Zum Sieg gezittert

Die Schweizer erfüllen in Island mit einem 2:1 die Pflicht in der Nations League – nach einer schwachen ersten Halbzeit.

«Es war das Spiel, das wir wollten»: Die Stimmen zum Schweizer Sieg in Island. (Video: Fabian Sanginés)
Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Als die Schweizer 2:0 führen und das Spiel entschieden scheint, kommt endlich Stimmung auf in Reykjavik. Ein Tor braucht es dafür, ein wunderbares von Alfred Finnbogason für Island. Und das Zittern der Schweizer beginnt. Sie fallen auseinander, verlieren jegliche Übersicht und zittern nicht nur wegen der Kälte.

Fabian Schär muss einmal auf der Linie retten. Und als die Nachspielzeit läuft, kommt Birkir Bjarnason freistehend zum Schuss. Das Glück der Schweizer ist, dass der frühere Spieler des FC Basel zum eigenen Entsetzen das Tor verfehlt.

Es bleibt damit beim 2:1 für die Schweizer, beim glücklichen, erzitterten 2:1. Am Ende sei es noch hektisch geworden, sagt ihr Captain Granit Xhaka, das dürfe nicht passieren. Die Erleichterung ist bei ihnen spürbar. Nun haben sie, was sie gewollt haben: den Final am 18. November gegen Belgien um den ersten Platz in ihrer Gruppe der Nations League.

In Island, sagte Xhaka noch letzten Freitag, gleich nach der Niederlage in Belgien, gebe es nur eines: gewinnen. Das tönte nach: irgendwie, egal wie. Es war auch die frühe Einsicht, einen unangenehmen Abend in Reykjavik zu erwarten, einen Gegner, der seine bescheidenen spielerischen Mittel mit Biss und Aggressivität zu kompensieren versucht.

Es braucht dann am Montag im Laugardalsvöllur nicht lange, um zu erahnen, wie lange und zäh dieser Abend für die Schweizer wird; wie viel schwieriger es ist, nicht mehr Aussenseiter zu sein wie in Belgien, sondern Favorit. Ihre erste Halbzeit ist trostlos. Ihnen fällt nichts, aber auch gar nichts ein, um sich Räume zu verschaffen. Wieder sind sie schwach da, wo es entscheidend ist: auf den letzten 20, 25 Metern.

Petkovic bastelt weiter

Hannes Halldorsson muss im Tor Islands nicht ein einziges Mal in Aktion treten. Das hat mit seinen Vorderleuten zu tun, die unnachgiebig arbeiten, und mit den Schweizern, die selbst dann schlecht agieren, als sich ihnen eine günstige Möglichkeit bietet.

Einmal, die 10. Minute läuft, können sie kontern, 3 gegen 3, das bietet ihnen Platz. Am Ende läuft Seferovic nach Shaqiris Pass ins Offside. Unmittelbar vor der Pause hat Xhaka freie Schussbahn, 18 Meter vor dem Tor, aber er zieht den Pass auf Zuber vor, zumindest den Versuch. Der Pass misslingt gründlich. Draussen auf der Bank kann es Vladimir Petkovic nicht fassen und verwirft verzweifelt die Arme.

Petkovic ist der Coach, der wieder an System und Aufstellung herumgebastelt hat. Er kehrt zum 4-2-3-1 zurück, zu dem eben, in dem die Schweizer die klarste Struktur haben, in dem sie sich normalerweise am wohlsten fühlen.

Yvon Mvogo kommt zu seinem Debüt im Tor, das schliesslich überzeugend ausfällt. Jacques-François Moubandje darf Rodriguez vertreten als Linksverteidiger. Schliesslich erhält Mario Gavranovic eine Chance als Sturmspitze. Für Seferovic schafft Petkovic einen Platz am Flügel.

69 Minuten hält der Coach an dieser Besetzung fest. Als er die erste Korrektur vornimmt und er Gavranovic durch Edimilson Fernandes ersetzt, ist das Spiel zumindest vorentschieden. Die Schweiz führt 2:0, nach Toren von Seferovic und Michael Lang – ausgerechnet von ihnen, die beide eine schwache erste Halbzeit abgeliefert haben.

Der Schuss von Finnbogason

Sieben Minuten nach der Pause zieht Xhaka eine Flanke in den Strafraum, Islands Magnusson wehrt sich nicht, und Seferovic trifft aus wenigen Metern per Kopf. Es ist sein 14. Tor im 57. Länderspiel, womit er seinen Platz als zweitbester Torschütze hinter Shaqiri gefestigt hat.

Video: Die Schweizer Führung

Haris Seferovic trifft per Kopf zum wichtigen 1:0. (Video: SRF)

Eine Viertelstunde später setzt sich Steven Zuber auf der linken Seite durch, Shaqiri verpasst den Ball vor dem Tor. Aber Lang ist mitgestürmt und hat keine Mühe, das 2:0 zu erzielen. Er macht damit gut, was er in der ersten Halbzeit mit seinen vielen Ballverlusten alles schlecht gemacht hat.

Video: Aussenverteidiger Lang schiebt ein

Michael Lang ist an vorderster Front und macht das 2:0. (Video: SRF)

Es sieht also gut aus, als Gavranovic vom Platz geht. Aber es ist nicht das Ende. Die Isländer haben Alfred Finnbogason, und der Stürmer von Augsburg setzt das Zeichen für die Schlussphase. Er trifft aus der Distanz.

Video: Alfred Finnbogasons Traumtor

Der isländischen Stürmer gelingt ein sehenswerter Treffer zum 1:2. (Video: SRF)

Das ist in der 81. Minute. Der Rest ist Hoffen bei den Isländern, sie stürmen, wie sie das zuvor nie getan haben. Und ist Bangen bei den Schweizern, die auf einmal überfordert und chaotisch sind.

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