Zensiert, weil sie eine Frau ist

Eine Bundesliga-Partie von Bayern München wurde fürs iranische Fernsehen zu einer Herausforderung – wegen der Schiedsrichterin.

Bibiana Steinhaus. So nahe sahen iranische Fussballfans die Schiedsrichterin am Fernseher nie.

Bibiana Steinhaus. So nahe sahen iranische Fussballfans die Schiedsrichterin am Fernseher nie.

(Bild: Keystone Michael Sohn)

Am vergangenen Wochenende gewann der FC Bayern mit 3:1 gegen den 1. FC Köln. Ein Kehrausspiel zwischen Meister und Absteiger. Für Bibiana Steinhaus aber eine grosse Sache: Die Schiedsrichterin leitete ihr neuntes Bundesliga-Spiel.

Die Partie wurde auch im Iran gezeigt, doch das stellte den dortigen Fernsehsender vor einige Probleme, die Regie wollte den iranischen TV-Zuschauern das Bild nicht zumuten, dass eine Frau ein Männer-Fussballspiel leitet. Deshalb wurden alle Einstellungen, in denen eine Grossaufnahme von ihr zu sehen war, zensiert.

Frauen werden verhaftet

Frauen und Fussball, diese Kombination ist im Iran noch immer nicht gerne gesehen. Seit 1979 dürfen Frauen keine Fussballstadien betreten. Auch selbst Fussball zu spielen, ist ihnen verboten. Deshalb verkleiden sich Frauen immer wieder mit Bärten und Schnäuzen, um sich in Stadien zu schmuggeln und die Spiele anzuschauen, so auch beim Spiel zwischen Persepolis und Sepidrood Rasht. Die Aktion sorgte für Aufsehen.

Iranische Frauen verkleidet im Stadion. Quelle: Twitter.

Im März wurden 35 Frauen kurzzeitig von der Polizei verhaftet, als sie in Teheran ebenfalls versucht haben, ein Spiel anzuschauen. Bei diesem war auch Fifa-Präsident Gianni Infantino anwesend. Deshalb wurde von diversen Medien spekuliert, ob die Frauen absichtlich diese Partie besuchen wollten, um Infantino auf das Stadionverbot aufmerksam zu machen. Die Regeln sind zudem aber sehr inkonstant: Bei gewissen Spielen wird verkleideten Frauen, die entdeckt werden, nur der Zutritt ins Stadion verweigert, bei anderen werden sie verhaftet. Ein anderes Beispiel zeigt, dass der Iran nicht grundsätzlich etwas gegen Frauen im Stadion hat, sondern nur keine iranischen Frauen bei Spielen sehen will. Bei einem WM-Qualifikationsspiel in Teheran gegen Syrien waren syrische Frauen im Stadion erlaubt.

Reglement kurzzeitig aufgehoben

Der frühere Präsident des Iran, Mahmoud Ahmadinejad, hatte die Regel 2006 einst aufgehoben, da er der Meinung war, dass sie nicht gegen das islamische Gesetz verstösst. Wenige Wochen später wurde sein Entscheid vom religiösen Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei wieder rückgängig gemacht.

Auch die AS Roma war vor wenigen Wochen Opfer der iranischen Zensur, genauer gesagt ihr Wappen. Die säugende Wölfin mit ihren vier sichtbaren Zitzen war den iranischen Sittenwächtern zu viel. Deshalb wurden diese kurzerhand zensiert und unscharf gemacht.

Bereits im Dezember während der WM-Auslosung wurde ein Teil davon nicht gezeigt, da das Kleid der Moderatorin den iranischen Moralwächtern zu freizügig war.

So wurde das Logo der AS Roma im iranischen TV gezeigt. Quelle: Screenshot Twitter.

sal

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...