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YB und FCB – zwei Boxer im Ring

Weil die Young Boys den K.o. verpassen, fühlt sich der FC Basel im Spitzenkampf als Sieger nach Punkten.

Das sagen YB und FCB-Protagonisten zum 1:1-Remis zum Spitzenkampf in der 7. Runde im Stade de Suisse.<br><i>(Video: Eva Tedesco)</i>

Wie zwei engagierte Boxer im Ring hatten sich YB und der FC Basel bekämpft. In den letzten 20, 25 Minuten waren die Mannschaften angeknockt, den K.o. aber vermieden beide nach ihren Europa-League-Auftritten am Donnerstag. Die Basler mit ein bisschen Glück, sie hingen schwer in den Seilen, aber weil auch die Young Boys müde wirkten gegen Spielende, fehlte es ihnen an der notwendigen Präzision zum entscheidenden Schlag.

Die beste Gelegenheit erhielt Frederik Sörensen in der 90. Minute nach einem scharfen Freistoss des erneut auffälligen Jokers Gianluca Gaudino, als der Däne aus vier Metern übers Tor schoss. «Irgendwie kam der Ball durch den Strafraum durch», sagt Sörensen, «und ich hatte nicht viel Zeit, um zu reagieren.»

Sörensen im Mittelpunkt

Die robuste Defensivkraft Frederik Sörensen wäre ein zwar unerwarteter, aber durchaus passender Siegschütze in diesem Abnützungskampf zwischen Bernern und Baslern gewesen. Sörensen verpasste das 2:1 knapp, mit seiner imposanten Postur und seinen physischen Qualitäten aber stand der Innenverteidiger oft im Mittelpunkt. Beim FCB-Führungstor kam er im Kopfballduell – seiner Spezialität – gegen Silvan Widmer zu spät. Aber Sörensen steigerte sich und biss sich in der Partie fest. Und ganz am Schluss hätte er den Baslern einen harten Tiefschlag verabreichen können. «Wir hätten den Sieg auf jeden Fall verdient gehabt», sagt er, «weil wir viel mehr investiert haben.»

Die frühe Basler Führung durch Silvan Widmer. (Quelle: SRF)

Auch Fabian Lustenberger, am Sonntag Sörensens Partner in der zentralen Deckung, meint in seiner Beurteilung des Fights, YB habe die besseren Torchancen gehabt. «Wir reagierten nach der Pause stark, aber vielleicht fehlte manchmal die absolute Klarheit in unseren Aktionen. Was auch daran lag, dass es ein sehr intensives Spiel war.»

Das Unentschieden bewertet der Captain keineswegs als Rückschlag, es sei eine gute YB-Leistung gewesen. «Basel ist Erster», sagt Lustenberger noch, «aber das ist kein Problem. Es sind erst sieben Runden absolviert.»

Keine Preisboxer mehr

In der Ecke des FCB wiederum bewertet man das Remis im Stade de Suisse wie einen Sieg nach Punkten. «Das 1:1 nehmen wir», erklärt Mittelfeldspieler Fabian Frei, «wir haben Rang 1 verteidigt und uns gut präsentiert.» Es sei den Baslern gelungen, sich gegen die physisch enorm starken Young Boys zu wehren. «Das war in den letzten Jahren ja nicht immer so gewesen», sagt Frei, «ich erinnere mich etwa an ein Spiel vor einem Jahr hier in Bern.»

Freundschaftliches Unentschieden: Sie konnten sich dann doch nicht auf einen Sieger einigen. Die beiden Freunde und Captains der Sptzenteams YB und FC Basel, Lustenberger und Stocker, trennen sich 1:1.
Freundschaftliches Unentschieden: Sie konnten sich dann doch nicht auf einen Sieger einigen. Die beiden Freunde und Captains der Sptzenteams YB und FC Basel, Lustenberger und Stocker, trennen sich 1:1.
Urs Lindt/freshfocus
Die grosse Chance zum späten K.o.: Frederik Sörensen vergibt in der 90. Minute das 2:1.
Die grosse Chance zum späten K.o.: Frederik Sörensen vergibt in der 90. Minute das 2:1.
Christian Pfander
Kampfbetont: Am Ende trennte man sich mit einem umkämpften 1:1, welches den Physiotherapeuten beider Teams in den nächsten Tagen einiges an Arbeit bescheren sollte.
Kampfbetont: Am Ende trennte man sich mit einem umkämpften 1:1, welches den Physiotherapeuten beider Teams in den nächsten Tagen einiges an Arbeit bescheren sollte.
Anthony Anex/Keystone
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Ende September 2018 hatte YB den Rivalen aus Basel gleich 7:1 auseinandergenommen. Es waren sieben harte Hiebe für den FCB, der sich wie ein angejahrter Preisboxer auf dem Rummelplatz präsentiert und die Meisterschaft im Spätsommer bereits verloren hatte. Gestern stemmten sich die Basler mit allem, was sie an diesem anstrengenden Nachmittag noch in ihrem Kräftedepot hatten, gegen die Niederlage.

Dazu gehörte auch bald das Zeitspiel. In diesen Phasen er­innerten sie an ängstliche Faustkämpfer, die auf den Schlussgong warten. Insgesamt jedoch gefielen Körpersprache und Wucht des FC Basel, der drei Tage nach dem 5:0 gegen den russischen Leader Krasnodar nicht nach Bern gereist war, um zu einem Offensivspektakel beizutragen. Und weil YB Leichtigkeit, Dynamik und Selbstverständnis nach Grossumbau im Kader und heftiger Verletztenserie ein wenig ab­handengekommen sind, genügte der rockyeske Vortrag des Gastes dafür, einen Punkt zu entführen.

Nsames Punch

Die Young Boys sind also in dieser Saison stärker gefordert. Beunruhigt wirken die Protagonisten deswegen nicht. «Hier wächst etwas Gutes zusammen», sagt Sörensen, erst seit ein paar Wochen in Bern. «Wir haben eine hohe Qualität. Und wir können nur noch besser werden, weil bei uns einige wichtige Spieler verletzt sind.» Der 27-Jährige er­lebte das Duell der Schweizer Fussballgiganten erstmals – und selbst einer, der bei Juventus und in der Bundesliga gespielt hatte, findet lobende Worte für die Ambiance: «Das hat wirklich grossen Spass gemacht. Man spürt, dass das ein richtig spezielles Spiel ist.»

Jean-Pierre Nsame trifft zum 1:1-Ausgleich. (Quelle: SRF)

Mehr Erfahrung mit dem helvetischen Klassiker besitzt Jean-Pierre Nsame. Auch am Sonntag traf er, diesmal als Joker, es war ein wuchtiger Schuss wie ein Punch zum 1:1. Der YB-Angreifer sagt, seine Aufgabe als Ein­wechselspieler in diesem kampfbetonten Match sei es gewesen, physische Akzente zu setzen. «Solche Spiele mag ich», sagt er. Kein Wunder: Mit seiner statuenhaften Figur wäre Nsame bestimmt auch als Boxer treffsicher.

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