Der SCB spielt 40 Minuten Eishockey mit Herzblut

Der SCB schlägt Servette nach einem langweiligen, einem hochstehenden und einem spannenden Drittel mit 4:3.

Adrian Ruch

Darauf hat man in Bern eine ganze Weile gewartet: Im zweiten Drittel gegen Servette zeigt der SC Bern plötzlich jenes Eishockey, das die Anhänger sehen wollen. Mit Leidenschaft, Tempo und Zweikampfstärke fegen die Berner über die Genfer hinweg wie ein Wirbelsturm. Da nützt es den Gästen wenig, spielen sie mit drei schwedischen Verteidigern.

Über weite Strecken erhalten die Zuschauer den Eindruck, die Gastgeber agierten in Überzahl. Selbst nachdem die Mutzen, passend zum Geschehen, wegen zu vieler Spieler auf dem Eis bestraft worden sind, kann sich Servette kein Übergewicht erarbeiten. In der 34. Minute erobert Mark Arcobello im Duell der Topskorer gegen Tanner Richard hinter dem Genfer Gehäuse den Puck und bedient Thomas Rüfenacht, der zum 2:1 trifft.

Zu diesem Zeitpunkt hat Leonardo Genoni in diesem Drittel noch nicht einen Puck halten müssen. Rüfenacht, der in diesem Winter lange unter Ladehemmung gelitten hatte, hat damit in sechs der sieben letzten Partien ein Tor erzielt. «Genau so müssen wir spielen», wird SCB-Cheftrainer Kari Jalonen am Ende sagen. Der Ertrag ist Anbetracht des riesigen Aufwands bescheiden, doch die Fans entlassen ihre Lieblinge mit «SCB»-Sprechchören in die Garderobe.

Grosses Geschenk für Moser

Vor der ersten Pause hatten die Protagonisten hingegen keinen Applaus verdient. Servette brauchte im Kampf um die Playoff-Teilnahme unbedingt einen Sieg, der SCB musste nach drei Niederlagen in den letzten vier Heimspielen bemüht sein, Wiedergutmachung zu betreiben. Doch auf dem Eis war von Dringlichkeit wenig zu spüren.

Was die beiden Kontrahenten im ersten Abschnitt boten, war, man kann es nicht anders schreiben: 20 Minuten Langeweile gewürzt mit zwei zu Gegentoren führenden Fehlern. Simon Moser gelang früh das 1:0, nachdem ihm Johan Fransson die Scheibe auf dem Silbertablett präsentiert hatte. Ein Wunder, hatte der Schwede dem Puck nicht ein Schleifchen umgebunden. Später unterlief Tristan Scherwey auf der anderen Seite ein ähnlich haarsträubender Fehlpass. Der SCB-Flügel warf sich danach mutig in den Schuss, doch wenige Sekunden später lag die Scheibe doch hinter Genoni im Tor.

Die zwei Gesichter

Wie ist es möglich, dass dieselbe Equipe an einem Abend zwei völlig unterschiedliche Gesichter zeigt? Jalonen glaubt, es handle sich um eine rein mentale Sache. «Es ist nicht einfach; wir sind schon lange für das Playoff qualifiziert, während die Gegner um jeden Punkt kämpfen müssen», wird der Finne festhalten und erzählen, er habe in der ersten Pause die Akteure aufgefordert, die Körpersprache zu verbessern und als Einheit zu agieren.

Auch im dritten Abschnitt bieten die Mutzen Eishockey mit Herzblut. Doch nun halten die Servettiens besser dagegen – und haben Glück, als Calle Andersson die Scheibe unhaltbar ins eigene Tor ablenkt. Kurz darauf geht das Team Chris McSorleys im Powerplay gar in Führung. Doch die Berner greifen weiterhin ungestüm an – und werden belohnt. Zuerst trifft Jan Mursak in Überzahl und 96 Sekunden vor dem Ende, Gaëtan Haas mit einem Weitschuss aus der Drehung.

In der Statistik wird Scherwey nicht auftauchen, doch bei beiden Toren steht er Pate respektive Goalie Gauthier Descloux entscheidend im Blickfeld. Es ist am Ende ein hochverdienter 4:3-Erfolg, damit bleibt es dabei: Der SCB hat in dieser Meisterschaft nie mehr als zweimal in Folge verloren.

Das spricht für die Stabilität des Teams und die Einstellung der Spieler. Allerdings hat Bern nun viermal in Serie mindestens drei Gegentore zugelassen. Sorgen bereitet das Jalonen nicht: «Jeder von uns weiss, dass man mit drei oder vier Gegentoren normalerweise nicht gewinnt, schon gar nicht im Playoff.»

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