Freiburg wie verwandelt – Bern verhandelt

Beim dritten Vergleich innert sechs Tagen setzt sich Gottéron erstmals gegen den SC Bern durch (3:0). Die Berner bleiben trotz Niederlage auf Platz zwei – und verzeichnen Fortschritte bei der Kaderplanung.

Abgeblockt: Gottéron-Goalie Reto Berra pariert den Abschlussversuch des Berners Mark Arcobello.

Abgeblockt: Gottéron-Goalie Reto Berra pariert den Abschlussversuch des Berners Mark Arcobello.

(Bild: Cyril Zingaro (Keystone))

Reto Kirchhofer@rek_81

Der SC Bern gemahnte gegen Freiburg zuletzt an einen Tennislehrer. Das Gegenüber laufen lassen, ihm ab und an eine schöne Aktion, ein kleines Erfolgserlebnis zugestehen – aber jederzeit darauf bedacht, die Überlegenheit auszuspielen. Das Resultat: 6:1 im Cup, 6:2 in der Meisterschaft.

Am Samstag aber, bei Aufschlag respektive Heimvorteil Gottéron, ist alles anders. SCB-Kanadier Andrew Ebbett findet nach dem dritten Zähringerderby innert sechs Tagen die passenden Worte: «Eine Mannschaft war unter Druck, sie suchte verzweifelt den Sieg. Die andere spielte ein bisschen herum.»

Die Verzweifelten sind die Freiburger, die Verspielten die Berner. Sie beziehen nach zwei Kantersiegen eine deutliche Niederlage, verlieren in der BCF-Arena 0:3.

Zum ersten Mal ohne Tor

Wenn im Sport die Dringlichkeit fehlt, fehlt oft auch die Überzeugung. Die Berner gewinnen zwar den einen oder anderen Zweikampf, kommen zu Möglichkeiten. Doch 22 Schüsse blockt der Gegner, 36 werden von Reto Berra pariert.

Am Vorabend machte Gottérons Torhüter in Bern nach seiner Auswechslung noch ein Gesicht, als hätte er saure Milch getrunken. Nun erwischt er einen Sahnetag und sorgt dafür, dass die Berner zum ersten Mal in dieser Saison ohne Torerfolg bleiben. Bei numerischem Vorteil (über zwölf Minuten Powerplay) gelingt ihnen wie so oft in dieser Saison wenig. Tags zuvor reüssierten sie in Überzahl viermal. Aber eine gelungene Prüfung macht aus einem Sorgenkind noch keinen Musterschüler.

Gottéron agiert derweil wie verwandelt: Die Spieler von Mark French machen zeitweise mit zwei Forecheckern Druck, agieren voller Selbstvertrauen, treffen viermal die Torumrandung und dreimal ins Tor. Killian Mottet, Matthias Rossi und Flavio Schmutz verwandeln allesamt unbedrängt aus dem Slot, was dem SCB ein miserables Zeugnis ausstellt. Ebbett sagt: «Ich habe jedes Gegentor auf dem Videowürfel nochmals angesehen und gedacht: Das kann doch nicht sein. Das sind doch nicht wir, die da derart lasch verteidigt haben.»

Ein Trio soll bleiben

In der Tabelle verbleibt Bern auf Platz zwei – mit vier Punkten und zwei Partien Rückstand auf Biel. Fortschritte gibt es derweil bei den Vertragsgesprächen zu verzeichnen. Fünf Feldspieler besitzen einen auslaufenden Kontrakt: Adam Almquist, Calle Andersson, Yanik Burren, Jérémie Kamerzin und Ebbett. Bei vieren gibt es eine Tendenz. Kamerzin konnte sich unter Coach Kari Jalonen nicht für eine tragende Rolle empfehlen. Der Abwehrspieler dürfte bei einem anderen Club bessere Aussichten haben.

Bei Andersson, Burren und Ebbett streben beide Seiten eine Vertragsverlängerung an. Topskorer Ebbett ist auf wie neben dem Eis ein Führungsspieler, Youngster Burren ist in der Hierarchie der Verteidiger an die siebte Stelle gerückt. Und Andersson, Schwede mit Schweizer Lizenz, kriegt nach dem Abgang Maxim Noreaus (zum ZSC) mehr Verantwortung.

Offerte für Moy

Das Ausländerkontingent wie Andersson nicht belasten würde Tyler Moy. Der 23 Jahre alte Amerikaner wurde 2015 von Nashville gedraftet. Er hat seither mehrheitlich in der AHL bei Milwaukee gespielt. Zuletzt fuhr der Lift nicht nach oben in Richtung NHL, sondern nach unten in die ECHL zu Atlanta. Moys Statistiken sind bescheiden. Doch der Center besitzt den Schweizer Pass. Moys Mutter reiste einst als Austauschstudentin aus der Schweiz in die USA und wurde dort sesshaft.

Einer wie Moy passt im Prinzip bestens ins Beuteschema von Servettes Chris McSorley. Der Kanadier arbeitet im Sommer jeweils tagelang die Spielerlisten sämtlicher Ligen in Übersee durch, sucht nach Doppelbürgern und Akteuren mit Schweizer Lizenz. Selbstverständlich ist McSorley an Moys Diensten interessiert. Doch SCB-Sportchef Alex Chatelain sagt, auch die Berner hätten dem 23 Jahre alten Mittelstürmer eine Offerte gemacht.

Berner Zeitung

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