Auf der Zielgeraden

Die 24-jährige Nationalverteidigerin Sarah Forster, Jurassierin in Thuner Diensten, ordnet einer zweiten Teilnahme an Olympischen Spielen alles unter, privat, ­beruflich und auch sportlich.

<b>In Form:</b> Sarah Forster jubelte bei Bomo Thun zuletzt als Stürmerin.

In Form: Sarah Forster jubelte bei Bomo Thun zuletzt als Stürmerin.

(Bild: Markus Grunder)

Vier Jahre sind es her, dass Sarah Forster, die Jurassierin aus ­Vicques, stolz ihre Bronzemedaille von Sotschi präsentierte und für kurze Zeit das Leben als Star im beschaulichen Kanton Jura genossen hat.

Keine 75 Tage vor der Eröffnung der Spiele in Pyeongchang ist die 24-Jährige erneut auf die olympische Zielgerade eingebogen. «Die Spiele bedeuten jedem Sportler sehr viel, ich habe das Glück, schon einmal mit Erfolg teilgenommen zu haben, und das klare Ziel, ein zweites Mal dabei zu sein.»

Seit dieser Saison spielt die Verteidigerin nach vier Jahren in Lugano, zwei Jahren in Neuenburg und einem halbjährigen Abstecher mit Meistertitel mit Linköping in Schweden bei Bomo Thun.

Der Transfer der 150-fachen Internationalen sollte in den Plänen von Trainer Steve Huard und Sportchef Roger Rentsch die Defensive stabilisieren und – zusammen mit den Ausländerinnen – eines jener Rädchen sein, die Bomo näher an die dominierenden Teams aus Zürich und Lugano heranbringen sollten.

«Wir sind auf dem richtigen Weg», analysiert Sarah Forster, «wir sind den beiden Meisterteams der letzten neun Jahre ­näher gekommen, davon bin ich überzeugt. Aber uns fehlt in der Breite die Torgefährlichkeit. Und bisweilen auch die Konstanz über 60 Minuten.»

Ein perfektes Beispiel dafür ist die knappe 3:4-Heimniederlage gegen Lugano vom Samstag. Den 4:2-Sieg am Sonntag in Reinach bezeichnete sie als «Gegenbeispiel, als Produkt einer geschlossenen Mannschaftsleistung und eines guten Spiels über die volle Distanz».

Mit zehn Punkten Vorsprung auf den Strich ist das Unternehmen Playoffs sechs Runden vor Schluss bereits «fast erreicht, vor allem wenn wir unsere Leistungen dieses Wochenendes weiterhin abrufen können».

Arbeitspensum reduziert

Forster hat ihrem Traum von Pyeongchang alles untergeordnet. Sie hat ihr Arbeitspensum als kaufmännische Angestellte in einer Garage auf 60 Prozent reduziert, «damit ich mehr Zeit für Trainings und Spiele habe». Zweimal trainiert sie mit dem 2.-Liga-Team von Delsberg, mehrmals in der Woche individuell, und am Freitag reist sie jeweils nach Thun, trainiert mit Bomo und bleibt für das Wochenende und die Meisterschaftsspiele im Berner Oberland.

«Ich trainiere anders als vor vier Jahren, ich bin ja auch älter geworden», sagt sie und lächelt. Vor allem hat sie ihr Programm neben dem Eis entscheidend gesteigert. «Ich ar­beite weit mehr an meiner Physis als früher, ohne diese Grundlage kann man heute international keinen Blumentopf mehr gewinnen.»

Positionswechsel

Es passt zu ihrer zielorientierten Arbeitseinstellung, dass sie auch ihre zwischenzeitliche Versetzung von der Abwehr in die Offensive ohne Murren umgesetzt hat. Nationaltrainerin Daniela Diaz testete Forster im November dreimal als Flügelstürmerin im dritten und im vierten Block, mit Bomo spielte sie seit Beginn der Masterround dreimal vorne an der Seite der beiden Ausländerinnen Lara Escudero und Leslie Oles – mit Erfolg und fünf Skorerpunkten.

Im Dezember allerdings wird Diaz wieder auf die Verteidigerin Sarah Forster setzen. «Diese Positionswechsel gehören dazu, das macht mir nichts aus.

Vor allem hat mich Daniela Diaz über ihre Absichten informiert. Ich konnte so meine Trainings anpassen.» Im Januar kommt das Aufgebot für Südkorea, dann wird sie wissen, ob sich ihre speziellen, professionell ausgerichteten Anstrengungen gelohnt haben.

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