Den Langnauern spielen die Nerven einen Streich

Die SCL Tigers verpassen mit einer 2:5-Niederlage in Rapperswil die vorzeitige Playoff-Qualifikation.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Und dann ist Chris DiDomenico nicht mehr zu bremsen. Der Kopf des Langnauer Topskorers ist bedrohlich rot angelaufen, als er Richtung Tribüne stampft, sich ein Wortgefecht mit Rapperswiler Fans liefert.

Pascal Berger aber gelingt es, DiDomenico zurück zu halten, ihn in die Garderobe zu spedieren. Es ist ein passendes Ende für einen völlig missratenen Langnauer Eishockeyabend, an dem nur noch Frust übrig bleibt.

2:5 unterlagen die SCL Tigers dem Tabellenschlusslicht Rapperswil-Jona. Damit vergaben sie die erste Chance, sich vorzeitig das Playoff-Ticket zu sichern.

Entsprechend bedient war Heinz Ehlers nach der äusserst schwachen Darbietung seiner Mannschaft. «Der Gegner war gut. Aber von uns war das unglaublich schlecht, ich bin unglaublich enttäuscht», meinte der Däne mit stechendem Blick.

Zumindest an der Unterstützung fehlte es den SCL Tigers am Obersee nicht: Viele Fans waren nach Rapperswil gereist, in der Hoffnung, eine grosse Playoff-Party feiern zu können. Und in Langnau wäre die Mannschaft gar mit einem Feuerwerk empfangen worden. Doch weil sie zuvor den Zündknopf nicht gefunden hatte, blieb es eine ruhige Nacht im Emmental.

Pleiten, Pech und Pannen

Normalerweise sind die SCL Tigers der Inbegriff von defensiver Stabilität. Im von Trainer Ehlers vorgegebenen System funktioniert für gewöhnlich jedes Rädchen, nichts wird dem Zufall überlassen. Doch da ist eben der Faktor Mensch, der das Ganze unberechenbar macht.

Wer den Langnauern zuschaute, konnte nur zu einem Schluss kommen: Da ist ziemlich viel Nervosität vorhanden. Es gab Fehlpässe, die Zuordnung in der Defensive stimmte zuweilen überhaupt nicht – und für einmal war auch Damiano Ciaccio nicht der Rückhalt, der er seit Wochen ist. Beim 0:1 von Kay Schweri nach zehn Minuten griff der Keeper daneben – es sollte der Anfang vom Langnauer Untergang am Obersee sein.

Zwar gelang Pascal Berger noch der Ausgleich, doch waren die SCL Tigers nicht in der Lage nachzusetzen. Im Gegenteil: Kevin Clark, der 2015/2016 für Langnau gespielt hatte, und Steve Mason brachten die Rapperswiler bis in die 22. Minute völlig verdient 3:1 in Front.

Und wenns nicht läuft, kommt meistens noch Pech dazu. Der Rapperswiler Verteidiger Nico Gurtner schoss neben das Langnauer Gehäuse, doch prallte der Puck von der Bande zurück und ging via Ciaccios Schlittschuh ins Tor.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Es handelte sich um das erste Tor in der National League für den ehemaligen SCB-Junior. Ebenso in die Kategorie «Pleiten, Pech und Pannen» passte Aaron Gagnons Chance während einer vierminütigen Überzahl. Der Kanadier konnte zusehen, wie sein Schuss vom einen zum anderen Pfosten prallte und dann aus der Gefahrenzone glitt.

Immerhin: Im letzten Abschnitt reagierten die SCL Tigers, doch war es da für eine Wende bereits zu spät.

Eine Runde für Langnau

Und trotzdem lässt sich festhalten: Es war am Freitag eine Runde für die SCL Tigers. Die ZSC Lions unterlagen in Bern und Servette bezwang Gottéron. Somit bleiben die Langnauer zwei Runden vor Schluss vier Zähler vor den Zürchern und den Freiburgern.

Entsprechend gross ist die Chance, dass die Emmentaler heute im Teletext grün eingefärbt werden. Denn sollte Gottéron in Lausanne oder die ZSC Lions zu Hause gegen die Lakers verlieren, ist den SCL Tigers selbst bei einer Niederlage gegen den SCB das Playoff-Ticket nicht mehr zu nehmen. Gewiss aber würde es mehr Spass bereiten, nach einem Derbysieg auf diesen Erfolg anzustossen.

Telegramm: Rapperswil-Jona Lakers - SCL Tigers 5:2 (2:1, 2:0, 1:1)

3721 Zuschauer. - SR Stricker/Tscherrig, Cattaneo/Kovacs. - Tore: 11. Schweri (Clark) 1:0. 13. Pascal Berger (Pesonen, DiDomenico) 1:1. 16. Clark (Casutt, Wellman/Ausschluss Leeger) 2:1. 22. Mason (Kristo, Maier) 3:1. 24. Gurtner 4:1. 48. Pesonen (DiDomenico) 4:2. 57. Schweri (Kristo) 5:2. - Strafen: je 4mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: Wellman; DiDomenico.

Rapperswil-Jona Lakers: Nyffeler; Iglesias, Schmuckli; Hächler, Maier; Helbling, Gurtner, Berger, Gähler; Kristo, Schlagenhauf, Schweri; Clark, Knelsen, Wellman; Mosimann, Mason, Casutt; Hüsler, Profico, Spiller.

SCL Tigers: Ciaccio; Glauser, Leeger; Erni, Lardi; Cadonau, Huguenin; Randegger; Elo, Gagnon, Dostoinow; DiDomenico, Pascal Berger, Pesonen; Kuonen, Diem, Neukom; Rüegsegger, Gustafsson, Nils Berger; Gerber.

Bemerkungen: Rapperswil-Jona Lakers ohne Gilroy und Ness, SCL Tigers ohne Blaser, Johansson, Punnenovs (alle verletzt) und Giliati (überzähliger Ausländer). - Pfostenschuss Gagnon (35.). - Timeout SCL Tigers (57./Coach's Challenge).

Berner Zeitung

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