«Was die Leute denken könnten, ist mir egal»

Der im Sommer zurückgetretene Roman Caspar erzählt, weshalb er sich von den Verantwortlichen von Wacker Thun zu einem Comeback hat bewegen lassen.

Abklatschen vor dem Comeback: Roman Caspar.

Abklatschen vor dem Comeback: Roman Caspar. Bild: Roland Peter

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Gehören Sie zu jenen Menschen, die nicht Nein sagen können?
Roman Caspar: (lacht) Doch, ich kann sehr wohl Nein sagen. Als ich im Mai aufhörte, deutete ich bereits an, dass ich allenfalls zu einer kurzzeitigen Rückkehr bereit bin, sollte Not an Mann herrschen. Und das ist nun der Fall.

Die Leute von Wacker sagen, Sie stünden zumindest bis zur Winterpause zur Verfügung. Demnach ist nicht ausgeschlossen, dass Sie die Saison zu Ende spielen.
Ich rechne damit, dass Anfang Jahr mit Ausnahme von Ron Delhees alle wieder mittun können und es mich dann nicht mehr brauchen wird, ich also wieder als Zuschauer an die Begegnungen gehen kann.

Als Besucher vor Ort waren Sie, als sich Delhees im Cupachtelfinal gegen St. Gallen das Kreuzband riss. Ahnten Sie da, dass Sie kontaktiert werden würden?
Es ist in der Tat so, dass ich mich in jenem Augenblick damit zu beschäftigen begann, dass ich angefragt werden könnte. Dass die Verantwortlichen handeln müssen nach all den Ausfällen, war ja klar.

Sagten Sie gleich zu?
Ich musste erst einige Dinge abklären, den Spielplan mit meinen Verpflichtungen auf der Arbeit abgleichen etwa. Als ich kontaktiert wurde, war ich darauf vorbereitet, und so konnte ich rasch sagen: Ja, ich machs.

Sie arbeiten bei einem grossen Unternehmen als Teamleiter. Mussten Sie Ihr Pensum reduzieren, damit Sie bei Wacker einspringen können?
Nein. Mein Glück ist, dass die Auswärtsspiele selten auf Wochentage fallen, sodass es sich bei meinen Abwesenheiten im Büro um Stunden und nicht um Tage handelt.

Sie sind mit 32 Jahren unverändert in einem guten Alter, fit und im Club involviert: Das sind beste Voraussetzungen für weitere Comebacks.
(lächelt) Fragen kostet grundsätzlich nichts. Aber es ist gewiss nicht meine Absicht, stets wieder zurückzukehren, auch wenn das Einzelne in meiner Sportart in der Vergangenheit so praktiziert haben. Mit jedem Monat, in dem du nicht täglich trainierst, entfernst du dich weiter von deiner Topverfassung. Und Zweck der Sache ist ja, dass der Spieler einen Beitrag leisten kann.

Wie weit weg sind Sie gegenwärtig von Ihrer Bestform?
Ich bin natürlich nicht auf dem Level von einst, aber das kann ich auch nicht sein, andernfalls hätte ich damals vieles falsch gemacht. Körperlich bin ich auf einem einigermassen ordentlichen Niveau, ich habe zuletzt wieder mehr dafür getan als unmittelbar nach dem Rücktritt im Frühsommer.

Da waren Sie gerade Schweizer Meister geworden. Fürchten Sie einen Imageschaden, fürchten Sie, dass die Leute denken: So gut ist er ja doch nicht, der Caspar?
Ich habe nie dafür gespielt, am Ende besonders gut dazustehen. Was die Leute denken könnten, ist mir egal. Mein Ziel ist, dem Team zu helfen. Und wenn die Mitspieler durch mich zu Pausen kommen, auf der Bank zehn Minuten verschnaufen können – dann hat die Sache ihren Zweck bereits erfüllt.

Wacker verlor im Sommer wichtige Spieler, und in dieser Saison fielen viele Leistungsträger aus. Ist das Niveau im Training spürbar tiefer als im Mai?
Es ist wenig sinnvoll, Teams miteinander zu vergleichen, gerade zu diesem Zeitpunkt. Momentan müssen wir zusehen, dass wir überhaupt genügend Leute im Training haben, damit wir da etwa sechs gegen sechs spielen können. Wir treten anders auf als in der letzten Saison, mit teils andern Akteuren. Diese haben eine andere Spielweise. Das heisst aber nicht, dass sie nicht genauso gut sind. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.11.2018, 10:18 Uhr

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