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Der gejagte Jagr und die rauchenden Russen

An der Weltmeisterschaft in Deutschland präsentieren sich die anwesenden «Stars» mit unterschiedlichen Allüren.

Die Gegebenheit wiederholt sich. Immer und immer wieder. Nach Spielen der tschechischen Nationalmannschaft versammelt sich die Journalistenschar in der Mixed-Zone, mehrheitlich getrieben vom Ziel, eine Aussage des Spielers mit der Nummer 68 zu erhaschen. Jaromir Jagr, der auf dem Weg in die Garderobe zwangsläufig die Mixed-Zone passieren muss, quittiert die medialen Anfragen mit einem Kopfschütteln, zieht die Mundwinkel nach unten – und wortlos von dannen. Jaromir Jagr ist in Mannheim der Gejagte. Eine Rolle, die ihm neben dem Eis so gar nicht behagt. Ob nach den Spielen oder im Anschluss an die Trainings: Jagr entscheidet, wann er wem Auskunft gibt. Und weil er sich nur höchst selten ein Statement entlocken lässt, weichen lokale und nationale Medien auf alte Geschichten rund um den 38-jährigen Ausnahmekönner aus. Beispielsweise auf den Bezug seiner Trikotnummer 68, die Jagr in Gedenken an die Opfer der niedergeschlagene Reformbewegung im Prager Frühling 1968 trägt. Beliebt und dieser Tage oft publiziert ist auch die Anekdote, wonach Jagr während des Lock-outs 1995 eine Partie für die Schalker Haie in der zweiten Bundesliga bestritt, wo sein Kumpel Peter Fiala Spielertrainer war. Die Haie siegten 20:3, Jagr buchte ein Tor und zehn Assists. Als Bezahlung forderte der Tscheche ein Jägerschnitzel mit Pommes frites. Nach einer Übernachtung auf Fialas Sofa fuhr er tags darauf zurück nach Prag.

Es gibt sie aber doch, die raren Momente, in denen der Spieler von Awangard Omsk die Bitte um Audienz erhört. Dann enerviert sich Jagr ob der tschechischen NHL-Söldner, die für das WM-Turnier absagten. «Die jungen Spieler waren sich für die WM wohl zu fein. Sie sollten sich bewusst sein, dass sie ohne die Hilfe der älteren nie in der NHL spielen würden.» So sehr sich der tschechische Star auch abkapselt, allein seine Präsenz verleiht den Partien im Zweitspielort Mannheim das gewisse Extra – auch weil Jagr auf dem Eis weiterhin dokumentiert: «Ich liebe dieses Spiel immer noch.»

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