Der Motor kommt wieder auf Touren

Byron Ritchie ist beim SC Bern ein Captain auf Zeit. Seine Funktion als Antreiber will der 37-Jährige während der ganzen Saison wahrnehmen. Am Dienstag gastieren Ritchie und Co. bei Kloten.

Im Brennpunkt: Byron Ritchie mit Topskorerhelm.

Im Brennpunkt: Byron Ritchie mit Topskorerhelm.

(Bild: Andreas Blatter)

Reto Kirchhofer@rek_81

Guy Boucher verwendet den Begriff oft und gerne: «Deserving culture» – die Kultur des Verdienstes. Wer Leistung bringt, soll auch entsprechend belohnt werden, so lautet eine Maxime des kanadischen Trainers. Unter diesem Hintergrund ist es zu verstehen, dass Boucher für seine Spieler zusätzliche Anreize geschaffen hat: So bestimmen die Coaches nach jeder Begegnung jenen Spieler, der die taktischen Vorgaben am besten umsetzen konnte («DNA–Player of the Game»).

Die Mannschaft wählt derweil den kampfstärksten Akteur («Warrior of the Game»). Es sei mehr als eine reine Spielerei, sondern eine gute Sache für den Teambildungsprozess, sagt etwa Stürmer Bud Holloway: «Es ist doch wie in jedem Beruf: Wer gut arbeitet, freut sich über entsprechende Wertschätzung.»

Teil der von Boucher etablierten «deserving culture» ist auch, dass der SCB-Spielführer und die Assistenzcaptains jeden Monat von Neuem bestimmt werden. Nach der Nationalmannschaftspause entschied Boucher, das bestehende Triumvirat vorerst nicht zu wechseln. Captain Byron Ritchie sowie die Assistenten Martin Plüss und Christoph Bertschy hätten das Team und dessen Werte im Oktober bestens repräsentiert.

«Deshalb gibt es keinen Grund für eine Änderung.» Das Trio hat zuletzt regelmässig gepunktet: Ritchie ist Topskorer der Mannschaft (22 Zähler), Plüss (18) vor Bertschy (16) der fleissigste Punktesammler unter den Schweizer Spielern.

Der Captain als Sinnbild

Vielleicht verkörpert gerade Ritchie die Wandlung des SC Bern auf ideale Weise. Seit 2011 spielt der kanadische Mittelstürmer in Bern; rasch glückte ihm im anspruchsvollen SCB-Umfeld der nicht minder anspruchsvolle Spagat, als Ausländer sowohl in der Qualifikation als auch in den Playoffs eine prägende Rolle einzunehmen. Ritchie war der Motor des SCB, ohne seine Tore hätte beispielsweise der spätere Meister in der Saison 2012/2013 die Viertelfinal-Serie gegen Servette nicht überstanden.

Die vergangene Spielzeit war indes auch für den Kanadier eine zum vergessen: Er suchte nach der Form, beklagte immer wieder kleine Verletzungen, kämpfte mehr mit sich als gegen die Kontrahenten. Die latente Unzufriedenheit vermochte Ritchie nur schwer zu kaschieren, auch, weil er an sich die höchsten Ansprüche stellt. Nun läuft es dem Center wie der Mannschaft seit Saisonbeginn besser und besser. Er fühle sich in läuferischer Hinsicht so gut wie schon lange nicht mehr, sagt Ritchie. Die Entwicklung der Mannschaft stimme ihn positiv, jeder habe das System verinnerlicht.

«Langsam schöpfen wir unser Potenzial aus. Es zeichnet sich ab, zu was dieses Team fähig ist.» Ritchie spricht über die gute Kameradschaft, «jeder geht für den anderen. Das ist der erste Schritt im Prozess, ein gutes Team zu bilden.» Am zweiten, der richtigen Einstellung, müsse jeder Spieler täglich arbeiten. «Der SCB ist ein Arbeiterteam. Werden wir diesem Ruf gerecht, sind wir erfolgreich.»

«Der alte Körper macht mit»

37 Jahre alt ist der dreifache Vater, sein Vertrag in Bern läuft aus. Das Aufhören dürfte für Ritchie (noch) kein Thema sein, sagt er doch schmunzelnd: «Der alte Körper macht noch ganz gut mit.» Seit er das «C» auf der Brust trägt, beschreitet der Center neue Wege. Seit jeher zieht er die Taten den Worten vor, will auf dem Eis mit gutem Beispiel vorangehen («leading by example»).

Mittlerweile versucht Ritchie aber, auch in der Garderobe mehr Verantwortung zu übernehmen, sich häufiger zu äussern, einzubringen. «Es ist eine grosse Ehre, dieses Team zu führen. Ich muss mich als Captain in jeder Partie von der besten Seite zeigen.» Das nächste Mal am Dienstagabend in Kloten.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt