Schachtar. Aber auch in Kiew werden hübsche Löhne bezahlt, die bekanntesten Akteure sind die Flügelspieler Derlis Gonzalez aus Paraguay (früher bei Basel) und Andrej Jarmolenko (Ukraine). «Wir müssen zweimal an die Leistungsgrenze gehen», sagt Sportchef Christoph Spycher, «für unsere jungen Spieler wird Kiew zu einem genialen Gradmesser.»

Zwischen Bayern und Thun

In diesem Sommer hielt sich ­Kiew auf dem Transfermarkt bisher überraschend stark zurück. Trainiert wird das Team neu vom Weissrussen Aleksandar Khatskewitsch. Hinter Dynamo liegt ein schwieriges Jahr. Sergej Rebrow, als Spieler eine Kiewer Ikone, hat sich im Frühling nach drei Jahren vom Trainerposten zurückgezogen und kürzlich Christian Gross beim saudischen Klub Al-Ahli abgelöst. Kiews Rolle im ukrainischen Fussball war schon prägender, aktuell gehören nur sechs Akteure zum international mittelmässigen Nationalteam.

Dennoch ist Dynamos Ziel die Champions League – 17-mal waren die Osteuropäer dort bereits dabei, 1999 wurden sie von Bayern München erst im Halbfinal gestoppt. In bester Schweizer Erinnerung ist aber auch das blamable Scheitern Kiews gegen den FC Thun im August 2005. In den Testspielen überzeugte Kiew zuletzt, am Dienstag startet die Liga für Dynamo mit dem Heimspiel gegen Tschernomorez Odessa. Übrigens im Stadionpalast Olimpijskyj, wo am 26. Mai 2018 der Champions-League-Final dieser Saison stattfinden wird.

Bei einem Ausscheiden würde YB im August als gesetztes Team die Playoffs zur Europa League bestreiten. Kommen die Young Boys dagegen weiter, würden auch in den Playoffs zur Königsklasse fünf mögliche Gegner warten. Sicher sind die internationalen Topteams Sevilla, Napoli und Liverpool.

Aber weil Dynamo ­Kiew dann ja nicht mehr dabei wäre, würden die zwei Teams mit dem höchsten Uefa-Koeffizienten nachrücken. Es wären nicht Sporting Lissabon und Hoffenheim, die in den Playoffs einsteigen. Sondern . . . Ajax Amsterdam und Viktoria Pilsen – sollten sich die zwei Klubs in der 3. Qualifikationsrunde durchsetzen. Vielleicht erfüllt sich eines der YB-Wunschlose ja mit einigen Wochen Verspätung doch noch.

Berner Zeitung

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