Zeit seines Lebens ein echter Rückhalt

Am Wochenende ist Walter Eich als eines der letzten Mitglieder des legendären YB-Vierfach-Meisterteams im Alter von 93 Jahren verstorben.

Sechs Titel mit YB: Walter Erich (rechts) im Cupfinal 1953 gegen GC.

Sechs Titel mit YB: Walter Erich (rechts) im Cupfinal 1953 gegen GC.

(Bild: Keystone)

Sie wussten ja nicht so recht, worauf sie sich einliessen. Die Young Boys spielten in der Nationalliga B, und Walter Eich war ein 22-jähriger Nobody, als er 1947 von den Zürcher Young Fellows zu den Berner Young Boys stiess. Doch der junge Goalie half sogleich mit, den Aufstieg zu realisieren – und blieb dem Club über 70 Jahre lang erhalten. Am Wochenende ist Walter Eich 93-jährig verstorben.

Er hat mit den Young Boys viel erlebt, und vor allem hat er reihenweise Titel gewonnen. Zwei Cupsiege (1953 und 1958) sowie zwischen 1957 und 1960 vier Meistertitel errang er mit den Bernern. Eich war der grosse Rückhalt der bis heute erfolgreichsten Mannschaft der YB-Geschichte.

Und er schrieb an grossen Kapiteln im Europacup der Landesmeister mit, stand etwa beim legendären 1:0-Sieg gegen die damalige Übermannschaft aus Reims im Halbfinalhinspiel 1959 auf dem Platz oder beim 3: 3-Unentschieden gegen den Hamburger SV mit dem früheren Weltklassestürmer Uwe Seeler.

Für die Nationalmannschaft absolvierte Eich fünf Länderspiele, und dank ihr erlebte er das wohl grösste Fussballspiel im Berner Wankdorfstadion 1954 ebenfalls vor Ort mit. Als Ersatzgoalie sass er während der WM für die Schweiz auf der Bank – und im WM-Final zwischen Deutschland und Ungarn als Gast auf der Tribüne.

Von dort beobachtete er seinen Trainer Albert Sing, der während des Turniers Assistent des deutschen Nationalcoachs Sepp Herberger war und mit ihm den Titel feierte. Der YB-Meistertrainer Sing und sein Goalie Eich trafen sich bei diversen Zusammenzügen wieder, zuletzt 2001 beim letzten Spiel im alten Wankdorf – bevor Sing 2008 verstarb.

Dass Walter Eichs Horizont weit über die Torpfosten hinausreichte, zeigte sich nicht nur während seiner Aktivzeit, in der er – wie damals üblich – eine erfolgreiche Karriere bei der Schweizerischen PTT vorantrieb. Sondern auch nach dem Rücktritt 1961 als Spieler, als er bei YB diverse Funktionen übernahm. Er trainierte mit dem früheren Mitspieler Heinz Schneiter mal die erste Mannschaft, war zwischenzeitlich im Vorstand und bildete als Goalietrainer die nächsten grossen YB-Keeper wie Urs Zurbuchen oder Bernhard Pulver aus.

«Er war Herz und Seele»

In einem Ehrenamt trainierte Eich zudem während 40 Jahren den FC Nationalrat. Der frühere SP-Präsident Helmut Hubacher hatte ihn dort einst nach einem 0:5 gegen das Team des Deutschen Bundestags um Hilfe gebeten. Eich stellte sich im Rückspiel ins Tor, die Partie endete 0:0, bald übernahm er das Traineramt. «Er war auch in diesem Team das Herz und die Seele», erinnerte sich YB-Fan sowie Alt-Bundes- und -Nationalrat Adolf Ogi vor einiger Zeit in der «Berner Zeitung».

Legendär ist das Rinderhorn, mit welchem ihm im Cupfinal 1958 gegen GC ein gebrochener Daumen geschient worden sein soll. Damals wusste, heute weiss man: Eich war YB zeit seines Lebens ein echter Rückhalt.

Berner Zeitung

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