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Der Anruf führt ins Glück

Am Dienstag empfangen die SCL Tigers im Spitzenkampf Visp. Im Langnauer Kader figuriert Miro Zryd. Das Mitglied einer erfolgsverwöhnten Familie hatte den Klub im März verlassen müssen, unterschrieb im September dennoch einen Profivertrag.

Bald ein Eckpfeiler? Verteidiger Miro Zryd will sich in der Langnauer NLB-Mannschaft etablieren.
Bald ein Eckpfeiler? Verteidiger Miro Zryd will sich in der Langnauer NLB-Mannschaft etablieren.
Andreas Blatter

Mitte März packte Miro Zryd seine Sachen. Die Zeit als Elite-Junior bei den SCL Tigers war abgelaufen, Angebote von Profivereinen lagen keine vor. Enttäuscht entschied der 19-Jährige, nach Adelboden ins Elternhaus zurückzukehren, sich dem lokalen 1.-Liga-Team anzuschliessen, ein Studium zu beginnen.

Richtig wohl war dem Oberländer dabei nicht. Und so wählte er Jörg Rebers Handynummer, in der Hoffnung, dass sich doch noch eine Türe öffnen könnte. Der Langnauer Sportchef lud Zryd tatsächlich ins Sommertraining ein; während vier Monaten absolvierte dieser die Vorbereitung auf die NLB-Saison – ohne Lohn, versteht sich. Obwohl bereits acht Verteidiger im Kader figurierten und Coach Bengt-Ake Gustafsson pro Ernstkampf in der Regel nur deren sechs berücksichtigt, wurde Zryd ein paar Tage vor dem Saisonstart mit einem Profivertrag ausgestattet.

Studienpläne auf Eis gelegt

Er hatte die Verantwortlichen mit seiner Seriosität und vorbildlicher Attitüde überzeugt – die Studienpläne legte er auf Eis. Aufgewachsen ist Zryd wenige Meter neben der Skipiste. Als Jugendlicher bestritt er manches Rennen, den einen oder anderen Tipp erhielt er von einem prominenten Familienmitglied. Annerösli Zryd ist seine Grosstante, die mittlerweile 65-Jährige wurde 1970 Abfahrtsweltmeisterin. «Von diesem Erfolg habe ich lange gar nichts gewusst», sagt der Rookie; «für mich war sie lediglich eine sehr schnelle Skifahrerin.» Auf der Piste langweilte er sich aber je länger, je mehr – so konzentrierte er sich aufs Eishockeyspielen.

«Der Entscheid war richtig», sagt Miro Zryd und verweist auf den 12.September. In der Auftaktpartie gegen Martigny debütierte er im Profimetier. 4873 Zuschauer befanden sich in der Ilfishalle. «Für mich war das der Wahnsinn, ich hatte zuvor nie vor mehr als 400 oder 500 Leuten gespielt.» Der Verteidiger, welcher nervös war, aber weitgehend fehlerlos agierte, ist überaus dankbar für seine Chance. «Würde ich nun in der 1.Liga spielen, wäre der Zug für mich abgefahren. In Adelboden wäre wohl nie ein Scout vorbeigekommen.»

In Langnau bildet er mit Junior Sven Witschi und Zuzug Sven Lindemann eine Wohngemeinschaft. Letzterer ist 36 und damit fast doppelt so alt wie die Jungspunde. «Sven ist oft bei seiner Familie in Zug. Wenn er da ist, hat er das Sagen. Aber er ist ein Kollege, hängt nicht den Vater raus.»

Mit kreativer Ader

Zryds Vater Björn gehörte lange Zeit zu den besten Curlern im Land. Er gewann mehrere Medaillen an nationalen Titelkämpfen, vertrat die Schweiz an einer Europameisterschaft. Sein Geld verdient er als Künstler. Curling habe ihn nie gereizt, hält Miro Zryd derweil fest und fügt lächelnd an: «Das kann ich spielen, wenn ich über 30 bin.» Vom Vater geerbt hat er die kreative Ader. Im Gymnasium wählte er Kunst als Schwerpunktfach, Architekt nennt er als Berufswunsch.

Vorerst aber will er seinen Ideenreichtum auf dem Eis ausleben. Weil ein gegnerischer Schlittschuh eine Schnittwunde im Fussgelenk verursachte, kann er am Dienstag (19.45 Uhr, Ilfishalle) im Spitzenkampf gegen B-Meister Visp aber aller Voraussicht nach nicht mittun. Wie alle im Verein formuliert Zryd den Aufstieg als Ziel. Das Studium kann warten.

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