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Heinz Ehlers: Einst Rebell, heute der Inbegriff von Disziplin

Heinz Ehlers ist der Erfolgsbaumeister der SCL Tigers. Doch wer ist der 53-jährige Däne – und wie tickt er genau?

Heinz Ehlers hat in Langnau das Leistungsprinzip eingeführt – und den Aussenseiter SCL Tigers zu einem unangenehmen Gegner gemacht.
Heinz Ehlers hat in Langnau das Leistungsprinzip eingeführt – und den Aussenseiter SCL Tigers zu einem unangenehmen Gegner gemacht.
Christian Pfander

Es ist der Morgen danach. Hinter Heinz Ehlers und den SCL Tigers liegt eine 3:4-Niederlage im letzten Qualifikationsspiel gegen Lausanne und somit das Verpassen des Heimvorteils in der ersten Playoff-Runde gegen denselben Gegner. Zwar fand Ehlers ein paar Stunden Schlaf, besänftigt aber haben ihn diese nicht. «Ich ärgere mich noch immer», hält er fest. Es ist eine typische Aussage für den 53-Jährigen, der es nicht ausstehen kann zu verlieren. Vor allem dann nicht, wenn er das Gefühl hat, dass sein Team nicht voll bei der Sache ist.

Im Emmental haben sie den zuweilen bärbeissigen Dänen lieb gewonnen. Was natürlich in direktem Zusammenhang mit dessen Leistungsausweis steht. Ehlers ist es gelungen, den Aussenseiter, dem kaum jemand Kredit gegeben hatte, ins Playoff zu führen. Er hat aus einer Mannschaft ohne Struktur einen äusserst gut organisierten und unangenehmen Gegner gemacht. Gegen die SCL Tigers spielt niemand gern – das ist vielleicht das grösste Lob für den Dänen.

Er kann auch anders

Bevor Ehlers die SCL Tigers nach dem schlechtesten Saisonstart in der Clubgeschichte (9 Niederlagen in 10 Spielen) im Oktober 2016 übernahm, war der Coach im Verein das schwächste Glied gewesen. Innert weniger als vier Jahren hatten die Langnauer sieben Trainer verbraucht. Weil die mit viel Macht ausgestatteten Spieler stets ein offenes Ohr in der Chefetage fanden, wenn ihnen etwas nicht passte. Mit Ehlers änderten die Machtverhältnisse. Auf dem Eis ist er der Chef, der alles unter Kontrolle haben will. Daneben sorgt die Leitung um Sportchef Marco Bayer und Geschäftsführer Peter Müller für Ruhe und Kontinuität.

Es mag oftmals zu wenig tief greifen, wenn Erfolg und Misserfolg alleine vom Trainer abhängig gemacht werden. Bei den SCL Tigers allerdings ist dessen Einfluss offensichtlich: Unter Ehlers gewannen sie im Schnitt jedes zweite Spiel; das ist für einen Club mit diesen bescheidenen Möglichkeiten ein sensationeller Wert. Ehlers sagt, die Playoff-Teilnahme mache ihn unheimlich stolz. Den Einwand, ohne ihn wäre diese nicht möglich gewesen, lässt er indes nicht gelten. Klar habe er bei der Zusammenstellung des Teams ein Wörtchen mitgeredet und die Spielweise vorgegeben. «Aber das hätten andere auch schaffen können.»

Er hat einen sehr schwarzen Humor

Bayer hat in der Saison 1993/1994 mit dem ZSC gegen den bei Biel engagierten Ehlers gespielt. Mehr als die Duelle mit ihm ist dem Zürcher ein Trainingslager in Erinnerung geblieben, das beide Teams am selben Ort durchführten. «Wir hatten neben dem Eis Spass», erzählt er. Der Däne möge sich in der Öffentlichkeit knorrig und unnahbar geben, «aber in der kleinen Runde zeigt er ganz andere Charakterzüge. Er hat einen sehr schwarzen Humor.» Doch wenn es ernst gilt, dann will Ehlers gewinnen. «So war er schon als Spieler, er hat alles dafür getan.»

