Zwiespalt und leise Zuversicht beim FC Thun

Fussball

Der FC Thun verliert auch gegen Sion, agiert beim 0:1 aber deutlich aktiver als zuletzt. Andreas Hirzel kommt im Tor zu seinem Super-League-Debüt für die Berner Oberländer.

Nikki Havenaar (l.) und Simone Rapp stehen gegen den FC Sion im Regen. Rapps Kopfball aus fünf Metern streifte die Latte.

Nikki Havenaar (l.) und Simone Rapp stehen gegen den FC Sion im Regen. Rapps Kopfball aus fünf Metern streifte die Latte.

(Bild: Keystone)

Simon Scheidegger@@theSimon_S

Andreas Hirzel steht in den Katakomben der Stockhorn-Arena und tut, was er in seiner Karriere erst einmal hat tun können: als Torhüter einer Super-League-Mannschaft über die vergangenen 90 Minuten einer Partie reden. Der 26-Jährige ist zwiegespalten, einerseits spricht er von «unheimlicher Freude», die er verspürt habe, als er am Samstag nach dem Abschlusstraining erfuhr, gegen Sion erstmals in der Liga im Tor des FC Thun stehen zu dürfen.

Schliesslich ist die letzte und bisher einzige Partie in der höchsten Schweizer Liga schon über vier Jahre her, dieses 1:2 mit Vaduz gegen die Young Boys. Andererseits ist da das Resultat, dieses 0:1 gegen die Walliser, das in Hirzel eine Enttäuschung freisetzt. «Es ist schade, konnte ich nicht zu null spielen.»

Der Zürcher anstelle von Guillaume Faivre im Tor ist die augenscheinlichste Veränderung, die Marc Schneider am Sonntagnachmittag im Vergleich zum Heimspiel gegen Servette (0:4) vornimmt, das nach Spielschluss weithin als das Allzeit-Schlechteste taxiert worden war.

Der Thuner Trainer wird im Anschluss von einer «Schutzmassnahme» für den Neuenburger Goalie sprechen. Nach schwierigen Wochen, in denen der 32-Jährige mit mehreren Fehlern Gegentore verschuldete, habe er Faivre etwas aus der Schusslinie der Kritik nehmen wollen, sagt Schneider und stellt Hirzel ein gutes Zeugnis aus. «Er hat das sehr gut gemacht.»

Gemischte Gefühle: Andreas Hirzel (2. v. r.) freute sich über sein Debüt im Thuner Tor, war aber ob der Niederlage enttäuscht. Foto: Claudio de Capitani (Freshfocus)

Denn eigentlich erlebt der Stellvertreter einen geruhsamen Nachmittag, an dem das Unangenehmste, was auf ihn einprasselt, zwei kurze Platzregen sein könnten, die sich Ende der ersten und Mitte der zweiten Halbzeit entleeren. Doch da gibt es eben auch die 17. Spielminute, diesen langen Ball über 70 Meter von Pajtim Kasami über die gesamte Thuner Abwehrreihe auf Ermir Lenjani. Hirzel stürzt aus dem Tor, Lenjani lobbt und jubelt. «Dieses Tor dürfen wir nie bekommen», sagt Schneider und bemängelt, dass in dieser Situation die defensive Absicherung fehlte.

Leidender Henchoz

Und so finden sich die Thuner schnell wieder da, wo sie nach der «Demütigung» der Vorwoche auf keinen Fall hinwollten. Im Hintertreffen, auf der Suche nach offensiven Lösungen und Toren. Anders als gegen Servette gehen sie diesmal aber besser mit dem Rückstand um und erarbeiten sich zahlreiche Ausgleichschancen.

Simone Rapps Kopfball aus fünf Metern streift die Latte, Basil Stillhart verfehlt kurz vor der Pause das verlassene Tor der Sittener und sieht später seinen Kopfball und seinen Weitschuss von Kevin Fickentscher pariert, die eingewechselten Dennis Salanovic und Saleh Chihadeh verfehlen mit ihren Abschlüssen das Ziel nur knapp, ebenso Ridge Munsy. Der wirblige Uros Vasic stellt die Defensive der Walliser mit seiner Schnelligkeit mal für mal vor Probleme.

Es ist ein anderer FC Thun, der an diesem Nachmittag auf dem Platz steht. Einer, der aktiv ist, probiert, nach vorne spielt. Aber eben auch einer, der am Ende doch wieder mit leeren Händen dasteht. «Es bringt nichts, wenn wir Chancen kreieren, wir müssen sie auch verwerten», sagt Miguel Castroman und spricht damit die momentan grösste Problemzone der Oberländer an: die Effizienz.

«Es bringt nichts, wenn wir Chancen kreieren, wir müssen sie auch verwerten.»Miguel Castroman

Es ist ein Attribut, das den Thunern in dieser Phase abgeht, während Sion sich momentan vorab durch ebendiese auszeichnet. Das Team von Stephane Henchoz hat nämlich nach Lenjanis Lupfer lange Zeit keine gefährlichen Aktionen mehr. Erst als die Thuner Risiken eingehen und höher stehen, eröffnen sich den Wallisern einige Kontermöglichkeiten. «Wir mussten lange leiden», sagt Henchoz, der aber mit seiner Mannschaft schliesslich doch den vierten Sieg in Folge bejubeln kann.

Neben ihm auf dem Podium muss Antipode Schneider schon wieder eine Niederlage erklären, spricht von fehlendem Selbstvertrauen, den vielen Abwesenden und Pech im Abschluss.

Auch Schneider ist in diesem Moment etwas zwiegespalten, denn eigentlich hat ihm dieser letzte Auftritt seiner Mannschaft vor der zweiwöchigen Nationalmannschaftspause mehrheitlich gut gefallen. «Aber was fehlt, sind die Punkte.»

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