Was eine defekte Tür und der SCB gemeinsam haben

Der Favorit strauchelt durchs Playoff, sucht nach Kontrolle, findet keine Konstanz. Eine Niederlage heute in Biel würde für den stolzen SC Bern das Aus bedeuten.

Torhüter Leonardo Genoni ist heute in Biel gefordert. (Keystone)

Torhüter Leonardo Genoni ist heute in Biel gefordert. (Keystone)

Reto Kirchhofer@rek_81

Eine kurze Szene, so passend zum Zustand des SC Bern. Die fünfte Halbfinalpartie zwischen Bern und Biel ist längst vorbei, Mitternacht ebenfalls. Die meisten Besucher sind gegangen, ein Grüppchen SCB-Fans verharrt. Ein letzter Schluck, dann verlässt es die Postfinance-Arena durch die Tür beim VIP-Infopoint. Doch die Automatik streikt. Wo «Hier drücken» steht und eifrig gedrückt wird, passiert ebenfalls nichts. Zwei schieben die Türen von Hand auseinander, der Dritte zwängt sich mit dem Rollstuhl durch die Öffnung. Er hätte allen Grund dazu, sich zu ärgern: wegen der Tür, vor allem aber wegen dem Gebotenen zuvor, wegen des 0:2 seines SCB im so richtungsweisenden Match gegen Biel. Er bleibt gefasst, sagt mit ruhiger Stimme: «Mängisch geit di Türe, u mängisch geit si nid – äs isch wi bide Schpiler.» Und fährt in die Nacht hinaus.

So ist das im Playoff mit dem SCB: Manchmal gehen respektive laufen die Spieler, manchmal laufen sie nicht. Manchmal klappts, manchmal nicht. Und Spieler, Trainer sowie Zuschauer scheinen das einfach so hinzunehmen – emotionslos dem Saisonende entgegen.

Sportchef Chatelain: «Ich spürte zu wenig Feuer»

Die Lage für den stolzen SCB ist prekär: Er liegt im Halbfinal 2:3 zurück. Das Spiel heute in Biel wird für ihn zur Partie der letzten Chance. SCB-Sportchef Alex Chatelain sagt: «Ich spürte zu wenig Feuer, zu wenig Dringlichkeit.»

Wie so oft im Playoff stand bei den Bernern der Wille zur Kontrolle über dem Mut zum Risiko. Dabei hätten ihnen die Halbfinalspiele drei und vier aufgezeigt, dass sich gegen die Bieler eine mutige Taktik lohnt: Stärkeres Forechecking, mehr Druck, mehr Vertrauen in die Kreativität, als Folge davon zwei deutliche Siege (6:2 und 5:2).

Aber eben: Dem SCB fehlt die Konstanz. Als Konsequenz davon steht er vor dem Aus. Ramon Untersander sagt: «Vorwärts schauen und am Samstag in Biel gewinnen, es geht für uns nur darum.» Justin Krueger sagt: «Es bringt nichts, zu hadern. Wir müssen klein denken, aber das grosse Bild vor Augen haben.» Yanik Burren sagt: «Nun haben wir das Messer am Hals. Wir müssen in Biel alles reinlegen, was wir haben.»

«Silenzio stampa» auf Finnisch

Es sind Durchhalteparolen. Aber wer will sie den drei Verteidigern verübeln. Immerhin sprechen die Spieler – im Gegensatz zu ihrem Trainer. Kari Jalonen bevorzugt es, vor dem kapitalen Match zu schweigen. Er hätte eine Botschaft platzieren und Optimismus demonstrieren können, auch in Richtung Gegner; so, wie dies sein Antipode Antti Törmänen zuletzt getan hat. Aber Jalonen will nichts sagen, verweist darauf, man solle die Spieler fragen. Das Verhalten des Finnen hat mit Professionalität wenig zu tun. Es passt einzig insofern, als es wahrhaftig die Spieler sind, welche heute im sechsten Halbfinal für den Unterschied sorgen müssen.

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