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Heute Romand-Derby Sion - Xamax im Cupfinal

Noch nie verlor der FC Sion einen Cupfinal. Heute Nachmittag in Basel (16.30 Uhr) gehen die Walliser Cup-Spezialisten als so klare Favoriten ins Endspiel wie noch nie.

Gegen Xamax steht die Trophäe für Sion zum 12. Mal bereit. Oder zerbricht der Sittener Mythos gerade an der Favoritenrolle? Erstmals seit zehn Jahren kommt es im Cupfinal zu einem Westschweizer Derby. 2001 war es, kurz nach der Eröffnung des St.-Jakob-Park, als sich Servette und Yverdon im Final begegneten. Damals füllten an einem regnerischen Nachmittag 20'000 Zuschauer das Basler Stadion bloss zu knapp zwei Dritteln.

Heute Sonntag wird das anders sein. Über 250 Busse und fünf Extra-Züge bringen allein aus dem Wallis rund 24'000 Fans nach Basel. Es wird sein wie immer, wenn der FC Sion im Final antritt: er trägt ein Heimspiel aus. Dieser gewaltige Support ist nicht zu unterschätzen. 11 Siege in 11 Finals stehen im FC Sion zu buche. Die makellose Bilanz ist kein Zufallsprodukt, auch wenn der FC Sion bei der Mehrzahl seiner Cupsiege (nach sportlichen Gesichtspunkten) als Aussenseiter in den Final ging.

Ob Walliser, Deutschschweizer, Afrikaner, Südamerikaner oder Osteuropäer; im Cupfinal strahlt das Sittener Ensemble eine Urkraft aus, die bisher nie zu bändigen war. In den letzten sieben Finals lag der FC Sion sechsmal im Rückstand - und schaffte immer die Wende. Zuletzt 2009, als der Abstiegskandidat Sion gegen den Meisterschaftszweiten YB nach 37 Minuten 0:2 zurücklag, am Ende aber 3:2 gewann.

Diesmal sind die Vorzeichen ein wenig anders. Sion hat die Qualität eines Spitzenteams, Xamax dagegen kämpfte bis zuletzt gegen die Relegation. Am Ende trennten die beiden Kontrahenten in der Rangliste 22 Punkte. Die Neuenburger gewannen gegen Absteiger St. Gallen und Barrage-Teilnehmer Bellinzona nur zwei von acht Spielen, während Sion das Team ist, das an einem guten Tag den Branchenleadern Basel und Zürich auf Augenhöhe begegnet. Und im Cupfinal hat Sion immer einen guten Tag. Und Xamax ist nicht Basel und nicht Zürich. Die Rollen sind für Sonntag klar verteilt.

Offiziell will im FC Sion diese Schubladisierung niemand bestätigen. Die Walliser akzeptieren die Favoritenrolle nicht. Sie könnte Unglück bringen und den Mythos des unbiegsamen Underdog beseitigen. "In einem Final gibt es keinen Favoriten. Ausserdem hat uns Xamax in dieser Saison zweimal geschlagen", so Sions Präsident Christian Constantin.

Am Mittwoch 'verhalf' Sion seinem Cupfinal-Rivalen in einem trostlosen Spiel dank dem 0:0 zum Klassenerhalt. Welsche Medien schrieben danach von einer 'Parodie'. Sion und Xamax schienen vier Tage vor dem Cupfinal einen Nichtangriffspakt vereinbart zu haben. Der Walliser Trainer Laurent Roussey setzte sieben Stammspieler nicht ein. Torhüter Andris Vanins, Captain Goran Obradovic und Topskorer Giovanni Sio sowie Serey Die, Fabrizio Zambrella, Arnaud Bühler und George Ogararu fehlten bei der faden Cupfinal-Hauptprobe.

Xamax konnte sich diese Art der Vorbereitung nicht leisten. Der Klassenerhalt stand im Vordergrund, den Cupfinal betrachten die Neuenburger als Geschenk. Auf ein Fest nach dem erreichten Ziel verzichteten sie aber. "Die Feier fand nur kurz im Kopf statt", so Trainer Bernard Challandes.

Er hat das Hauptziel seines Engagements erreicht, obwohl er mit Xamax in drei Spielen sieglos blieb. Mit dem 8. Platz rettete er den Klub, nun geht es am Sonntag wohl auch um seinen Job. Ironischerweise spielt Challandes innerhalb von vier Tagen zweimal gegen den Klub um seine Zukunft, bei dem er erst am 22. Februar entlassen worden war.

Gelingt Challandes gegen Sion der grosse Wurf und der erste Cupsieg der Neuenburger nach vier Finalniederlagen (1974, 1985, 1990, 2003) wird er der neuen Xamax-Führung aus Tschetschenien genehm bleiben. Ansonsten könnte seine Zeit bereits wieder vorbei sein. Klubbesitzer Bulat Tschagajew will Xamax zu einer feinen Adresse im Schweizer Fussball stylen. Er bringt grosse Namen ins Spiel. Dass Challandes ein Trainer aus der Region ist, der zuletzt auch wieder vermehrt auf Schweizer Spieler setzte, dürfte Tschagajew dann einerlei sein.

Das Kleingeld des Unternehmers mit Wohnsitz in Genf reicht weiter als bloss für ein Facelifting. Vor wenigen Wochen liess er für ein Benefizspiel Diego Maradona für eine Million Dollar nach Grosny fliegen. Wenn Tschagajew wirklich will, könnte Xamax schon übermorgen ein 'neuer' Klub werden. Vorerst aber geht es um das Morgen. Um den Cupfinal. Und da ist für Xamax im Drehbuch auf und neben dem Rasen bloss eine Nebenrolle vorgesehen.

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