Die besondere, weil logische Sensation gegen Schweden

Das Schweizer U-20-Eishockeyteam wirft den angeschlagenen Favoriten verdient aus der WM.

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Kristian Kapp@K_Krisztian_

Dieses 2:0 gegen Schweden der Schweiz im Viertelfinal ist die erste grosse Sensation der U-20-WM 2019. Die Skandinavier waren in den letzten Jahren nebst Kanada die dominierende Nation auf der höchsten Nachwuchs-Stufe.

Was den Erfolg der Schweiz in Victoria auf Vancouver Island aber besonders wertvoll macht: Er kam auf «logische» Art und Weise zustande. Ja, Luca Hollenstein spielte im Schweizer Tor eine tadellose Partie (41 Paraden), bestätigte eindrücklich, warum er seinen Konkurrenten Akira Schmid im Verlauf der Saison als Nummer 1 verdrängt hat. Aber die Schweiz siegte nicht einfach, weil ihr Goalie auf dem Kopf gestanden wäre und dem Gegner den Sieg geklaut hätte.

Das 1:0 der Schweiz von GCK-Stürmer Yannick Brüschweiler.

Dieses 2:0, es wurde redlich verdient von einer Mannschaft mit Mut, viel Hartnäckigkeit, einer offensiven Ausrichtung und vor allem einem Chancenplus. Das ist auf U-20-Stufe eine absolute Rarität, es kommt öfter vor, dass die Schweiz den grossen Nationen von A bis Z unterlegen ist und auf irgendwelche Wunder hoffen muss, um ein positives Resultat einzufahren. Aber nicht dieser Jahrgang, nicht diese Mannschaft von Nationaltrainer Christian Wohlwend.

Ebenso bemerkenswert: Es war nicht der Coach des Aussenseiters, der seine besten Kräfte eher forcierte. Während Wohlwend zwar auch vor allem drei seiner vier Sturmreihen klar häufiger aufs Eis schickte, waren bei seinem Gegenüber fast schon Tendenzen zu «Steinzeit»- und Holzhammer-Methoden erkennbar: Schwedens Headcoach Tomas Montén forcierte vor allem seine zwei besten Linien.

Schon in den Gruppenspielen mit ähnlichen Tugenden

Die Schweizer hatten bereits in den Gruppenspielen nebst dem 4:0-Pflichtsieg gegen Aussenseiter Dänemark auch bei den drei Niederlagen gegen die «Grossen» Tschechien (1:2 nach Verlängerung), Kanada (2:3) und trotz am Ende klarem 4:7 auch gegen Russland ihre Tugenden mehr als nur angedeutet und alle Teams phasenweise in Bedrängnis gebracht.

In keinem anderen Spiel galt dies aber derart wie in diesem Viertelfinal gegen Schweden. Es darf nicht unerwähnt bleiben und war sicherlich auch ein Grund für den Spielverlauf: Das schwedische Team kämpfte in den letzten Tagen mit einer lästigen Magen-Darm-Grippe, trat zuletzt ersatzgeschwächt auf. Und auch wenn gegen die Schweiz nun alle Spieler als «fit» gemeldet wurden, war es nicht zu übersehen, dass die Schweden nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren.

Schwedens Goalie Samuel Ersson und zwei seiner vielen Top-Paraden.

Es soll ihre Leistung nicht schmälern, doch auch darum gelang es der Schweiz erstaunlich gut, den Gegner aus der Gefahrenzone fernzuhalten. Sie musste nur wenige heikle Druckphasen über sich ergehen lassen, konnte sich immer wieder befreien. Und mehr als das: Zum auffälligsten Spieler der Partie mutierte in den ersten 40 Minuten je länger je mehr Samuel Ersson im schwedischen Tor.

Der in der zweithöchsten schwedischen Liga bei Västeras spielende Goalie, der in der NHL von den Philadelphia Flyers gedraftet wurde, sah beim 1:0 von Yannick Brüschweiler vielleicht nicht ganz schuldfrei aus – auch wenn der GCK-Stürmer bei seinem Schuss geschickt den Schwedischen Verteidiger vor ihm als «Sichtblockade» für Ersson nutzte. Daneben hielt dieser seine Farben aber mehrfach spektakulär im Spiel, verhinderte eine frühere Entscheidung. Bei Luca Wyss’ Stocher-Tor in der 34. Minute war er dann aber auch machtlos.

Bemerkenswerte Randstory dieses Schweizer Sieges: Torschütze Wyss bestritt gegen Schweden sein allererstes Spiel des Turniers, wurde nun aber gleich zum Co-Matchwinner …

Das Schweizer 2:0 nach einem «Stocher-Tor» von Luca Wyss.

Die Schweizer vergaben zuvor aber Chancen aus allen Lagen, in allen Situationen: bei numerischem Gleichstand, in Überzahl, aber auch in Unterzahl. Valentin Nussbaumer allein hätte zum schwedischen Albtraum mutieren können. Der Jurassier und Ex-Bieler, der in der kanadischen Juniorenliga bei Shawinigan spielt, vergab zweimal solo vor Ersson.

Wie Nussbaumer danach seinen Stock auf der Spielerbank malträtierte und beinahe einen Teambetreuer sowie den verdutzten Teamkollegen Akira Schmid k.o. schlug, wurde noch während des Spiels zum Internethit ...

Valentin Nussbaumers Wut nach der vergebenen Chance zum 3:0.

Doch der Ärger war umsonst. Denn die Schweiz spielte auch im Schlussdrittel souverän. Schweden war zwar bemüht und kam zu einigen Druckphasen, doch auch da konnte sich Wohlwends Team immer wieder lösen, verfiel nie der Versuchung, die 2:0-Führung zu verwalten. Selbst als in den letzten zwei Minuten Schweden ohne Goalie, mit sechs Feldspielern verzweifelt die Wende suchten, verloren die Schweizer die Übersicht nie.

Der Anfang vom Ende des «Fluchs»?

Sie feierten am Ende einen verdienten 2:0-Sieg und damit einen Erfolg gegen eine Nation, die auf Erwachsenenstufe in der jüngeren Vergangenheit in allen möglichen Sportarten der Schweiz bittere Niederlagen zugefügt hatte. Es war zwar «nur» auf Juniorenstufe, aber dennoch vielleicht der Anfang vom Ende des «Schweden-Fluchs» …

Schweden - Schweiz 0:2 (0:1, 0:1, 0:0)
Victoria. – 5946 Zuschauer. – SR Anderson/Heikkinen (USA/FIN), Hynek/Nikulainen (CZE/FIN).–Tore: 16. Brüschweiler (Burger) 0:1. 34. Wyss (Sandro Schmid, Verboon) 0:2. – Strafen: 6-mal 2 Minuten plus Spieldauer (Bemström) gegen Schweden, 5-mal 2 plus 10 Minuten (Verboon) gegen die Schweiz.
Schweiz: Hollenstein; Gross, Le Coultre; Aebischer, Berni; Burger, Moser; Müller, Kuraschew, Eggenberger; Brüschweiler, Sigrist, Nussbaumer; Verboon, Sandro Schmid, Wyss; Leuenberger, Tanner, Lehmann; Gerber.
Bemerkungen: Schweiz ohne Geisser (verletzt), Barandun (nicht eingesetzt), Zaetta (überzähliger Goalie) und Akira Schmid (Ersatztorhüter).

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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