YB wie beim Kürlauf

Irgendwann in den nächsten Wochen dürfte YB vorzeitig Meister werden. Auch dank vorzüglicher Auswärtsbilanz in der Rückrunde.

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Fabian Ruch

Es entbehrt nicht eines gewissen Zynismus, könnte der Titelkampf in der Super League nach Jahren totaler Basler Dominanz erneut mehrere Runden vor Saisonende entschieden sein. Die Young Boys fliegen durch die Rückrunde, in zehn Partien haben sie 28 Punkte geholt, und in der einzigen Be­gegnung, die sie nicht gewannen, durften sie sich dennoch als Sieger fühlen.

Das 2:2 gegen Basel am Ostermontag trübt die fast perfekte Bilanz deshalb nicht wirklich.Genau genommen war es sogar ein weiteres Schrittchen Richtung erster Meisterschaft des Clubs seit 1986. Gar von einem «grossen Schritt» spricht Steve von Bergen nach dem 4:2 am Sonntag in St. Gallen.

«Das war ein schwieriges Auswärtsspiel», sagt der YB-Captain, «und wir haben uns auch vom 1:2-Rückstand und der schwachen Defensiv­leistung vor der Pause nicht aus der Ruhe bringen lassen.» Die mentale Reife der Mannschaft sei beeindruckend, findet von Bergen. «Wir wissen, dass wir jederzeit Tore erzielen können.»

Viele YB-Fans in St. Gallen

Selbstverständlichkeit und Selbstvertrauen der Young Boys sind zweifellos bemerkenswert. Sie bestreiten ja in diesen Wochen eine Art Kürlauf durch die Schweizer Arenen. Wie ein Meisterexpress on tour. Und irgendwann, vielleicht gar bald, werden sie den Meistertitel bei aktuell 13 Verlustpunkten Vorsprung ­sicherstellen.

Die Bühnen sind würdig und die Stadien prächtig gefüllt, das Stade de Suisse war gegen den FCB ausverkauft, vorgestern in St. Gallen sorgten über 17 500 Zuschauer für eine schöne Kulisse. Früh in der zweiten Halbzeit anerkannten die heimischen Supporter die Überlegenheit des souveränen Leaders , und die bestimmt rund zweitausend YB-Fans zelebrierten eine gelb-schwarze Party.

Die Gründe, warum die Young Boys ihre Gegner in diesem Jahr an guten Tagen vorführen und an schlechten Tagen immer noch dominieren, sind mittlerweile bekannt. Die Mischung aus Spielfreude und Stabilität, Athletik und Abschlussstärke ist meisterlich.

Ad absurdum geführt ist längst auch die Behauptung, YB profitierte extrem vom Kunst­rasenvorteil im Stade de Suisse. «Wir haben bewiesen, dass wir es auch auswärts können», sagt Trainer Adi Hütter.

18 Tore in 5 Partien

Die Young Boys sind auch in der Auswärtstabelle Erster, sie haben alle fünf Rückrundenbegegnungen in der Fremde gewonnen – und dabei achtzehn Tore ge­schossen! Diese bemerkenswerte Statistik erwähnt Hütter nach dem Erfolg in St. Gallen gleich mehrmals.

Vier Treffer erzielte sein Team in Luzern (4:2), Lausanne (4:1), Lugano (4:2) und St. Gallen (4:2), zweimal traf es in Zürich (2:1). Zu null aber spielte es nie. Sogar diese Young Boys besitzen noch Steigerungspotenzial.

Letztmals verlor YB übrigens Anfang Dezember – auf dem Kunstrasen in Thun (1:3). Dort bestreiten die Young Boys in acht Tagen ihr nächstes Auswärtsspiel, theoretisch könnten sie im Berner Oberland bereits Meister werden. Allerdings bestreitet Verfolger Basel inklusive des Nachtragsspiels morgen gegen Zürich gleich vier von fünf Partien im April zu Hause.

Auch in Thun wird das Stadion bei der YB-Visite nächste Woche vermutlich ausverkauft sein. Die restlichen Spiele der Young Boys im April finden übrigens ebenfalls alle im Kanton Bern statt, neben dem Auftritt in der Stockhorn-Arena warten gleich drei Heimspiele auf die Young Boys: am nächsten Sonntag gegen Zürich, eine Woche später gegen Lausanne, am letzten Samstag des Monats schliesslich gegen Luzern.

Diese Ausgangslage ist äusserst verführerisch – und sorgt ganz bestimmt weiterhin für ein erhebliches Zuschaueraufkommen an YB-Partien.

Berner Zeitung

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