Zufälle, Zentimeter, Zeitpunkte

Auch bei YB-Partien geht es oft sehreng zu und her. Wie beider 0:1-Niederlage gegen ZSKA Moskau am Dienstag.

Knappe Sache: YB-Goalie David von Ballmoos gegen ZSKA.

Knappe Sache: YB-Goalie David von Ballmoos gegen ZSKA.

(Bild: Christian Pfander)

Fabian Ruch

Es war ein für YB-Verhältnisse nahezu perfektes Spiel. Die Sünder im Abschluss würden kaum (noch) in der Schweiz spielen, ­wären sie kaltblütiger. Und die Ausbeute aus den Eckbällen war gegen die kräftigen, klug verteidigenden ZSKA-Akteure ungenügend. Aber die Young Boys hatten im Hinspiel der Champions-League-Playoffs nach der Pause sehr vieles sehr richtig gemacht. Sie spielten das arrivierte Königsklassenmitglied an die Wand.

ZSKA-Vertreter gaben gegenüber dem YB-Personal zu, wie stark sie hätten leiden müssen.Allein: Moskau gewann 1:0. Und so schrieb die «Basler Zeitung», was viele dachten: «Typisch YB». Drüben auf Twitter rätselten Witzbolde, ob jenes Verb, das extra fürs gelb-schwarze Scheitern in wichtigen Veranstaltungen erfunden wurde, nicht eine Steigerung benötige.

Viele Tore in der Schlussphase

Die Berner Protagonisten sind derweil trotz einer an Bitterkeit kaum zu überbietenden Niederlage optimistisch. «Wir sind noch lange nicht ausgeschieden», sagt Steve von Bergen, «aber wir benötigen in Moskau eine sehr starke Leistung.» Leonardo Bertone meint, man habe gesehen, dass ZSKA nicht das bessere Team sei. «Es ist erst Halbzeit.» Und vielleicht werde Moskau nun nach dem Sieg auch im Rückspiel so zurückhaltend agieren. «Wir werden zu Chancen kommen.»

Trotz aller Zuversicht: Die Niederlage hat YB geschmerzt. Adi Hütter wirkte nach der Begegnung ernüchtert wie selten. Manchmal ist es für Trainer schwierig, Analysen zu präsentieren, wenn Zufälle und Zentimeter entscheiden. Vor einem Jahr hatten sich die Young Boys gegen Donezk im Elfmeterschiessen durchgesetzt, obwohl sie auswärts auch eine Kanterniederlage hätten erleiden können.

Gegen Dynamo Kiew vor zwei Wochen liess der zuvor überragende Kiew-Torhüter Maksim Koval den Ball kurz vor Spielende aus den Händen hinter die Linie kullern. Es war das 2:0 in der 90. Minute. Und im Hinspiel hatte Christian Fassnacht in der 91. Minute das wertvolle Auswärtstor geschossen, welches später das Weiterkommen sicherstellte. Das 3:1 von ­Kiew 100 Sekunden danach spielte letztlich keine Rolle mehr.

Überhaupt: Vier von sieben Treffern in den drei YB-Qualifikationspartien zur Champions League diese Saison fielen ab der 90. Minute. «Es ist so eng», sagt Hütter, «jedes Detail ist wichtig.»

«Es ist alles möglich»

Auch David von Ballmoos erwähnt die Kleinigkeiten, die am Dienstag gegen die Young Boys entschieden hätten. «Wir spielten hervorragend», sagt der Goalie, «ich hatte ja kaum Arbeit.» Leider habe er sich beim ZSKA-Treffer nicht perfekt verhalten, als er zu stürmisch aus dem Tor gerannt sei.

Nachdem Kasim Nuhu die erste Kopfballrückgabe zu kurz geraten war, hätte er stehen bleiben sollen. «Wir kommunizierten zu wenig gut», sagt von Ballmoos. Die 22-Jährigen werden ihre Lehren aus dem Malheur ziehen. «Und leider gelang es mir dann beim Zurücksprinten nur noch, den Ball an die Innenseite des Pfostens zu drücken. Das war knapp.»

Aber auch von Ballmoos gibt sich kämpferisch: «Es folgen zwei wichtige Spiele, am Samstag beim FCZ, dann bei ZSKA. Wenn wir so spielen wie am Dienstag, ist alles möglich.»

Und möglicherweise entscheiden in Moskau wieder Zentimeter, ob das Wort «veryoungboyst» überstrapaziert wird – oder YB den vielleicht grössten Erfolg der Vereinsgeschichte feiert.

Berner Zeitung

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