Darauf angesprochen, lacht der Däne und meint: «Der Spieler Heinz Ehlers hatte Qualitäten, die wir gebrauchen könnten.» Doch sei er eben auch ein Rebell gewesen, einer, der den Trainern unangenehme Fragen gestellt habe. Tun dies seine Spieler heute, finde er das gut, betont Ehlers. «Das zeigt, dass sie sich mit anderen Ideen beschäftigen. Aber sie stellen nicht so oft Fragen.» Denn Schweizer seien autoritätsgläubig. Und sie seien auch sensibler als Skandinavier und Kanadier. «Es braucht viel mehr Fingerspitzengefühl. Denn hier hast du weniger Alternativen, musst mit den Spielern arbeiten, die du hast.»

«Heinz hat Charisma. Er ist eine Respektsperson, er hat uns im ersten Gespräch überzeugt.»

Daniel Villard Manager EHC Biel

Daniel Villard sagt es so: «Heinz hat Charisma. Er ist eine Respektsperson, er hat uns im ersten Gespräch überzeugt.» Der Biel-Manager war es, der 2007 dem unbekannten Coach eine Chance gab. Und dieser schaffte, woran zuvor 13 Trainer gescheitert waren: Er führte den EHC Biel gleich in der ersten Saison zurück in die NLA. Danach überzeugten die Bieler lange, obwohl das Kader kaum die Tauglichkeit für die höchste Spielklasse besass. Doch als ihnen gegen Ende die Luft ausging, sie in der Ligaqualifikation gegen NLB-Meister Lausanne 0:2 zurücklagen, musste Ehlers gehen. Und trotzdem sind die Kontakte zwischen dem Dänen und der Clubleitung um Villard und Sportchef Martin Steinegger nie abgerissen, auch weil Ehlers nach wie vor in Biel wohnt. Man trifft sich zwischendurch zum Kaffee oder telefoniert.

Hart – aber immer fair

Villard sagt, Ehlers sei noch immer derselbe wie damals. «Vielleicht ist er ein bisschen gelassener geworden. Weil er nicht mehr allen beweisen muss, dass er ein guter Coach ist.» Gewiss: In Langnau hat er das Leistungsprinzip eingeführt, sich von einigen Spielern getrennt, die ihm nicht passten. Doch ihn nur als Disziplinfanatiker oder gar Schleiffer zu bezeichnen, wäre falsch. Wer mit Wegbegleitern spricht, bekommt stets dasselbe zu hören: Ehlers ist hart, aber fair.

Er fordert viel, hält nicht mit Kritik zurück. «Aber er spürt sehr genau, wann er hart und wann er positiv sein muss. Und er ist nie nachtragend. Machst du einen Fehler, kannst du ihn wiedergutmachen», sagt Bayer, der während einer Saison als Assistent des Dänen arbeitete. Und Villard ergänzt, Ehlers gehe bei aller Härte nie unter die Gürtellinie, behandle stets alle Spieler mit Respekt.

Das erklärt, weshalb sich der 53-Jährige überall lange im Amt halten konnte. Vier Saisons in Langenthal, drei in Lausanne und nun schon die dritte in Langnau. Und überall arbeitete er erfolgreich. Aufstieg mit Biel, NLB-Meistertitel mit Langenthal, und Lausanne führte er nach der Promotion 2014 direkt ins Playoff. Zweimal scheiterte er mit den damals noch deutlich schwächer besetzten Waadtländern erst im 7. Spiel des Viertelfinals, 2014 gegen den späteren Meister ZSC, 2015 gegen den SCB. Danach stiegen beim LHC schwerreiche nordamerikanische Investoren ein, die eine Abkehr von der von Ehlers vorgegebenen defensiven Spielweise wollten.

In Langnau hat er gerade damit den Erfolg herbeigeführt. Niemandem käme in den Sinn, den Dänen deswegen zu kritisieren. Zumal er sich auch geöffnet hat, nun offensiver spielen lässt als noch vor zwei Jahren. «Man entwickelt sich immer weiter, persönlich, aber auch als Trainer», sagt Ehlers. Natürlich sind die Langnauer gegen Lausanne nun Aussenseiter, doch könnte diese Mannschaft den Waadtländern durchaus wehtun. Was Ehlers natürlich nie sagen würde.

Heinz Ehlers hat in Langnau das Leistungsprinzip eingeführt – und den Aussenseiter SCL Tigers zu einem unangenehmen Gegner gemacht. Foto: Christian Pfander

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