Larifari-Hockey ohne Konsequenzen

Das 3:3 gegen Salzburg im Rückspiel hat dem SC Bern in der Champions Hockey League problemlos zum Achtelfinaleinzug gereicht. Im November geht es gegen das finnische Team aus Jyväskylä.

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Adrian Ruch

Knapp fünf Minuten vor Schluss, Simon Moser sitzt eine Strafe ab, beordert Greg Poss den nach dem dritten Gegentreffer eingewechselten Goalie Luka Gracnar auf die Bank. Der Cheftrainer von Salzburg versucht mit allen Mitteln, ">den 3-Tor-Rückstand wettzumachen. Es gelingt nicht; der SC Bern steht im Achtelfinal der Champions Hockey League.

So weit, so gut, doch mit Ruhm bekleckert haben sich die Mutzen im Heimspiel gegen Salzburg nicht. Nach dem 4:1-Auswärtssieg in der Mozartstadt resultiert diesmal ein 3:3-Unentschieden. «Wir machten, was wir machen mussten. Aber ich mag das System nicht», urteilt SCB-Trainer Kari Jalonen. Im Eishockey gebe es sonst nie Unentschieden, moniert der Finne.

Plüss im Mittelpunkt

Jalonen blickt auf ein merkwürdiges Spiel zurück. Leonardo Genoni hatte nach einem Aussetzer Beat Gerbers gegen den aus bester Position schiessenden Salzburg-Topskorer Brett Olson soeben einen Rückstand verhindert, als der SCB wie die Jungfrau zum Kind zum 1:0 kam. Martin Plüss fuhr vor das Gehäuse von Bernhard Starkbaum, als ihm Daniel Welser die Scheibe auf dem Silbertablett servierte. Der SCB-Captain schob den Puck zwischen den Beinen des verdutzten Keepers ins Tor.

Offenbar war Plüss die Sache schon fast peinlich, jedenfalls fiel seine Jubelgeste äusserst dezent aus. Trotzdem wäre es nicht nötig gewesen, dass Plüss neun Minuten später ein ebenso grosses Geschenk überreichte. Statt zu befreien, spielte er die Scheibe dem allein vor Genoni stehenden Peter Hochkofler auf die Schaufel – 1:1.

Überhaupt waren die Berner am Dienstagabend nicht richtig bei der Sache. Nachdem sie durch Tristan Scherweys Treffer nach einem Traumpass Roman Untersanders sowie durch einen Kunstschuss Ryan Laschs im Powerplay 3:1 in Führung gegangen waren, nahmen sie den Widersacher nicht mehr ernst.

Viele Flüchtigkeitsfehler

Der Stadion-DJ spielte während der Unterbrüche österreichische Après-Ski-Musik ein, und Jalonens Mannschaft agierte, als hätte sie am Vorabend eine Party gefeiert. Ewig konnte es mit diesem Larifari-Hockey, das auf einer Mischung von Unkonzentriertheit und Übermut fusste, nicht gut gehen. Maxim Noreau verlor den Puck hinter dem eigenen Tor, und schon hiess es nur noch 3:2.

Und dann versuchte Ryan Lasch, notabene in Überzahl, in der Abwehrzone zwei Salzburger auszudribbeln. Das Vorhaben missglückte – 3:3. Es waren nicht die einzigen Aussetzer, aber die einzigen, die zu Gegentoren führten. «Uns unterliefen deutlich mehr Flüchtigkeitsfehler als in den letzten Partien», gab Gerber zu.

Sie hätten sich zwar vorgenommen, solid zu spielen, sagte der Verteidiger, «aber irgendwie hast du den 4:1-Vorsprung immer im Hinterkopf». Positiv fand Gerber genau wie Jalonen, dass den Salzburgern im letzten Drittel kaum noch Chancen zugestanden worden waren. «In dieser Phase hatten wir den Gegner recht gut im Griff», meinte der Routinier.

Im Achtelfinal trifft der SCB auf JYP Jyväskylä. Der zweimalige finnische Meister kam nach dem 4:0-Heimerfolg trotz der 2:4-Niederlage bei Skelleftea (SWE) weiter. Jyväskylä verfüge über eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, sagte Jalonen. Am 1. November wird der SCB Heimrecht geniessen, für das eine Woche später stattfindende Rückspiel in den Norden reisen müssen.

Auch der ZSC, Fribourg und Lugano sind weiter, Zug und Davos schieden aus. Fribourg trifft ebenfalls auf einen Vertreter aus Finnland: KalPa Kuopio. Der ZSC und Lugano treffen direkt aufeinander.

Matchtelegramm

Bern - Salzburg 3:3 (1:1, 2:2, 0:0).

13'696 Zuschauer. - SR Haupt (GER)/Wehrli, Kovacs/Wüst.

Tore: 6. Plüss 1:0. 15. Hochkofler 1:1. 23. Scherwey (Untersander) 2:1. 25. Lasch (Scherwey, Berger/Ausschluss Welser) 3:1. 27. Raffl (Pallestrang, Duncan) 3:2. 36. Duncan (Ausschluss Trattnig!) 3:3.

Strafen:4mal 2 Minuten gegen Bern, 2mal 2 plus 5 Minuten (Welser) plus Spieldauer (Welser) gegen Salzburg.

Resultate der übrigen Schweizer Klubs

ZSC Lions - Wolfsburg 5:2 (0:1, 2:0, 3:1) Zug - Eisbären Berlin 1:2 (0:0, 1:0, 0:2) Pilsen - Lugano 3:3 (1:1, 1:1, 1:1) Fribourg-Gottéron - Kosice 4:1 (1:0, 1:1, 2:0) Linköping - Davos 2:3 (0:2, 0:0, 2:1)

Achtelfinal-Tableau (1./8. November)

Liberec (CZE) - Vitkovice Ostrava (CZE) KalPa Kuopio (FIN) - Fribourg-Gottéron Frölunda Göteborg (SWE) - Eisbären Berlin Linköping (SWE) - IFK Helsinki ZSC Lions - Lugano SaiPa Lappeenranta (FIN) - Växjö Lakers (SWE) Sparta Prag - HV71 Jönköping (SWE) JYP Jyväskylä (FIN) - Bern

Berner Zeitung

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