Der SCB steht vor einem grösseren Umbruch

SC Bern Sportchef Alex Chatelain hat in einer «gesamthaft sehr guten Saison» gegen Ende «viele Fehler im Aufbau» gesehen. Und er ist überzeugt, dass das Team durch die Transfers in der Breite stärker wird.

  • loading indicator
Reto Kirchhofer@rek_81

Zuerst war die Enttäuschung über die Niederlage an sich. Die Enttäuschung darüber, dass der SC Bern trotz phasenweiser Dominanz im sechsten Spiel gegen die ZSC Lions den Kürzeren zog. Mit etwas Abstand wurde bei Alex Chatelain die Enttäuschung grösser, wie ein Schneeball, der ins Rollen kommt – weil sie das ganze Ausmass umfasste, nicht mehr nur diese eine Niederlage: Aus im Halbfinal, kein dritter Titel in Folge, alles vorbei, Saisonende.

Der Sportchef des SC Bern analysiert gewohnt sachlich: «Wir hätten besser spielen können – was nicht heisst, dass eine bessere Leistung für den Finaleinzug gereicht hätte. Der ZSC war stark.» Chatelain sah zuletzt «viele Fehler im Aufbau, was für unsere Mannschaft untypisch ist». Die Aus­setzer lassen sich partiell mit Müdigkeit erklären, körperlicher wie mentaler.

Einige Führungsspieler haben über neunzig Saisonpartien absolviert. «Bis und mit Spengler-Cup war die Belastung hoch: Jeder wollte sich zeigen, für ein Olympiaaufgebot empfehlen. In der Meisterschaft lief es einfach: Wir konnten in der Overtime verlieren, bauten den Vorsprung trotzdem aus.» Die Olympischen Spiele hätten beim Team nach dem Jahreswechsel «den Stecker gezogen – ähnlich wie 2015, als nach dem Cupsieg nicht mehr viel zusammenpasste».

Das Thema Eiszeit

Der Sportchef wird das Thema Belastung in Gesprächen mit Spielern und Trainern analysieren und dabei auch die Eiszeiten ansprechen. «Spielst du fünf gegen fünf, ist es nicht relevant, ob einer sechs oder sieben Minuten im Einsatz steht. Die Special Teams sind eine andere Sache.» Die Center Mark Arcobello und Andrew Ebbett etwa waren im Power- und im Boxplay gesetzt; Arcobello ist ligaweit der Angreifer mit der meisten Eiszeit pro Partie. «Das ist Jalonens Philosophie: Was funktioniert, ändert er nicht so schnell. Wem er vertraut, auf den setzt er stark», sagt Chatelain. «Und gesamthaft war es doch eine sehr gute Saison für uns.»

Wohl mit vier Ausländern

Im Hinblick auf die nächste Saison wird das Team einige Änderungen erfahren: Vier Ausländer (Aaltonen, Noreau, Pyörälä, ­Raymond), vier Schweizer mit NL-Erfahrung (Bodenmann, Hischier, Meyer, Randegger) und zwei Nachwuchsspieler (Dubois, Wolf) verlassen den Club. Von den Zuzügen sind deren zwei (der Schwede Almqvist und der Slowene Mursak von Frölunda) noch nicht kommuniziert, deshalb werden sie bei der Kaderzusammenstellung (siehe Box) nicht berücksichtigt.

Fragezeichen gibt es punkto Verfassung der verpflichteten, zuletzt oft verletzten Stürmer Bieber (Kloten) und Sciaroni (Davos). «Ich hoffe, dass Bieber in einem neuen Umfeld auflebt», sagt Chatelain. Bei Sciaronis Verletzungen ortet er einen Zusammenhang mit der Spielweise des HCD: «Es ist nicht nur Zufall, haben wir seit zwei Jahren kaum Verletzte. Das liegt auch an unserem System: nicht immer forechecken, nicht immer als Erster am Puck sein, sondern lieber die Position halten.» Sciaroni wird die ersten drei Saisonspiele verpassen, weil er beim letzten Viertelfinalmatch mit Davos eine Sperre kassierte.

Ob die Kaderplanung abgeschlossen ist, hängt auch davon ab, inwiefern es Unzufriedene geben wird, die trotz Vertrag eine Luftveränderung anstreben – sei dies beim SCB oder bei anderen Clubs. Tendenziell wird Bern mit vier Ausländern in die nächste Saison starten. Chatelain sagt: «Ich bin überzeugt, dass wir mit den Transfers eine neue Dynamik ins Team bringen und die Breite verstärken.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt