Die Pflicht erfüllt, mehr nicht

Mit dem 3:1 gegen Rapperswil-Jona erfüllt der SC Bern die Pflicht. Spektakel gibts aber nur wenig.

Andrew Ebbett (Mitte) bringt den SC Bern früh in Führung.

Andrew Ebbett (Mitte) bringt den SC Bern früh in Führung.

(Bild: Keystone Anthony Anex)

Das fünfte Powerplay, ein letzter Versuch, doch noch einen Überzahltreffer zu erzielen. Wieder zirkuliert der Puck nicht schlecht, wieder fehlt aber die letzte Effizienz. Und so bleibt es bis zuletzt beim 3:1 und Yanik Burren muss konstatieren: «Im Überzahlspiel haben wir noch deutliches Steigerungspotenzial.»

Schon im Mitteldrittel hatte der SCB in drei Situationen mit einem Mann mehr beim Stande von 2:0 die Vorentscheidung verpasst. «Ich finde nicht, dass wir zu statisch spielen, aber es muss einfach einmal einer rein fallen», sagt Burren. Nur das achtbeste Überzahlspiel der Liga haben die Berner, viel zu wenig angesichts ihres Potenzials.

Das 1:0 nach 176 Sekunden: überfällig

Der Vergleich zwischen Meisterkandidat und Aufsteiger ist eines der Duelle, bei denen die Motivationskünste des Trainers des Favoriten besonders getestet werden. Denn bei allem Respekt, den man jedem Team entgegenbringen muss, messen sich solche Equipen nur selten auf Augenhöhe. Auch gestern nicht: 20 Punkte trennten die beiden Mannschaften vor Spielbeginn.

23 Tore mehr hat Bern erzielt, 20 Gegentreffer weniger kassiert. Hätte Kari Jalonen von der Auswärtsstärke der Rosenstädter gesprochen, hätten seine Spieler mitleidig den Kopf geschüttelt - sieben Spiele auf fremdem Eis hat das Team von Jeff Tomlinson bestritten, null Punkte resultierten dabei.

Da blieb dem Finnen also nur, der eigenen Equipe noch einmal das Arbeitsethos in Erinnerung zu rufen. Eine Aufgabe, die ihm durch die Niederlagen in Freiburg und Lugano gewiss erleichtert wurde. Alle wussten, dass eine dritte Niederlage in Serie für leichte Unruhe sorgen würde. Jalonen hatte die Offensivreihen leicht umgestellt, und die neuen Impulse taten anfänglich gut. Sofort übernahm der Gastgeber die Initiative, und als Andrew Ebbett nach 176 Sekunden den Führungstreffer erzielte, war dieser nur eins: überfällig. Matthias Bieber, Jan Mursak und Burren hatten das 1:0 vorher schon auf dem Stock gehabt.

Nach dem Anfangsfeuerwerk konnte Rapperswil das Spielgeschehen etwas ausgleichen. Der SCB wirkte aber immer in der Lage, nach Belieben hochschalten zu können, und nach dem 2:0 von Mursak (17.) schien die Partie faktisch gelaufen. 1,0 Tore hatten die Lakers auswärts bisher durchschnittlich erzielt, ein Wert, mit dem sich keine Partien gewinnen lassen, schon gar nicht gegen die stärkste Abwehr der Liga.

Eine Pause für die Nationalspieler

Zwei Spiele stehen nun noch an bis zum Unterbruch. Am Samstag will sich der SCB bei Leader Biel für die einzige Saisonheimniederlage (2:5) revanchieren. Auf die Frage, was sie besser machen müssen als damals, meint Burren lapidar: «Am besten alles.» Am Dienstag folgt dann das Achtelfinalhinspiel in der Champions League bei Malmö. Nachher können auch die Rüfenacht, Moser und Co. kurzzeitig die Beine hochlagern: Im Gegensatz zum Vorjahr hat Patrick Fischer für den Novembertermin keine Berner aufgeboten.

Vielleicht habe die Tatsache, dass man zuerst inSchweden spielen müsse, beim Entscheid eine kleine Rolle gespielt, sagt SCB-Sportchef Alex Chatelain, man habe den Nationaltrainer aber nicht gebeten, auf Berner zu verzichten. Nachdem Nashville in der Nacht auf Freitag den Vertrag mit Tyler Moy aufgelöst hatte, konnte man spekulieren, ob es bald Kaderzuwachs geben würde.

Leser dieser Zeitung wissen: Der SCB hatte dem Amerikaner, der das Ausländerkontingent nicht belasten würde, eine Offerte gemacht. Das ist aber Schnee von gestern, sagt Chatelain: «Wir haben uns zurückgezogen.» Angesichts der Breite im Berner Sturm verständlich. Erstaunen würde es nicht, wenn Moy bei Lausanne oder Servette unterschreibt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt