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Zwischen sportlichem Erfolg und Spielerstreik

Der FC Bern spielt in der 2. Liga interregional. Heute Samstag beginnt für den Traditionsklub die Rückrunde. Geldsorgen erschweren den Start – die Spieler drohen mit Streik.

Das Kassenhäuschen des FC Bern. Der Klub sucht neue Sponsoren.
Das Kassenhäuschen des FC Bern. Der Klub sucht neue Sponsoren.
Andreas Blatter

Sportlich läuft es beim FC Bern durchaus gut. Nach einer verkorksten letzten Saison, die im sang- und klanglosen Abstieg aus der 1. Liga mündete, hat sich der Traditionsverein eine Stufe tiefer sportlich gefangen und stabilisiert. Dies ist nicht selbstverständlich, gibt es doch in der 2. Liga interregional einige ambitionierte Vereine, die mit Macht und grossen finanziellen Ressourcen nach Höherem streben.

Bern-Coach Giovanni Montalbano, der schon in der Saison 2014/2015 die Geschicke auf dem Neufeld geleitet hatte und im Juli 2016 als sportlicher Verantwortlicher zurückgekehrt ist, verstand es zu Beginn der Saison, mit vielen neuen Akteuren eine homogene Equipe zu formen, die gleich wieder ganz vorne mitspielt.

In 13 Partien in der Vorrunde sammelten die Berner viele Punkte (26), belegen den dritten Rang, befinden sich in Tuchfühlung zum Tabellenführer Allschwil (3 Punkte Rückstand). «Wir würden trotz Abgängen im Winter auch in der Rückrunde gerne um die drei ersten Plätze mitspielen.

Eine Top-3-Klassierung wäre toll, der Aufstieg ein Dessert», sagt Sadat ­Latic, der für die Fifa als «Match-Agent» gearbeitet hat und im Winter als Teamverantwortlicher der 1. Mannschaft installiert wurde. Coach Montalbano, dessen Arbeit von den Spielern geschätzt wird, meint: «Ich bin zuversichtlich, das Team hat in der Vorbereitung gut gearbeitet.»

Kostenintensive Saisons

So weit, so gut. Hartnäckig halten sich indes Gerüchte, wonach der 1894 gegründete Verein mit finanziellen Problemen zu kämpfen habe. «Dazu möchte ich nichts sagen», erklärt Sportchef Latic, derweil Trainer Montal­bano beim Thema die Augen verdreht. Nach mehrfachem Nachhacken gibt Latic zu: «Wir haben eine kleine Krise, aber dramatisch ist es nicht. Es kommt gut.»

In einer Liga, in der Punkteprämien, Spesen und Entschädigungen für Trainingsbesuche der Fussballer zur Tagesordnung gehören, kämpfen viele Vereine verzweifelt um Sponsoren und Donatoren. Dies ist beim FC Bern, der fünf Aktivmannschaften, Teams auf allen Juniorenstufen, Seniorenequipen, eine Fussballschule und ein Frauenteam unterhält, nicht anders. Die zwei letzten Saisons in der 1. Liga waren für den Verein sehr kostenintensiv.

«Dennoch konnten immer alle Rechnungen bezahlt werden», sagt Präsident Urs Eymann, der im Begriff ist, neue Geldgeber an Land zu ziehen. Er sagt aber auch: «Es ist heutzutage extrem schwer, Leute von einem Engagement bei einem lokalen Klub zu überzeugen.»

Eines der Probleme: Es exisitieren Verträge mit den Spielern, in denen Prämien fixiert wurden. Geld ist aber (noch) keines geflossen. Auch nach mehrma­ligem Nachhacken seitens des Teams war der FCB nicht in der Lage, die finanziellen Lücken zu stopfen. Wie Recherchen im Umfeld der Mannschaft ergeben haben, ist ein erstes Ultimatum der Akteure, die das Geld bis Ende Februar eingefordert hatten, verstrichen.

Deshalb drohen die Spieler mit einem Streik, sollte bis Ende März den Zahlungen nicht nachgekommen werden. «Es macht uns traurig, dass zu solchen Massnahmen gegriffen werden muss. Aber etwa zwei Drittel der Spieler stehen dazu», sagen Akteure, die nicht namentlich erwähnt werden möchten. Die Situation sei kompliziert, heisst es aus Teamkreisen, doch die Leute im Vorstand seien bemüht, die Dinge zu regeln.

Dies deckt sich mit den Aussagen der Verantwortlichen. «Ich kann versichern, dass wir alles tun, um das Problem zu lösen», sagt Präsident Eymann. Er habe dies dem Team diese Woche erklärt. «Es kann jedoch bis Mitte April dauern.» Der traditionelle Sponsorenlauf, welcher Anfang April stattfinden wird, könnte den klammen Bernern helfen.

Der Leistung nicht förderlich

Inwiefern die Ungewissheit die Leistungen des Teams tangieren wird, bleibt abzuwarten. Wichtige Spieler sagen aber, «dass die ­Situation den Leistungen nicht förderlich sind».

Wie die Equipe heute Samstagnachmittag zum Start der Rückrunde beim FC Lerchenfeld (16.00) auf die verzwickte Lage reagieren wird, ist spannend. Ebenso spannend wie die Frage, ob die Wogen bald geglättet werden können und Ruhe einkehrt. Fortsetzung folgt.

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