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«Du hast keine Ahnung, wie sie über dich denken»

Kevin Fiala (18) musste im Herbst unten durch, als er im Trainingscamp von Nashville den Sprung in die NHL verpasste. Mittlerweile hat er in Schweden die Enttäuschung überwunden.

Wenn Kevin Fiala irgendwo ein Traumhaus bauen könnte, würde er dies in Los Angeles am Manhattan Beach tun. Noch ist ein solches weit weg, die Richtung stimmt aber. Der 18-jährige Uzwiler wurde Ende Juni von den Nashville Predators als Nummer 11 gedraftet. Er zeigte im Vorbereitungscamp auf die NHL-Saison gute Ansätze. In vier Partien gelangen ihm je ein Tor und ein Assist. Dennoch reichte es ihm (noch) nicht, sich einen Platz in der besten Liga der Welt zu sichern. Er war der letzte Stürmer, den Nashville vor dem Saisonstart aus dem Kader strich. Wäre Fiala früher nach Schweden zu HV71 Jönköping zurückgeschickt worden, wäre dies für ihn weniger ein Problem gewesen, so aber war die Enttäuschung riesig.

Schwierig war für ihn auch, dass er während der NHL-Vorbereitung zwar immer wieder kleine Feedbacks erhielt, aber nie richtig wusste, woran er ist. «Du hast keine Ahnung, wie sie über dich denken», sagte Fiala. «Das ist ein Gefühl, das du nicht haben willst.» Überhaupt sei es in Nordamerika eine andere Welt. Um dies zu untermauern, erzählte er ein Beispiel eines Kollegen, der zu seinem Headcoach gegangen sei und gefragt habe, warum er nicht zum Einsatz komme. Daraufhin reagierte dieser heftig und sagte, dass er nie mehr unter ihm spielen werde. Fiala: «Es ist krass, was sie dort machen können.» Wenig Probleme hatte er dagegen mit der Umstellung auf das kleinere Eisfeld. Dieses ist in der Offensive dank Fialas Schnelligkeit gar ein Vorteil. In der defensiven Zone war er allerdings zu wenig gut.

Der erboste Headcoach

Nach der Rückkehr nach Schweden hatte Fiala zunächst Mühe, mit der Degradierung umzugehen. Bei seinem ersten Saisoneinsatz für HV71 in der Champions League beschimpfte er im letzten Drittel nach einer erhaltenen Zwei-Minuten-Strafe einen Offiziellen und kassierte zwei weitere Minuten. Dies erboste Trainer Andreas Johansson dermassen, dass er ihn danach in die Kabine schickte. Im nächsten Spiel musste Fiala zuschauen. «Ich war noch nicht bereit, hatte es verdient», blickte er zurück. «Nachher merkte ich, dass ich Nashville in dieser Saison hinter mir lassen und es positiv nehmen muss.»

Seither läuft es ihm ziemlich gut; in 15 Meisterschaftsspielen erzielte er vier Tore und neun Assists. Beim 3:2-Sieg am Dienstag gegen Djurgarden Stockholm zeigte er mehrmals, über welch gute Technik er verfügt. Er gehörte in der Offensive trotz null Punkten nicht nur wegen seiner roten Schaufel zu den auffälligsten Spielern. Es fehlt Fiala aber noch an der Konstanz, was angesichts seines jungen Alters logisch ist. «Er ist fantastisch, wenn er es will», sagte Trainer Johansson, der für den SC Bern (2000/2001) und für Genève-Servette (2004 bis 2006) gespielt hatte. Es sei grossartig, ihm zuzuschauen, und er sei sicher, dass Leute seinetwegen Tickets kauften. «Aber er muss noch viel lernen. Glauben Sie mir.»

Fortschritte im mentalen Bereich?

Wo vor allem? «Im mentalen Bereich. Er ist erst 18 Jahre alt. Es dauert eine Weile, um erwachsen zu werden. Er muss verstehen, dass das Team zuerst kommt – immer.» Johansson traut Fiala zu, in der Zukunft eine gute Rolle in der NHL spielen zu können. «Er sollte sich nun aber darauf fokussieren, einer der besten Spieler in dieser Liga zu sein. Wenn Nashville das sieht, werden sie ihm eine Chance geben. Mein Ziel ist es, ihm zu helfen, ein NHL-Spieler zu werden.»

Johansson ist für Fiala ein Glücksfall, auch weil er selber schon für die Predators gespielt und immer noch gute Kontakte zur Organisation hat. Deshalb spricht er oft mit den Verantwortlichen von Nashville. «Sie wissen, was er tun muss.» Fiala schätzt auch, dass Johansson ihn, wenn nötig, hart anpackt, ihm zeigt, dass er in jedem Spiel Gas geben muss. Er braucht das hie und da. Zudem gab es schon Zeiten, da er das Gefühl hatte, aufgrund seines Talents nichts mehr machen zu müssen. So wurde er einmal nicht für die U-18-WM berücksichtigt. Daraus hat er aber gelernt. Nun bezeichnet er sich als «harten Arbeiter». Es ist sein Anspruch, immer bodenständig zu bleiben.

Diese Tugenden sollen Fiala im nächsten Jahr einen Platz in der NHL sichern. Würde er den Sprung wieder nicht schaffen, «wäre ich schon deprimiert». Sein Ziel hat er quasi vor Augen, befindet sich doch in unmittelbarer Nähe von Fialas Wohnung im Zentrum von Jönköping eine Sportbar mit dem Bild zweier Spieler der Boston Bruins, die den Stanley-Cup in die Höhe stemmen. Der Traum ist also nah und doch so fern – wie das Traumhaus in Los Angeles.

si/fal

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