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«Big Boy» zu Besuch beim SCB

Hoher Besuch in Bern: Saku Koivu gastiert bis am Sonntag beim SCB. Der ­finnische Superstar ist beim heutigen Champions-League-Gegner Turku tätig.

Saku Koivu gestern in der Postfinance-Arena – der finnische Superstar schaut sich heute auch die Partie von Turku gegen den SCB an.
Saku Koivu gestern in der Postfinance-Arena – der finnische Superstar schaut sich heute auch die Partie von Turku gegen den SCB an.
Christian Pfander

Für einmal bricht am Freitagvormittag sogar bei Kari Jalonen eine gewisse Hektik aus. Statt wie gewöhnlich zielstrebig von der Garderobe aufs Eis zu schreiten, hält der Finne Ausschau. Erst als er sieht, wen er sucht, wird er wieder ruhig und sagt im Vorbei­gehen: «Big Boy is here» – Big Boy ist da.

In der Tat hat der SCB Besuch von einem der grössten Eishockeyspieler aller Zeiten. Saku Koivu gastiert in Bern. An elf grossen Turnieren mit Finnland gewann er acht Medaillen. 1995 führte er das Team zum ersten WM-Titel. Danach wechselte er nach Nordamerika. In dreizehn Saisons bei den Montreal Candiens führte er das Team während zehn Jahren als Captain. 2014 beendete er bei Anaheim nach insgesamt 1203 NHL-Partien seine Karriere. Die 18 Jahre in Nordamerika waren auch von Verletzungen und Tiefschlägen geprägt. 2001 erkrankte er an Krebs. Aber selbst danach kehrte er auf höchstem Niveau zurück.

Der Talentförderer

Bei seinem Stammklub TPS Turku hat der 42-Jährige nun die neue Position des Chefstrategen übernommen. «Wir versuchen alles, um unsere Spieler besser zu machen», umschreibt Koivu seinen Job in Kurzform. Viermal in der Woche hilft er am frühen Morgen, die jungen Talente zu trainieren, bevor diese zur Schule gehen. «Im Mittelpunkt steht ­dabei vor allem die Förderung der individuellen Fähigkeiten», erklärt Koivu.

Dabei geht es ihm nicht darum, dass die Nachwuchskräfte so lange wie möglich im Klub bleiben, bevor sie etwa nach Nordamerika ziehen. «Das muss von Fall zu Fall entschieden werden.» Koivu hatte Finnland einst als 20-Jähriger verlassen. Der Schweizer Nummer-1-Draftpick Nico Hischier hingegen wagte den Schritt als 17-Jähriger.

«Zu meinem Job gehört neben dem Austausch mit den Trainern und Verantwortlichen auch, alles dafür zu unternehmen, in sämtlichen Bereichen noch professioneller zu werden.» Auch deshalb ist er bereits am Donnerstagabend nach Bern gereist. «Hier schaue ich mir das Training an und erhalte bei einem Rundgang Einblick in die Möglichkeiten, die in Bern vorhanden sind.» Natürlich ist Koivu heute auch bei der Partie der Champions Hockey League in Bern zugegen. «Ich finde den Wettbewerb für die Teams und Spieler interessant. Ich gebe der Champions League durchaus Chancen für die Zukunft. Schade ist, dass die Fans den Wert noch nicht honoriert haben.»

Der Investor

Koivu ist mit seinem Bruder Mikko – er spielt seit 2005 bei den Minnesota Wild, ist seit 2009 Captain – auch Mitbesitzer von TPS Turku. «Nur zu einem ganz kleinen Teil», präzisiert er. In seiner Heimatstadt gehört Saku Koivu hingegen zu grossen Investoren, die eine riesige Erlebnis- und Eventanlage nahe beim Bahnhof planen. Diese soll das Stadtzentrum aufwerten und letztlich auch Touristen anziehen.

Zum Projekt, das 480 Millionen Euro kosten soll, gehört auch eine moderne Mehrzweckhalle, welche die neue Heimstätte von TPS werden soll. «Mit reinen Eishockeystadien können die Klubs nicht genug verdienen. Zudem müssen die Spielstätten im Zentrum sein. Die Leute müssen schnell und bequem hinkommen», ist er überzeugt. Dass an einem Abend ein Eishockeyspiel stattfinde und am nächsten Tag schon ein komplett anderer Anlass, sei die Zukunft.

Der Bescheidene

Dieses Jahr wurde Koivu anlässlich der Weltmeisterschaft im Mai in die Hall of Fame des Internationalen Eishockeyverbandes aufgenommen. «Das ist so eine Sache, an die denkt man nicht, wenn man seine Laufbahn be­endet. Und wenn man plötzlich in derselben Liste erscheint wie ehemalige Stars der Sowjetunion, die man früher bewundert hat – Larionow oder Krutow zum Beispiel –, macht einen das schon stolz.»

Koivu gesteht, dass er als Spieler nicht realisiert habe, was er alles erreicht habe. Statt sich Zeit zum Reflektieren zu nehmen, sei sein Fokus immer nur auf die nächste Saison gerichtet gewesen. «Erst nach der Karriere merkte ich plötzlich: Ich habe es nicht so schlecht gemacht.»

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