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Frustrierte Spieler – überforderte Schiedsrichter?

Die Kritik an den NLA-Referees nimmt in diesem Winter zu. Schiedsrichter-Chef Reto Bertolotti versteht die Unzufriedenheit, und kritisiert seinerseits die Trainer.

Protest: Klotens Marcel Jenni manifestiert in Langnau seine Unzufriedenheit über die Leistung von Head Stefan Eichmann.
Protest: Klotens Marcel Jenni manifestiert in Langnau seine Unzufriedenheit über die Leistung von Head Stefan Eichmann.

Marcel Jennis Protestakt am letzten Samstag in der Langnauer Ilfis-Halle entbehrte nicht der Komik. Als der Stürmer der Flyers für ein angebliches Foul die Strafbank aufsuchen musste, wickelte er ein weisses Handtuch um seinen Stock und schwenkte seine kurzerhand gebastelte «Friedensfahne» hin und her. Head Stefan Eichmann verstand diese Aktion nicht als Spass, sondern als Provokation. Der Unparteiische schickte den Klotener «Friedensapostel» mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe von der Kühlbox direkt unter die Dusche. Die Gäste aus dem Zürcher Unterland gewannen die plötzlich gehässige Partie auch ohne Jenni mit 4:3.

Zick-Zack-Kurs verunsichert die Spieler

Dem erfahrenen Professional, der seine Aktion als «Frust und Resignation» bezeichnet hat, geht es ähnlich wie einigen Branchenkollegen sowie zahlreichen Beobachtern der Spiele in der Nationalliga A. Ihnen fehlt die klare Linie der Schiedsrichter, die vorgibt, was auf dem Eis in Sachen Körperkontakt erlaubt ist – und was nicht. Mit dem Zick-Zack-Kurs tun sich die Hauptakteure im Eishockey, sprich die Profis, offenbar schwer. Einerseits pfeifen die Heads zu kleinlich, andrerseits lassen sie zuviel durchgehen – namentlich im Playoff, bemängeln kritische Stimmen.

«Vergehen wie Stockhalten oder Klammern sollten konsequenter geahndet, die guten Spieler vor Stockschlägen oder anderen Fouls besser geschützt werden», bringt es Jenni auf den Punkt. Der 34-jährige, erfahrene Zürcher, der sechs Saisons in Schwedens Eliteklasse absolvierte, hat zudem festgestellt, «dass zu oft in einem Match von den Schiedsrichtern Strafen kompensiert werden». Ausserdem würden sich manche Spielleiter arrogant und selbstgefällig benehmen, «auch dann, wenn man ganz anständig auf ein Missverständnis hinweisen will».

Die Phase der Herbst-Depression

Bertolotti nimmt seine Männer in Schutz. Der Obmann der Schiedsrichter sagt zum Punkt des Auftretens, dass «der Grat zwischen Arroganz und Selbstvertrauen für den Head natürlich sehr schmal ist. Manchmal wirkt ein Schiedsrichter einfach so.» Anderseits überrasche ihn die «Dünnhäutigkeit der Spieler». Diese sind, das weiss der ehemalige Spitzenref aus eigener Erfahrung, schliesslich keine Engel und würden sich auch nicht als solche benehmen.

Das Lamentieren über die Leistungen der Männer mit der Pfeife ist nicht neu. Es sei eine alljährliche Erscheinung, je nach sportlichem Verlauf der Klubs in einer Saison. Sie habe generell mit der «Herbst-Depression» vieler Exponenten im Sport zu tun, findet Bertolotti. «In der Schweiz wird grundlegend oft reklamiert, die Leute sind primär negativ eingestellt.» Der Seeländer zeigt sich aber nicht beleidigt und ist offen für Kritik an der Weise, wie seine Schützlinge die Partien leiten sollen.

«Ich verlange aber, dass die Kritik sachlich und fundiert ist. Man macht es sich hierzulande diesbezüglich etwas gar einfach», findet Bertolotti. «Meine Abteilung hat beispielsweise noch nie einen Video-Clip eines Trainers erhalten, der Fehlentscheide festhält oder Verbesserungen vorschlägt. Ich habe jedoch bestimmt schon 25 bis 30 Clips mit umstrittenen Szenen zusammengestellt, die ich meinen Leuten zeige und dann mit ihnen bespreche. Sie sehen: Wir versuchen, uns ständig zu verbessern.»

Viermann-System im Playoff

Sind unsere Heads überfordert? Oder pfeifen Sie weitaus besser als das, was die Spieler auf dem Eis demonstrieren? Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Die Schweizer Schiedsrichter sind bestimmt nicht so schlecht, wie das viele Profis und Coaches wahrhaben wollen. Sie sind aber auch nicht so gut, wie das aus Verbands- und Ligakreisen gerne behauptet wird. Das Hauptproblem ist, dass nur zwei Profi-Schiedsrichter zur Verfügung stehen – zu wenige für die lange Saison. Bertolotti indessen erachtet das Experiment mit zwei Heads und zwei Linesmen als gelungen. «Das Spiel wird dadurch schneller. Und vier Augenpaare sehen mehr als drei.» Im Februar nächsten Jahres kann die Liga entscheiden, ob sie das Viermann-System für die Meisterschaftsentscheidung einführen will – sofern der Schiedsrichter-Chef dieses Vorhaben von der Qualität seines Personals her auch verantworten kann.

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