Der unzufriedene Seriensieger

SCB-Ersatzgoalie Pascal Caminada glänzt in Biel beim 3:2-Sieg nach Verlängerung. Die Mutzen haben alle fünf Spiele mit dem 32-Jährigen im Tor gewonnen.

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Adrian Ruch

Zwei Figuren sind ausschlaggebend dafür, dass der SC Bern den Spitzenkampf gegen den EHC Biel für sich entscheidet. US-Center Mark Arcobello sorgt 78 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit für den Ausgleich und erzielt 62 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung den 3:2-Siegtreffer. Zuvor hat Pascal Caminada den SCB im Seeland mit zahlreichen Glanzparaden im Spiel gehalten und so die späte Wende erst ermöglicht.

Cheftrainer Kari Jalonen spricht in den Katakomben der Tissot-Arena vom besten Auswärtsmatch in der laufenden Saison. «Im ersten Drittel waren wir etwas nervös, danach begannen wir zu spielen, wie wir auswärts spielen müssen. Und klar: Caminada war hervorragend.»

Wer nun einen freudig strahlenden Goalie erwartet, wird überrascht. Auf seine Topleistung geht er im Gespräch kaum ein, er betont vielmehr, die letzte Saison sei nicht einfach gewesen und der vergangene Sommer ebenfalls nicht. Zur Aufklärung: Nachdem der 32-Jährige im vergangenen Winter in der National League nur viermal aufgestellt worden war, wollte er zu Kloten wechseln, doch die SCB-Verantwortlichen pochten auf den bestehenden, bis im kommenden Sommer gültigen Vertrag. Wie viele Einsätze sind ihm denn vor seinem Transfer nach Bern in Aussicht gestellt worden? Caminada lacht und fragt rhetorisch: «Kann ich mich enthalten?»

«Es ist nicht einfach»

In Bern ist Nationalkeeper Leonardo Genoni als Nummer 1 unbestritten und fast immer gesetzt. Caminada akzeptiert die Rollenverteilung, was aber nichts an seiner latenten Unzufriedenheit ändert. Er beklagt sich nicht, aber er sagt Sätze wie: «Ich bin halt sehr ehrgeizig.» Und: «Es ist nicht einfach, wenn du gut spielst und doch drei Wochen auf den nächsten Einsatz warten musst.» Und gut ist er bisher immer gewesen: 5 Partien (3 in der Meisterschaft, 2 im Cup), 5 Siege und insgesamt nur 5 Gegentore. Mit 94,9 Prozent weist er die höchste Abwehrquote aller in der National League eingesetzten Torhüter auf.

Auch andere Zweittorhüter haben bisher überzeugt. Vielleicht werde die Philosophie etwas überdacht und einige Entscheidungsträger merkten, dass sie sich nicht den grössten Gefallen täten, wenn sie nur auf einen Goalie setzten, meint Caminada. Aber er nimmt sich und seine Leidensgenossen auch in die Pflicht: «Wir zweiten Goalies sollen nicht nur motzen, sondern versuchen, die Chancen zu nutzen, die wir kriegen. So bringen wir Argumente, damit es künftig mehr Richtung Jobsharing geht. Denn das Wichtigste ist doch, dass im Playoff noch alle frisch sind.»

«Das ist der einzige Weg»

Weshalb hat Jalonen Genoni ausgerechnet im Derby gegen Biel pausieren lassen? Einerseits soll der Zürcher am Dienstag in Malmö ausgeruht sein, andererseits sagt Jalonen: «Mit Caminada haben wir immer gewonnen. Die Kollegen vertrauen ihm, er macht im Training einen guten Job, und im Match zeigt er gute Leistungen. Das ist gut für ihn und für das Team.» Bekanntlich wird Genoni nach Saisonende nach Zug dislozieren. Das könnte für Caminada ein Anreiz sein, beim SCB eine Vertragsverlängerung anzustreben. Er hält fest, das sei reine Spekulation. «Ich kann meine Zukunft nur beeinflussen, indem ich gut trainiere und möglichst jede Chance nutze, die ich bekomme.» Er werde weiter hart arbeiten und zeigen, dass auf ihn Verlass sei. «Das ist der einzige Weg.»

Berner Zeitung

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