Die Klubs des Branchenleaders in Nebenrollen

Wenn in der Nacht auf Donnerstag die NHL ihre 99. Saison in ­Angriff nimmt, ­wollen die kanadischen Mannschaften die letzte Spielzeit ­vergessen machen. Dabei nehmen ­einige in der Schweiz bekannte Akteure wichtige Funktionen ein

Thierry Dick

Ende September stellte Kanadas Nationalmannschaft ihre Überlegenheit einmal mehr unter Beweis, besiegte am World Cup in Toronto das Team Europe in zwei Finalspielen und sicherte sich einen weiteren prestigeträchtigen Titel. Tritt die Landesauswahl in Bestbesetzung an, kann ihr in der Regel keine andere Nation das Wasser reichen; für die wichtigen Trophäen scheinen die Kanadier ein Abonnement gelöst zu haben.

Völlig anders präsentiert sich die Lage in der National Hockey League: Seit den Montreal Canadiens 1993 ist es keiner kanadischen Equipe mehr gelungen, den Stanley-Cup zu gewinnen. Und in der vergangenen Saison erlebte Kanadas Klubeishockey ein regelrechtes Desaster, konnte sich in der weltbesten Liga doch keine einzige Mannschaft für die Playoffs qualifizieren.

Dieses Szenario soll sich in der heute Nacht beginnenden NHL-Saison aus kanadischer Warte nicht wiederholen. Zwar dürfte der Stanley-Cup auch im Frühling 2017 keinen Abstecher in den hohen Norden machen, doch zumindest die Montreal Canadiens dürften wieder in den Playoffs vertreten sein.

Price, der Rückkehrer

Mit Carey Price, der verletzungsbedingt fast die gesamte letzte Spielzeit verpasste, beim World Cup sein Comeback gab und mit Kanada den Titel feierte, hütet der beste Goalie der Welt das Tor der «Habs». Zudem hat die ­Defensive durch den Zuzug von Shea Weber, der im Tausch mit P. K. Subban von Nashville geholt wurde, an Stabilität gewonnen. In der Offensive soll Zuzug Alexander Radulow für Tore sorgen. Der Russe spielte zuletzt in der KHL und galt als bester Stürmer ausserhalb der NHL. Radulow ist ein äusserst spektakulärer Spieler, hat aber auch den Ruf eines Enfants terrible.

Carey Price. Quelle: Keystone

Matthews, der Hoffnungsträger

Etwas weiter westlich, in Toronto, befinden sich die Maple Leafs in einem kompletten Umbruch. Mittel- und langfristig werden die Hoffnungen primär in Auston Matthews gesetzt. Der Texaner ist der Nummer-1-Pick des letzten Draft, seine enormen Qualitäten hat der 19-Jährige letzte Saison bei den ZSC Lions in der NLA unter Beweis gestellt. Noch sind die Maple Leafs kein Playoff-Kandidat, doch in einigen Jahren dürfte mit dem Traditionsteam, das zuletzt 1967 zu Titelehren kam, wieder zu rechnen sein.

Auston Matthews. Quelle: Keystone

Boucher, der Defensive

Derweil leitet in der Hauptstadt neu ein Trainergespann mit Schweizer Vorgeschichte die Geschicke an der Bande. Der frühere SCB-Trainer Guy Boucher will den zuletzt schwächelnden Ottawa Senators seine defensive Philosophie einimpfen. Selbst wenn dies gelingen sollte, würde eine Playoff-Qualifikation erstaunen. Übrigens: Assistiert wird Boucher vom früheren ZSC-Meistermacher Marc Crawford.

Guy Boucher . Quelle: Keystone

Gaudreau, der Spektakuläre

In der Western Conference hat sich Calgary von einem ehemaligen Zürcher Meistertrainer getrennt; Bob Hartley musste nach vier Jahren bei den Flames seinen Posten räumen. Unter dem neuen Übungsleiter Glen Gulutzan steht Calgary vor einer rosigen Zukunft. Durch die Verpflichtung des zuverlässigen Brian Elliott sollten die Flames ihr Torhüterproblem gelöst haben, war das Duo Jonas Hiller/Kari Rämö in der vergangenen Spielzeit doch das schlechteste der ­Liga. In der Offensive erinnert der Amerikaner Johnny Gaudreau mit seiner spektakulären Spielweise an den Bieler Lockout-Gast Patrick Kane. «Johnny Hockey» ist der Star in einer äusserst talentierten, jungen Equipe.

Johnny Gaudreau. Quelle: Keystone

McDavid, der Leader

Ebenfalls jung und talentiert ist Calgarys Erzrivale, die Edmonton Oilers. Angeführt von Connor McDavid, der mit 19 Jahren zum jüngsten Captain in der NHL ernannt worden ist, und dem neu verpflichteten Haudegen Milan Lucic sollen sich die in den letzten Jahren chronisch erfolglosen Oilers den Playoffs zumindest wieder annähern. Connor McDavid. Quelle: Keystone

Connor McDavid. Quelle: Keystone

Laine, der Frühreife

Gleiches gilt für Winnipeg, den jüngsten kanadischen Vertreter in der NHL. Die Jets sicherten sich im Draft die Rechte am hoch talentierten Finnen Patrik Laine. Der 18-jährige Flügelstürmer war vergangenes Frühjahr als wertvollster Spieler der finnischen Playoffs ausgezeichnet worden, ehe er auch an der WM in Russland gross auftrumpfte. Für Tappara Tampere und die Nationalteams erzielte Laine 2015/2016 in gesamthaft 90 Begegnungen 46 Tore und 34 Vorlagen.

Patrik Laine. Quelle: Keystone

Eriksson, die Ergänzung

Bleibt noch Vancouver. Die Canucks verpflichteten im Sommer den Ex-Davoser Loui Eriksson von den Boston Bruins. Der Schwede soll seine genialen, aber bereits 36 Jahre alten Landsmänner Henrik und Daniel Sedin im Sturm unterstützen. Von der Schweden-Linie abgesehen darf die Qualität im Canucks-Kader indes als bescheiden bezeichnet werden, die Playoffs dürften ausser Reichweite bleiben.

Loui Eriksson. Quelle: Keystone

In der Nacht auf morgen Donnerstag beginnt sie also, die 99. Saison in der National Hockey League – und damit auch ein langer, 82 Spiele dauernder Weg der Wiedergutmachung für die kanadischen Teams.

Berner Zeitung

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