Foulen, bis Justitia eingreift

Wenn aus Spiel Ernst wird: Nach einem brutalen Foul wird gegen Eishockeyspieler Steven Pinizzotto wegen vorsätzlicher Körperverletzung ermittelt.

Kein Kind von Traurigkeit: Steven Pinizzotto vom EHC Red Bull München verbrachte in 136 Spielen insgesamt 492 Minuten auf der Strafbank.

Kein Kind von Traurigkeit: Steven Pinizzotto vom EHC Red Bull München verbrachte in 136 Spielen insgesamt 492 Minuten auf der Strafbank.

(Bild: Keystone)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Steven Pinizzotto ist das, was man in Fachkreisen wahlweise als Goon oder Enforcer bezeichnet. Der Deutschkanadier führt nicht die spielerisch feine Klinge, er ist in erster Linie fürs Grobe zuständig.

Zwar gehören solche Spieler nicht zuletzt wegen der strengen Regelauslegung einer aussterbenden Gattung an. Aber es gibt sie eben noch, wie Pinizzotto eindrücklich demonstriert: Seit 2015 spielt er in der DEL für den EHC Red Bull München. In dieser Zeit gewann er zwei Titel, absolvierte 136 Spiele – und sass während 492 Minuten auf der Strafbank.

Vor wenigen Wochen sorgte Pinizzotto abermals für Aufsehen, als er im ersten Spiel des Halbfinals den Mannheimer Matthias Plachta mit einem ­Ellbogencheck gegen den Kopf ausser Gefecht setzte. Damit nicht genug: Derweil Plachta ­benommen auf dem Eis liegen blieb, tat Pinizzotto so, als wäre nichts geschehen, er wollte gar noch eine Schlägerei anzetteln.

Die Liga zog das Raubein dann mit fünf Spielsperren aus dem Verkehr. Erst am Sonntag, im zweiten Finalspiel gegen die ­Eisbären Berlin, durfte er wieder mittun – und blieb zahm.

Es versteht sich von selbst, dass Pinizzotto ausserhalb Münchens längst zur Hassfigur geworden ist. Es ist eine Rolle, die ihm allerdings behagt. Kürzlich meinte er gegenüber der Münchner «Abendzeitung»: «Sollen sie mich hassen. Das stört mich nicht. Ich sehe mir das an, und es bringt mich nur zum Lachen. Es ist doch so: Wenn ich für ihr Team spielen würde, dann würde ich Herzchen und Geschenke kriegen.»

Womöglich könnte Pinizzotto das Lachen bald vergehen. Gegen ihn wird nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung ermittelt. Dies, weil nach dem Foul gegen Plachta zwei Personen eine entsprechende Anzeige einreichten. Übrigens: Der Vertrag Pinizzottos läuft aus, und der EHC Red Bull soll gemäss diversen Medienberichten kein Interesse auf eine Verlängerung haben.

Berner Zeitung

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