Er hat wieder diese Prise Arroganz

Kloten

In Lugano wurde aus Damien Brunner ein Suchender und Leidender. Deshalb entschied sich der Klotener für die Flucht nach Biel – es war seine letzte Chance.

«Brunni, du passt nach Biel.» Und dort, beim EHC, blüht Damien Brunner wieder auf.

«Brunni, du passt nach Biel.» Und dort, beim EHC, blüht Damien Brunner wieder auf.

(Bild: Keystone Salvatore Di Nolfi)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Es hätte durchaus ungemütlich werden können. Viermal in Folge hatte der EHC Biel verloren, als er am 30. November in Lugano antrat. Doch genau in diesem heiklen Moment konnten die Seeländer auf ihn zählen: Mit drei Toren und einem Assist führte Damien Brunner sein Team zum 4:3-Sieg – und aus dem Tief. Es sind solche Dinge, die sie sich von ihm in Biel erhofft hatten, als sie ihn im Mai vom HC Lugano übernahmen.

15 Treffer hat Brunner bereits erzielt. Es gibt Momente, da erinnert er mit seinen Auftritten an die Hochzeiten, in denen er als erster Schweizer seit 30 Jahren Ligatopskorer wurde (2012) und ein paar Monate später an der Seite Henrik Zetterbergs zuerst in Zug und dann in Detroit für Spektakel sorgte. Sehen wir in diesen Tagen den besten Brunner seit 2012/2013? «Ja, das kann man so sagen, also zumindest auf Schweizer Eis», sagt er.

Der Stürmer ist mit sich im Reinen – das merkt, wer mit ihm spricht oder ihn im Training ­beobachtet. Es kann schon einmal vorkommen, dass er nach einer Einheit das Eis verlässt und dabei einen Jauchzer von sich gibt. Bei so viel guter Laune geht beinahe vergessen, was hinter ihm liegt.

Plötzlich dauerverletzt

«Ich stand an einem Scheideweg und wusste: Nun muss etwas ­gehen, sonst ist die Karriere in einem Jahr vielleicht vorbei», sagt er über seine Vertragsauf­lösung mit Lugano. Man kann ihm das als Flucht auslegen, denn im Sottoceneri war aus Brunner, diesem Paradestürmer mit unbedingtem Siegeswillen und unerschütterlichem Selbstvertrauen, ein Suchender und Leidender geworden.

In dreieinhalb Jahren verletzte er sich an Schulter, Knie und Oberschenkel; er erlitt zwei ­Gehirnerschütterungen, einen Nasenbeinbruch; und letzten Frühling zog er sich im zweitletzten Spiel vor dem Playoff einen Wadenbeinbruch und eine Knöchelverletzung zu. «Wenn du dich immer wieder verletzt, nicht mehr dorthin kommst, wo du vorher warst, sogar noch weiter zurückfällst, dann verlierst du das Vertrauen», sagt er. Nichts ist für einen Spieler, der so sehr vom guten Gefühl lebt, schlimmer.

Als Lugano gegen die ZSC Lions um den Titel kämpfte, lag Brunner im Spitalbett. Schliesslich folgte nach Saisonende ein Gespräch mit Sportchef Roland Habisreutinger. «Nach den ersten drei Minuten spürten wir beide, dass die Zeichen auf Abschied stehen», sagt Brunner. Entsprechend legten ihm die Luganesi keine Steine in den Weg.

«Brunni, du passt nach Biel»

Brunner erzählt, wie er sich dann mit seinem Agenten und den Eltern beriet. Und wie ihm Fabian Lüthi und Fabian Sutter, zwei Kumpel aus vergangenen EVZ-Zeiten, vom EHC Biel vorschwärmten. «Alle meinten: Brunni, du passt nach Biel. Komm hier hin, spiel frisch von der Leber weg, dann kommt ­alles gut.»

Der 32-Jährige ist nach Jonas Hiller und Beat Forster der dritte Hochkaräter, den der EHC Biel verpflichtete. Was auch mit den neuen Bedingungen im Seeland zu tun hat. Dank der zusätzlichen Vermarktungsmöglichkeiten in der 2015 eröffneten Tissot-Arena konnte das Budget innerhalb von drei Jahren von rund 10 auf 16,5 Millionen Franken pro Saison erhöht werden. Wobei das Credo klar ist: Die Bieler leisten sich ein paar Spitzenspieler und versuchen, das Kader mit jungen Talenten zu ergänzen.

Bis anhin geht die Strategie auf: 2018 stiess Biel zum ersten Mal nach 28 Jahren wieder in den Playoff-Halbfinal vor. Und nun halten sich die Bieler erneut in der Spitzengruppe, auch wenn sie zuletzt an Konstanz eingebüsst haben.

Zeit für den «Königstransfer»

Biel-Sportchef Martin Steinegger sagt, er sehe jetzt wieder diese «Prise Arroganz» in Brunners Spiel. «Diese zeichnet ihn aus.» Er und Coach Antti Törmänen ­taten alles dafür, dass sich die grosse Investition auszahlt und der Stürmer sein Potenzial ausschöpfen kann.

In der Vorbereitung erhielt Brunner deshalb viel Zeit. Dadurch habe er wieder ein Gespür für seinen Körper und seine ­Fähigkeiten bekommen, sagt er. «Nun kann ich wieder mit sehr viel Selbstvertrauen und Lockerheit auftreten, das sind Faktoren, die mein Spiel begünstigen.» Und zweifellos hat es geholfen, startete Biel mit einer Siegesserie in die Saison. So konnte sich der «Königstransfer» langsam herantasten. Zehn Spiele habe er sich dafür Zeit gegeben, sagt Brunner. «Danach sagte ich mir: So, jetzt gibst du Vollgas.» Nun ist er der Spieler, der in der Liga am meisten Schüsse aus dem Slot abgibt.

Als Brunner Lugano verliess, stellte er an sich eine klare Vorgabe: «Motiviert mit einem ­Lachen im Gesicht und viel Freude täglich alles aus mir herausholen und dabei mich selber bleiben.» In Biel ist er diesem Ziel nähergekommen.

Damien Brunner ist der Spieler des Monats Dezember.

Die Tamedia-Sportredaktion kürt alle vier Wochen einen Spieler, der die Meisterschaft im abgelaufenen Monat besonders geprägt hat. Im September war es Dominik Kubalik (Ambri), im Oktober Harri Pesonen (SCL Tigers) und im November Lino Martschini (Zug).

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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