Faszination Goalie – 007, Arnie und ein Tscheche

Wer zuhinterst steht und sich abschiessen lässt, hat immer schon fasziniert, egal in welcher Sportart. Und nun wechselt eine Fussball-Legende vom Rasen aufs Eis.

Illustration Kornel Stadler

Illustration Kornel Stadler

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Wie wir wissen, waren früher Goalies alle wahnsinnig. Ob beim Fussball oder Eishockey. Ob beim Handball oder Shinty.

Vor allem beim Shinty:

Kopfsache: Eine spektakuläre Aktion (Man höre nur hin: Dieses dumpfe «Päng»!) des Shinty-Goalies. (Video: YouTube)

Den Sliothar (das ist der Ball im Shinty) mit dem Kopf abgewehrt, selbstredend ohne Helm oder sonstigem Kopfschutz: Welch eine Parade Graham Kennedys, Torwart des Kinlochshiel Shinty Club! Und auch wenn die Aktion umstritten ist, weil absichtliche Kopfparaden beim Shinty als Foulspiel gelten, eskaliert da kurz auch der schottisch-gälische Kommentator.

Denn das, was Kennedy da tat, tut selbst beim Shinty nicht jeder:

Kopfsache: Dieser Shinty-Goalies zieht eben diesen ein. (Video: YouTube)

Aber auch vom Fussball kennen wir all diese Stories. Von Alexander Famulla zum Beispiel, der damals, 1990, als Torhüter des Karlsruher SC bei Auswärtsspielen kein Hotelzimmer mit seinem blutjungen Ersatzmann Oliver Kahn teilen wollte, weil er Angst hatte, dass dieser alles tun würde, um die Nummer 1 zu werden. Zum Beispiel warten, bis Famulla einschläft, um ihm dann ein Kissen aufs Gesicht zu drücken. Stimmt die Story nicht, dann ist sie immerhin gut erfunden. Und wir wissen: Der Titan schaffte es auch so zur Nummer 1, auch ausserhalb Karlsruhes – ohne Einsatz von Kissen oder anderen Waffen.

Auch im Eishockey verschafften sich früher Goalies Ruhm nicht wirklich nur durch Normalität. Der Québecois Patrick Roy gilt als einer der Besten aller Zeiten, er gewann vier Stanley Cups, legendär wurde er aber auch darum:

Einer der berühmtesten Goalie-Fights im Eishockey aus dem Jahre 1998. (Video: YouTube)

Keine Angst, mittlerweile respektieren sich die beiden wieder (der andere Goalie ist Chris Osgood), 15 Jahre später interviewten sie sich sogar gegenseitig, gesittet und in ruhiger Atmosphäre:

Es geht auch zivilisiert miteinander. (Video: YouTube)

Doch halten wir fest, bevor wir noch vom Thema abschweifen: Goalies haben immer fasziniert, im Eishockey auch wegen ihrer speziellen Ausrüstung, wie uns Leonardo Genoni kürzlich im Rahmen des ersten Tamedia-Podcasts «Eisbrecher» erklärte: «Schwärmt nicht jedes kleine Kind von den Masken, den grossen Schonern, Handschuhen?» (Genoni, wie auch viele andere seiner Generation, sind übrigens der Beweis, dass Goalies heutzutage ziemlich normale Zeitgenossen geworden sind.)

James Bond und Arnold Schwarzenegger kämpften gegen Eishockey-Goalies

Aber bleiben wir vorerst bei früher. Eishockey-Goalies faszinierten auch Filmemacher, selbst solche, die offensichtlich nicht die leiseste Ahnung davon hatten, was ein realer Hockey-Goalkeeper auf dem Eis so macht.

James Bond kämpfte im 1981 erschienen Streifen «In tödlicher Mission» mit einem Eishockey-Goalie:

Mit echten Eishockeyanern haben Roger Moores Gegner hier nicht viel gemeinsam. (Video: YouTube)

Arnold Schwarzenegger sechs Jahre später in «The Running Man» ebenso:

Nichts ist unmöglich: Hier schiesst der Goalie mit explodierenden Pucks um sich. (Video: YouTube)

Und Hollywood kreierte gar eine Horror-Figur, Jason Voorhees, die in den trashigen «Freitag, der 13.»-Filmen bei all ihren Schandtaten eine 80er-Jahre-Goalie-Maske trägt. Warum? Weil Jason sie cooler findet als die hundsgewöhnliche Ledermaske, die er gerade anziehen will:

Jason Voorhees findet die Maske und denkt sich: «Der Goalie bin ig!» (Video: YouTube)

Der Fussballgoalie mit der Maske

Und nun kommt Peter Cech. Der Goalie, der schon im Fussball eine Maske trägt, seit er 2006 nach einem Zusammenstoss mit einem Feldspieler einen Schädelbruch erlitt und beim Unfall beinahe sein Leben lassen musste.

Welch eine Story: Der Tscheche, der nach 15 Jahren in der Premier League für viele einer der besten Fussballtorhüter ist, die je in England spielten, wird nun nach seinem Rücktritt mit 37 Jahren Eishockeygoalie! Weil, und das dürfte alle Eishockeyherzen höher schlagen lassen, er das schon immer tun wollte: Jenen Sport ausüben, den er als kleiner Junge so gerne spielte und schaute.

Cech darf beim englischen Eishockey-Viertligisten Guildford Phoenix ins Tor und könnte bereits am Sonntag sein Debüt geben, wenn sein Team die 2. Mannschaft der Swindon Wildcats empfangen wird. Das Jersey der Phönixe steht ihm bereits jetzt schon gut:

Und die Eishockeygemeinde freut sich auf Peter Cech. Das zeigen auch die Clickzahlen auf seinem Profil bei eliteprospects.com, der Datenbank, die jeden Eishockeyaner auf der Welt erfasst:

Und was lernen wir aus dieser Geschichte?

Vielleicht nicht viel, okay. Aber sicher das hier: Ob früher oder irre. Ob heute oder normal. Goalie bleibt Goalie. Egal in welchem Sport.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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