Echtes Teamwork statt künstliches Hollywood

Nicht spektakulär, aber stabil: Der SC Bern gewinnt die ersten drei Partien im neuen Jahr.

Gaëtan Haas bejubelt mit Tristan Scherwey das 2:0 gegen den ZSC. Der SCB möchte mit beiden Stürmern vorzeitig verlängern.

Gaëtan Haas bejubelt mit Tristan Scherwey das 2:0 gegen den ZSC. Der SCB möchte mit beiden Stürmern vorzeitig verlängern.

(Bild: Keystone)

Reto Kirchhofer@rek_81

Eine Szene, ein Sinnbild, ein Zeichen. Die ZSC Lions spielen in Überzahl, der Berner Topskorer Mark Arcobello wirft sich in einen Schuss, wird getroffen, fährt leicht hinkend zur Spielerbank. Es läuft die fünfte Minute, und Arcobello hat bereits einen Akzent gesetzt – nicht in Form eines Tores, aber ähnlich wertvoll. Wenn sich der beste Skorer nicht um Drecksarbeit foutiert, dann stimmt es mit Chemie und Harmonie in einer Mannschaft. Und beim SC Bern stimmt gerade einiges: Er hat in der ersten Woche im Jahr 2019 dreimal gewonnen und steht an der Spitze der National League.

Wie es auch sein könnte, demonstrierte einst Pierre-Marc Bouchard. Der langjährige NHL-Stürmer bat vor viereinhalb Jahren nach seinem Wechsel zum EV Zug darum, im Unterzahlspiel bitte schön nicht eingesetzt zu werden. Auch das war ein Zeichen. Bouchard verliess den Club zwei Jahre später, ohne mit Zug eine einzige Playoff-Serie gewonnen zu haben.

Der SC Bern zeichnet sich zurzeit dadurch aus, dass alle Feldspieler nach vorne wie nach hinten arbeiten. Verteidiger Eric Blum sagt: «Viele sprechen davon, dass eine gute Defensive die Basis sei. Aber wir setzen dieses Denken auch um.»

König Jalonen

Beim 3:0-Erfolg am Samstag über Meister ZSC hielt der SCB einmal mehr hinten dicht. Torhüter Leonardo Genoni blieb in der Postfinance-Arena bereits zum siebten Mal in dieser Saison ohne Gegentor. Seit Anfang Dezember hat die Mannschaft von Kari Jalonen in der Meisterschaft nur einmal mehr als einen Treffer kassiert (beim 1:4 in Ambri). Gegen Zürich erwies sich die Equipe einmal mehr als stabil und kompakt. «Es war ein richtiger Teameffort», sagt Blum. Der Verteidiger steuerte das Tor zum 1:0 und den Assist zum 2:0 durch Gaëtan Haas bei. Den Schlusspunkt setzte Arcobello mit seinem verwandelten Penalty in der 59. Minute.

Und so ist der SCB nach 30 Qualifikationspartien mit 62 Punkten Tabellenführer. Er hält sich als eines von nur vier Teams aus dem Strichkampf raus, ist mit Zug der Konkurrenz sanft entrückt, während am Tabellenende Rapperswil und Davos abgeschlagen sind. Was die Berner zeigen, ist häufig erfolgreich und selten spektakulär. Geschäftsführer Marc Lüthi sagt, es sei zurzeit «gar wenig Hollywood – auch für meinen Geschmack. Aber künstlich Hollywood erzeugen? Das wäre fatal. Es gibt genügend andere Teams, die im Seich sind.» Für Coach Jalonen zählt sowieso nur der Erfolg. Er sagt: «Im Januar bietet sich die Gelegenheit, an den Details zu arbeiten. Wir werden uns weiter steigern.»

«Viele sprechendavon, dass eine gute Defensive die Basis sei. Aber wir setzen diesesDenken auch um.»Eric Blum Verteidiger des SC Bern

Am Sonntag gab der Cheftrainer den Spielern frei. Etwa wegen des Dreikönigstags? «Nein, nein. Ich kenne die Tradition mit den Königen im Kuchen. Aber in Finnland leben wir sie leider nicht auf diese Weise», sagt Jalonen und schmunzelt. Der Finne wird es verkraften. Er pflegt am 6. Januar so oder so König zu sein. Am Sonntag feierte Jalonen seinen 59. Geburtstag.

Berner Zeitung

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