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«Bitte sehr, das ist kein Krieg»

Dem SC Bern fehlt im letzten Spiel das Glück, das er zuvor hatte. Trainer Jalonen bleibt auch in der Niederlage gelassen, derweil sich der Sieger nicht freuen kann.

Bitterer Moment: Nach dem Spielende realisierten die SCB-Spieler ihr Ausscheiden.
Bitterer Moment: Nach dem Spielende realisierten die SCB-Spieler ihr Ausscheiden.
Keystone
Mit hängendem Kopf: SCB-Cheftrainer Kari Jalonen.
Mit hängendem Kopf: SCB-Cheftrainer Kari Jalonen.
Keystone
Kämpfte um den Puck: Mark Arcobello.
Kämpfte um den Puck: Mark Arcobello.
Keystone
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Es war wohltuend nach all der Aufregung. SCB-Trainer Kari Jalonen blieb auch in der Stunde seiner grössten Niederlage, die er seit seiner Ankunft in Bern gerade erlebte, ein Sportsmann und relativierte das ach so Schlimme.

Als ihn ein Journalist fragte, ob er jetzt, da der Krieg vorbei sei, etwas anders machen würde, erwiderte er: «Bitte sehr, das ist kein Krieg, das ist Eishockey, Sport, nichts anderes.» Der Finne hatte Grossväter, die in richtigen Kriegen dabei waren.

Etwas mehr Gelassenheit hätte auch dem Gegner gut angestanden. Peter Zahner, der CEO der ZSC Lions, konnte sich noch lange nach Spielschluss nicht über den Finaleinzug seiner Mannschaft freuen. Er ärgerte sich immer noch über die Sperre gegen Kevin Klein, die der SCB mit einem Arztzeugnis bewirkt hatte, das Luca Hischier eine Gehirnerschütterung attestierte.

Dabei ist das Playoff jene Zeit, in der die Konkurrenten alle Möglichkeiten ausschöpfen, um einen Vorteil zu erlangen. SCB-Sportchef Alex Chatelain war es seinem Team schuldig, so zu handeln, und man darf davon ausgehen, dass sein Amtskollege auf der anderen Seite, Sven Leuenberger, es nicht anders gehandhabt hätte.

Natürlich hatten die Zürcher in dieser sechsten Partie Klein schmerzlich vermisst. Ihrer Defensive fehlte die ordnende Hand, und zwischen dem Berner Führungstreffer und ihrem Ausgleich hatten sie eine Phase zu überstehen, in der es gar nicht gut für sie aussah.

Es passierte ihnen, was zu Beginn dieser Serie den Bernern oft passiert war: Sie kamen immer einen Schritt zu spät. Im Hallenstadion war es zeitweise ziemlich ruhig, und auch nach dem Ausgleich von Fredrik Pettersson kam der SCB im zweiten Drittel noch zu drei weiteren hervorragenden Chancen.

Danach wurde es immer mehr ein Spiel am Rande des taktischen Wahnsinns: Schnell, fehlerhaft, mit besten Torgelegenheiten hüben wie drüben. Ein prächtiger Match für das Publikum, ein Albtraum für die Trainer.

Aber die Causa Klein entschied diese Serie nicht, wie wir im Rückblick nun festhalten können. Es war zu einem guten Teil das Glück, das Regie führte. Der Berner Sieg im ersten Hallenstadion-Spiel, als ein Schiedsrichter den Puck zu Simon Bodenmann abfälschte, hatte gezeigt, dass ein Tor in der Verlängerung viel mehr mit Zufall zu tun haben kann als ein Penaltyschiesssen.

In Spiel fünf sahen die Schiedsrichter ein Vergehen von Gaëtan Haas nicht, was den Zürchern die Chance auf den Ausgleich raubte, und in diesem letzten Spiel verhinderte eine der kuriosesten Szenen der Saison, dass die Berner kurz nach Beginn der Overtime den Sieg davontragen konnten.

Lions-Goalie Lukas Flüeler war nach einem Schuss von Mark Arcobello schon geschlagen, als er seinen Stock fallen liess – und der Puck vom herrenlosen Stock am Eingang ins Tor gehindert wurde.

Arcobellos Schuss aufs Tor – und wie Lions-Goalie Lukas Flüeler darauf reagierte. Video: Tamedia/SRF

Das Glück spielte also mit, aber es taugt nie als Erklärung, wenn ein Team eine Best-of-seven-Serie verliert. Im Falle des SC Bern in diesem Halbfinale liest sich das im Wesentlichen so: Zu viele Leaderfiguren waren nicht in Form, und ausser Tristan Scherwey war keiner in der Lage, regelmässig physische Sonderefforts zu leisten.

Weshalb fehlte die Energie? Jalonen sieht zwei Hauptgründe: Die vielen SCB-Spieler, die an den Olympischen Spielen beschäftigt waren, und das Menschliche: Wer viel gewonnen hat in den letzten zwei Jahren, ist im Unterbewussten weniger leidensfähig. «Das ist menschlich.»

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