Assalés eiskalter Abschiedsgruss

YB beschliesst die Europa League mit einem Sieg. Beim 2:1 gegen Skënderbeu trifft Roger Assalé spät in einem lange Zeit zähen Spiel.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war wie bei einem langen Essen: Der Nachschlag war vielleicht für den einen oder anderen etwas zu viel. Vier Minuten gab es an diesem kalten Abend im Stade de Suisse obendrauf, YB hatte sich gegen Skënderbeu 90 Minuten lang ­abgemüht und seinen Zuschauern bei dieser Abschiedsvorstellung im letzten Gruppenspiel der Europa League viel Ausdauer abverlangt. Doch das Dessert brachte den Young Boys und ihrem Anhang tatsächlich noch den 2:1-Sieg. Joker Roger Assalé war nach einem Corner zur Stelle und hievte YB noch auf Schlussrang 3 in der Gruppe.

Sie war von vornherein nicht für die Geschichtsbücher prädestiniert, diese ­bedeutungslose letzte Partie der Young Boys in ihrer punktemässig bislang schlechtesten Gruppenspielkampagne. Ein Weiterkommen war seit der 1:2-Niederlage in Belgrad nicht mehr möglich, entsprechend dürftig war der Zuschaueraufmarsch. Ein dichter, feuchter Nebel trug das seine zur seltsamen Szenerie bei, und so mancher hätte sich wohl zu gerne ins Fondue-Zelt verdrückt, wenn da denn eins gestanden hätte.

Motivation Siegesprämie

Zäh wie Fondue floss im ersten Durchgang nämlich auch das Spiel. YB musste sich nach diversen Wechseln und im veränderten 4-3-1-2-System etwas finden, Skënderbeu hatte gegen das gemächliche Tempo nicht viel einzuwenden. Trainer Adi Hütter hatte ja kräftige Rotationen angekündigt. Pedro Teixeira spielte, und die Backup-Besetzung in der Innenverteidigung mit Gregory Wüthrich und Marco Bürki kam mal wieder zum Zug.

Für YB gab es auch in diesem sportlich bedeutungslosen Spiel noch etwas zu holen. Mit 360 000 Franken wird ein Sieg in der Europa League von der Uefa belohnt, 120 000 gibt es für ein Unentschieden. Den Young Boys bot sich also die Möglichkeit, die Antrittsgage nach den drei Remis noch zu verdoppeln. Die abschliessenden Einnahmen können bei den Bernern noch nicht budgetiert werden, die Uefa spricht nach der Gruppenphase jeweils Gelder aus einem TV-Verteilschlüssel.

In der zweiten Halbzeit erinnerte plötzlich nichts mehr an das müde Geschehen von eben. Erst liess sich die YB-Abwehr von einem langen Ball überraschen, Bürki räumte Skënderbeus Beneyam, aber nicht den Ball ab, wovon Suad Sahiti profitierte. Von der überraschenden Führung zeigte sich Guillaume Hoarau wenig beeindruckt, er köpfelte nur vier Minuten später zum Ausgleich ein. Mit zunehmender Dauer nahmen auch die Nickligkeiten zu, die Gastmannschaft liess sich bei der einen oder anderen Behandlung etwas gar viel Zeit.

Offiziell waren 8000, effektiv vielleicht etwa 5000 Zuschauer im Stadion – und rund die Hälfte davon zählte sich zu den Gästefans. Die albanischen Supporter waren zur bedeutungslosen Derniere mit einem überschaubaren Mass an Sportsgeist angereist. Bei jeder Gelegenheit pfiffen sie den Gegner aus.

«Es war kein Leckerbissen», räumte Trainer Adi Hütter nach dem Sieg ein, «aber nach dem schlechten Start haben wir uns kontinuierlich gesteigert.» Kontinuierlich bis zum Höhepunkt, dem Dessert mit dem eiskalten Abschiedsgruss von Assalé.

Resultate und Rangliste:

Young Boys - Skenderbeu Korça 2:1 (0:0)
8029 Zuschauer. - SR Evans (WAL). - Tore: 51. Gavazaj 0:1. 55. Hoarau (Aebischer) 1:1. 95. Assalé (Mbabu) 2:1.
Young Boys: Wölfli; Mbabu, Wüthrich, Bürki, Joss; Schick, Aebischer (72. Bertone), Moumi Ngamaleu; Teixeira; Nsamé, Hoarau (82. Assalé).
Skenderbeu Korça: Shehi; Vangjeli, Jashanica, Aliti, Mici; Muzaka, Lilaj, Nimaga, Gavazaj; Demte (76. Taku), Sahiti (72. Osmani).
Bemerkungen: Young Boys ohne Sanogo, Seferi (beide verletzt), von Ballmoos, von Bergen, Sulejmani und Sow (alle geschont). Erster Einsatz von Bertone nach dreimonatiger Verletzungspause. Skenderbeu Korça ohne Dita, Nespor, Sowe und Radas (alle verletzt). Verwarnungen: 5. Moumi Ngamaleu (Foul), 16. Joss (Foul), 32. Aliti (Foul), 66. Demte (Foul), 73. Hoarau (Foul), 89. Mici (Reklamieren), 95. Nimaga (Spielverzögerung), 97. Assalé (Spielverzögerung). Rangliste: 1. Dynamo Kiew 6/13 (15:9). 2. Partizan Belgrad 6/8 (8:9). 3. Young Boys 6/6 (7:8). 4. Skenderbeu Korça 6/5 (6:10). (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.12.2017, 21:10 Uhr

Artikel zum Thema

YB-Noten: Mässiger Auftritt

Goalie Marco Wölfli war bester Berner gegen Skenderbeu, in der Offensive enttäuschten einige. Mehr...

Der erste Sieg im letzten Spiel

Ein versöhnlicher Abschluss in extremis: Bis tief in die Nachspielzeit sieht es danach aus, als würden die Young Boys die Europa-League-Gruppenphase sieglos und als Tabellenletzter beenden. Dann aber sticht mit Roger Assalé der Edeljoker. Mehr...

Triste Kulissen trotz klingelnden Kassen

Die aufgeblasene Europa League ist kein Zuschauermagnet. 100 Vereine bestreiten die Qualifikation, nur wenige füllen ihre Stadien. Mehr...

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Kommentare

Blogs

Tatort: Dem Psychotrend treu geblieben

Bern & so Touché

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Nichts für Gfrörlis: Ausserhalb der sibirischen Stadt Krasnoyarsk wurden Minus 17 Grad gemessen. (10. Dezember 2017)
(Bild: Ilya Naymushin) Mehr...