Der SCB-Motor

Byron Ritchie steht gerne unter Druck und stellt an sich selbst die höchsten Ansprüche. Deshalb ist der 36-jährige Kanadier der ideale Ausländer für den SCB.

Wenn es hart auf hart kommt, ist Byron Ritchie zur Stelle: Der Kanadier überzeugt beim SCB mit Taten statt mit Worten.

Wenn es hart auf hart kommt, ist Byron Ritchie zur Stelle: Der Kanadier überzeugt beim SCB mit Taten statt mit Worten.

(Bild: Andreas Blatter)

Reto Kirchhofer@rek_81

Wenn es hart auf hart kommt, schreiten die Starken zur Tat. Was auf Deutsch etwas schwerfällig klingt, liest sich im Englischen viel flüssiger: «When the going gets tough, the tough get going». Für den SC Bern kam es im vergangenen Frühling tatsächlich hart auf hart: In der Playoff-Viertelfinal-Serie gegen Servette lagen die Berner mit 1:3 Siegen in Rückstand. Man dachte eher an Ferien als an Meisterfeier.

Einer jedoch wollte noch nicht in den Urlaub: Byron Ritchie. Der Kanadier entschied die fünfte Begegnung mit seinem Tor in der Verlängerung, und als der SCB im sechsten Spiel auswärts nach zwei Dritteln 1:3 zurück lag, war es erneut Ritchie, der zur Tat schritt, seine Mannschaft mit zwei Toren in die Verlängerung rettete. Schliesslich triumphierten die Berner im Penaltyschiessen – und der Kanadier war seinem grossen Traum ein Stück nähergekommen.

«Ich stehe gerne unter Druck»

Als Byron Ritchie im Frühling 2011 beim SCB unterschrieb, verkündete der Stürmer, er habe nur ein Ziel: endlich den ersten Titel im Profieishockey zu gewinnen. Im ersten Jahr scheiterte Ritchie mit dem SCB im siebten Finalspiel, 2013 sollte es klappen. Doch je näher im April die Meisterschaftsentscheidung rückte, desto grösser wurden des Kanadiers Sorgen: Seine Frau Maria war hochschwanger, und Ritchie befürchtete, wegen der Geburt seines dritten Kindes eine Finalpartie zu verpassen.

Am Dienstagabend, 16. April, holte der SCB mit dem 5:1 gegen Gottéron den Titel, und nach dem Spiel legte sich Ritchie als Erstes eine halbe Stunde auf einen Garderobentisch. «Ich war noch nie so müde in meinem Leben. Der ganze Stress, all die Emotionen und die Erleichterung, alles kam raus.» Am nächsten Tag kam Sidney Ritchie zur Welt. Das Timing hätte besser nicht sein können.

Wenn der Vater Ritchie von seinen Kindern Ryder, Milani und Sidney spricht, wirkt er locker, zufrieden. Es sind Charakterzüge, die man beim Eishockeyspieler Richie selten wahrnimmt. Landsmann Travis Roche nennt ihn «Grumpy Byron» – denn sei es im Training oder im Spiel: Der 36-Jährige wirkt meist grimmig und grantig.

Ein Grund hierfür ist Ritchies Ehrgeiz. Der Center ist äusserst selbstkritisch und mit seiner Leistung selten zufrieden. «Ich stelle die höchsten Ansprüche an mich. Mir muss niemand sagen, dass ich schlecht spiele – wenn es so ist, setze ich alles daran, möglichst schnell wieder besser zu werden.»

Dank dieser Einstellung passt der Kanadier bestens zum SCB, zum Klub mit den hohen Ansprüchen. Der Stürmer gilt als Motor des Teams, treibt die Mitspieler vornehmlich mit Taten an statt mit Worten. Er sagt: «Ich stehe gerne unter Druck.» Summa summarum war Ritchie in den letzten zwei Jahren der konstanteste ausländische Stürmer der Liga. Es erstaunt nicht, antwortete Servette-Trainer Chris McSorley unlängst in einer Westschweizer Zeitung auf die Frage, welchen Spielertyp er noch für sein Team suche: «Ich will den Doppelgänger von Byron Ritchie.»

Berner Zeitung

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