Eine sechs Runden lange Farce

Die Qualifikationsrunde 2019 wird mit grosser Wahrscheinlichkeit zur totalen Farce. Zeit für eine Modus-Änderung.

Illustration Kornel Stadler.

Illustration Kornel Stadler.

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Platzierungsrunde, Zwischenrunde, Playout, Abstiegsrunde, Playout-Round, Ranking-Round, whatever. Dieses «Mini-Turnier» mit den Teams auf den Rängen 9 bis 12 nach der Qualifikation kennt viele Namen. Sie ist meistens vor allem aber das: ein Ärgernis.

Die vier Teams nehmen alle Punkte aus 50 Regular-Season-Partien mit, spielen sechs Runden (jeder gegen jeden, je einmal zuhause und auswärts) und bestimmen so, wer danach als Elfter und Zwölfter in einer Best-of-7-Serie den Playout-Final spielt. Der Verlierer tritt danach in der Ligaqualifikation gegen den B-Meister in einem weiteren Best-of-7 um den zwölften Platz in der National League an.

Vorher ging es in jedem Spiel um etwas

Seit der Saison 2013/14 wird so gespielt, dieses Format löste das «richtige» Playout ab, in dem in Best-of-7-Formaten zunächst im Habfinal der Neunte auf den Zwölften, sowie der Zehnte auf den Elften traf. Danach kam es ebenfalls zu Playout-Final und Ligaqualifikation.

Es ging also in jedem einzelnen Spiel um etwas.

Im Gegensatz zur aktuellen Form, das eine grosse Anzahl bedeutungsloser Spiele produziert. Es war schon in den ersten fünf Jahren oft so, so extrem wie 2018/19 dürfte es aber noch nie gewesen sein.

Das Format hat ausgedient, es ist Zeit für Neues. Oder besser gesagt für Altes: Playout-Halbfinal, Playout-Final, Ligaqualifikation.

Rund die Hälfte der Spiele sind bedeutungslos

Dazu ein paar Zahlen zu den Saisons 2013/14 bis 2017/18 – die aktuelle Saison 2018/19 lassen wir kurz auf der Seite: In exakt 30 Prozent der Platzierungsrunden-Spiele ging es für beide Teams um rein gar nichts. In 40,8 Prozent der Partien ging es zumindest für eines der beiden Teams um gar nichts. Und definieren wir «bedeutungsvolles Spiel» als Partie, in der es darum geht, ob einem Team noch das Playout-Final droht und lassen den Heimvorteil ausser Acht, dann ging es in 41,7 Prozent aller Spiele um nichts.

Doch diese Saison wird es wegen des abgeschlagenen HC Davos und der noch viel weiter abgeschlagenen Rapperswil-Jona Lakers noch absurder. Die Chancen stehen gut, dass bereits nach 50 Qualifikationsrunden alles feststehen wird: Davos und die Lakers werden den Playout-Final bestreiten, der Rekordmeister wird Heimvorteil haben. Es folgen also im Extremfall 12 Partien ohne irgendeine Bedeutung. Die vorher genannten Zahlen (30 Prozent, 40,8 Prozent, 41,7 Prozent) würden in diesem Fall hochgehen auf 41,7 Prozent, 50,7 Prozent und 51,4 Prozent.

Eine Art «Lex Lakers» und das Gespenst von 2010

Warum wurde vor sechs Jahren überhaupt diese Modusänderung vorgenommen? Es war eine Mischung aus Angst und einer Art «Lex Lakers». Mehrmals hatte Rapperswil-Jona die Qualifikation abgeschlagen als Letzter oder Zweitletzter beendet, sich quasi wochen- und monatelang aufs Playout vorbereitet und dann nicht nur einmal im Best-of-7 ein Team besiegt, das bis am Ende im Playoff-Kampf verwickelt gewesen war.

Oder war es eine «Lex Biel»? Es sollte auf jeden Fall nicht nochmals vorkommen, was 2010 geschah: Der EHC Biel beendete die Saison als Neunter, verlor beide Playout-Serien und rettete sich erst in extremis in Spiel 7 der Ligaqualifikation gegen B-Meister Lausanne. Um ein Haar das Playoff verpassen und dann um ein Haar absteigen? Plötzlich schien das möglich, ein Gespenst war geboren.

Klar, die meisten Spieler, Manager und Fans der jeweils Neunt- und Zehntplatzierten dürften nun laut protestieren. Doch man könnte es auch böse formulieren: Der 2013 eingeführte Modus ist ein Stück weit auch die Abkehr von der Leistungskultur.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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