Dem SC Bern fehlen die Nehmerqualitäten

Der SCB verliert in Lugano 2:4. Erneut hat ein Rückstand die Mannschaft vom Weg abgebracht.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Selbst für die Sonnenstube gilt: Bitte Fenster schliessen. Das Tessin versinkt gerade im Regen. Die Kantonspolizei gibt am Dienstag eine Warnung raus: Nicht auf Brücken oder in der Nähe von Flüssen verweilen – und das Privatauto nur nutzen, wenn es wirklich notwendig ist. Doch ob die Sonne scheint oder der Regen fällt: Ist der Rivale SC Bern zu Gast, herrscht in Lugano ein Reizklima. Dann kann die Resega zum hölzernen Himmel auf Erden werden. Nicht selten befeuern die Emotionen auf dem Eis das Publikum. Schiedsrichterchef Brent Reiber jedenfalls hat bei Reisen nach Lugano immer ein Ersatzhemd dabei, weil er von Unverbesserlichen auch mal mit Bier überschüttet wird.

Am Dienstag gab es für das Heimpublikum keinen Anlass zu unkontrolliertem Frustabbau. Lugano bezwang den SC Bern 4:2. Die Tessiner mussten dabei nicht einmal zum Mittel der Provokation greifen: Sie entzogen dem Favoriten, der gut gestartet war, dessen Stilsicherheit mit drei Toren im Mittelabschnitt.

In Bern dürfte das Augenmerk in den nächsten Tagen auf das Verhalten im Zweikampf gelegt werden. Bereits am Samstag gingen die Berner im eigenen Slot derart auf Abstand zum Gegner, als handelte es sich bei den Freiburgern um Quarantänepatienten. Am Dienstag gewährten sie den Luganesi vor Leonardo Genoni mehrfach einen Freipass. Auf diese Weise gelang Lugano innert einer Minute die Wende: Sowohl Linus Klasen (3:2) als auch Grégory Hofmann (4:2) setzten sich mit Leichtigkeit gegen drei Berner durch. Captain Simon Moser sagte: «Das ärgert mich. Defensive Arbeit und Zweikämpfe sind eine Frage des Willens, keine Frage des Talents.»

Der ordentliche Start

Im Startdrittel verpassten es die Gäste, die Verunsicherung der Tessiner nachhaltig zu nutzen. Lugano verzeichnete Fehler im Aufbau, wobei sich Romain Loeffel in dieser Disziplin hervortat. Calle Andersson gelang das erste Tor – Grégory Sciaroni hatte seinen hohen Stock im Spiel, die Scheibe aber wohl nicht abgelenkt. Eine Szene später schoss Marc Kämpf am offenen Tor vorbei. Statt 0:2 stand es bald 1:1. Alessandro Chiesa blockte Beat Gerber, Henrik Haapala profitierte vom Chaos in der Zuteilung. Mittels Shorthander brachte Jan Mursak Bern erneut in Führung.

Das Drittel zum Vergessen

Es folgte aus Berner Optik ein Drittel zum Vergessen, welches in der Analyse aber zwingend in Erinnerung gerufen werden sollte. Genoni liess sich aus spitzem Winkel von Maxim Lapierre erwischen. Danach hatte Klasen seinen Auftritt. Es sollte die einzige aufregende Szene des Edeltechnikers bleiben. Klasen ist im Sottoceneri längst im Mittelmass versunken. Für entscheidende Momente ist mittlerweile Hofmann besorgt. Mit seinem Tempo und der Schussstärke ist Hofmann der ideale Spieler für die Schweizer Liga. Der Flügel mit auslaufendem Vertrag gilt als Bluechip auf dem Transfermarkt. SCB-Sportchef Alex Chatelain hat sein Interesse deponiert. Er befindet sich in zahlungskräftiger Gesellschaft.

Der SCB bezog Am Dienstag die fünfte Niederlage. Es ist ihm in dieser Saison noch nie gelungen, eine Partie nach Rückstand zu gewinnen. Der Mannschaft fehlen Nehmerqualitäten; ihr fehlt die Fähigkeit, Gegentore hinzunehmen, ohne deren Wirkung erkennen zu lassen. Am Dienstag passte nach Luganos 3:2 nicht mehr viel zusammen. «Nach Rückständen halten wir uns oft nicht mehr ans System. Das Problem ist erkannt», sagte Moser. «Die Spiele gegen Freiburg und Lugano sollten jedem die Augen geöffnet haben: Keine Checks, keine Emotionen, nur ein bisschen spielen – das reicht nicht.»

In der Tabelle sind die Berner auf den dritten Platz zurückgefallen – und damit nur noch die Nummer drei im Kanton. Es führt Biel vor Langnau.

Berner Zeitung

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