Frühlingsgefühle beim SC Bern

Der SC Bern gewinnt im sechsten Saisonspiel gegen den Meister ZSC Lions zum sechsten Mal (5:4). Damit wird das Team von Kari Jalonen die Qualifikation als Sieger abschliessen. Das Playoff kann kommen.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Es gab sehenswerte Tore. Es gab die unschönen wie wichtigen Abstauber. Es gab hart geführte Zweikämpfe – okay, die waren eher selten. Es gab spielerische Akzente. Es gab generös portionierten Leichtsinn. Und es gab eine spannende Schlussphase, finales Gerangel vor dem Tor inklusive.

Das Publikum goutierte das Gebotene, Bern besiegte die ZSC Lions 5:4, hat sich zum dritten Mal in Folge den Qualifikationssieg gesichert. Und aus Optik des SCB lässt sich festhalten: Es ist Zeit fürs Playoff.

Stürmer Andrew Ebbett sagte vor zwei Wochen nach dem 3:1-Erfolg in Zürich, es werde endlich Frühling, es rieche nach Playoff. Am Freitag war meteorologischer Frühlingsbeginn, Bern spielte erneut gegen den ZSC, besiegte den Rivalen zum sechsten Mal im sechsten Saisonspiel, und tatsächlich dürften die Berner ab und an ordentlich Frühlingsgefühle verspürt haben.

Ebbett pausiert

Das lag auch am Gegner, der dem Tabellenführer im Startdrittel einen Vorgeschmack aufs Playoff bot, die Räume eng machte und häufig zwei Mann vors Tor brachte. SCB-Flügel Matthias Bieber verpasste die Führung früh, ZSC-Torhüter Niklas Schlegel war auf sehenswerte Weise mit der Fanghand zur Stelle.

Doch die Gäste hielten dagegen. Der Schwede Fredrik Pettersson scheiterte im Powerplay zweimal an Leonardo Genoni. Für das einzige Tor im ersten Drittel sorgte Jan Mursak. Der Slowene lenkte einen Schuss Justin Kruegers ab. Mursak führte die zweite Linie als Center, während Wetterschmöcker Ebbett auf der Tribüne sass und eine leichte Verletzung aus dem Match gegen Genf auskurierte. Spätestens zum Playoff-Start wird der Kanadier wieder mittun können.

Im Mittelabschnitt gab es für den Leader dann Frühlingsgefühle anderer Art, nämlich in Form von Leichtigkeit und allerlei Freiheiten auf dem Eis. Topskorer Mark Arcobello reüssierte aus spitzem Winkel mittels wunderbarem Hocheckschuss. Doch eine Szene später zogen die Zürcher mit drei Spielern auf Genoni los – begünstigt von einem miserablen Wechsel der Mursak-Linie. Fabrice Herzog verkürzte.

Wick galoppiert

Ansonsten hatte der SCB die Sache im Griff: Der ZSC machte kaum einmal den Eindruck, als wolle er sich wirklich um jeden Preis das Playoff-Ticket sichern. Vielmehr lähmte der Druck den Meister, und der künftige SCB-Goalie Schlegel begleitete den Leistungsabfall der Gäste mit einigen Missgeschicken.

Nach dem 5:1 durch Thomas Rüfenacht (42. Minute) schien die Begegnung entschieden. Aber wie so oft in jüngerer Zeit lockerte die Equipe von Kari Jalonen die Zügel, liess den Gegner galoppieren. Doch erst als Roman Wick, genau, der Spieler mit wehender Mähne, in der 58. Minute zum 4:5 traf, schien bei den tief verunsicherten Gästen doch noch ein bescheidenes Mass an Zuversicht aufzukommen.

Zum Turnaround reichte es nicht mehr. «Wir sind vom Gas gegangen, Zürich hat das eiskalt ausgenutzt. Wir werden die Lehren ziehen», sagte Doppeltorschütze Rüfenacht.

Zürich noch nicht qualifiziert

Der zuvor defensiv so solide SCB hat somit in den letzten fünf Partien immer mindestens drei Tore erhalten – und dürfte deshalb den eigenen Rekord verpassen. Seit die 50-Spiele-Qualifikation im Herbst 2007 eingeführt wurde, hat erst eine einzige Mannschaft einmal weniger als 100 Tore kassiert: der SCB 2007/2008 (92 Gegentore). Nun steht er bei 91. Es verbleiben zwei Spiele. Soll heissen: Bern braucht zwei Shutouts.

Ach, die Berner haben Sorgen – dürften sich darob die ZSC-Akteure denken. Die Playoff-Teilnahme steht für den Meister mehr denn je in der Schwebe. Zurzeit steht er auf dem achten Platz. Kommt es in einer Woche in Bern zum Wiedersehen?

Telegramm: Bern - ZSC Lions 5:4 (1:0, 3:1, 1:3)

16'001 Zuschauer. - SR Lemelin/Urban, Gnemmi/Obwegeser. - Tore: 11. Mursak (Almquist) 1:0. 22. (21:23) Arcobello (Almquist) 2:0. 23. (22:06) Herzog (Miranda) 2:1. 36. Scherwey (Andersson, Arcobello/Ausschluss Prassl) 3:1. 38. Ruefenacht (Moser, Andersson) 4:1. 42. Ruefenacht (Arcobello) 5:1. 44. Cervenka (Pettersson) 5:2. 55. Bachofner (Prassl) 5:3. 58. Wick (Pettersson) 5:4. - Strafen: 4mal 2 Minuten gegen Bern, 2mal 2 Minuten gegen ZSC Lions. - PostFinance-Topskorer: Arcobello; Hollenstein. Bern: Genoni; Burren, Almquist; Krueger, Blum; Andersson, Gerber; Kamerzin; Ruefenacht, Arcobello, Moser; Boychuk, Mursak, Kämpf; Bieber, Haas, Scherwey; Sciaroni, Heim, Berger; Grassi.

ZSC Lions: Schlegel; Klein, Phil Baltisberger; Noreau, Geering; Karrer, Berni; Ulmann, Geiger; Pettersson, Cervenka, Wick; Bodenmann, Suter, Hollenstein; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Miranda, Prassl, Bachofner.

Bemerkungen: Bern ohne Ebbett und Untersander, ZSC Lions ohne Backman, Blindenbacher, Nilsson, Sutter (alle verletzt) und Marti (krank). - Timeout ZSC Lions (59:43).

Berner Zeitung

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